hätten ein lebendiges Beispiel vor Augen .... an Orest . « » Und an Florentin , « setzte sie hinzu ; » an Ihrem Jugendgenossen , der , vom Wahnwitz des Radikalismus ergriffen , an die Verwirklichung wilder und blutiger Theorien seine Kräfte vergeudet und in dem Schiffbruch seiner besseren Verhältnisse seit Jahren schon mein Privatsekretär ist . Da aber Lelio , der ganz auf seinem Standpunkt sich befand , sich zu Gott bekehrt hat , so kann dasselbe ja auch an Orest und Florentin geschehen « » Werden Sie so fromm , daß der liebe Gott Ihnen nichts abschlagen kann , « erwiderte Hyazinth freundlich ; » aber wähnen Sie nicht , daß das die Sache von ein paar Tagen oder Jahren - oder daß es überhaupt Menschensache sei . Die Bekehrung vom Irrtum zur Wahreit , von der Sünde zur Tugend ist immer eine geistige Schöpfung , also mehr als irgend etwas hienieden - eine Gottestat . Wir können nichts dabei tun , als uns Gott zum Werkzeug anbieten durch Hingebung unseres Willens . Aber wenn wir das auch in einer Vollkommenheit täten , wie wir es , ach leider ! nicht « tun : so würden wir darum doch nicht immer den gewünschten Erfolg haben . Das Atom unserer Arbeit am Werk Gottes geht nicht verloren , wenn wir es in die unendlich wirksame Kraft des Blutes Jesu eingetaucht hatten ; aber in der großen Einheit der christlichen Kirche kann dies Atom , nach Gottes verhülltem Ratschluß , ihn mehr verherrlichen an einer Seele , die uns unbekannt ist ; oder er will uns prüfen , ob wir beharrlich hoffen und glauben - auch ohne durch äußere Erfolge gestärkt zu werden , und das ist eine heilsame Prüfung , denn sie erhält uns in Demut . Und endlich gibt es ja auch Seelen , die der Gnade widerstreben wollen . « » Ach , man muß viel leiden , wenn man die Seelen liebt ! « sagte Judith ; » ich fange schon an , das zu begreifen . Wer sich damit abgibt , setzt das Leiden des Erlösers fort ; und da diese Liebe das Merkmal und der Stempel ist , den Christus mit seinen Wunden ihr aufgeprägt hat : so zeigt sie sich gerade in diesem Leid als seine Stellvertreterin . « Judith sagte Hyazinth , daß Corona ihre Taufpatin sein wolle und fragte , ob es nicht möglich sei , daß diese heilige Handlung durch Coronas Vermittlung zu Trinità dei Monti stattfinden könne ; dort hätten sie ja auch ihre Zusammenkunft gehabt . Hyazinth erwiderte , das sei sehr wohl möglich . Corona , in einer Anstalt des Sacre Coeur erzogen , habe hier eine der Damen wiedergefunden , welche die Lehrerin ihrer Kindheit gewesen sei - und er zweifle nicht an der Bereitwilligkeit der Damen , in ihrer Kirche die heilige Feier von ihm vornehmen zu lassen und alle nötigen Vorkehrungen zu treffen . » Nur möglichst still und schnell , « bat Judith . » Es wäre mir am liebsten , morgen in aller Frühe , in den ersten Stunden des Tages - damit Orest vorher nichts erfahre . « » Wie soll ich Ihnen eine Antwort zukommen lassen , Signora ? « » Durch Lelio - er ist zuverlässig , « sagte sie . Hyazinth ging auf demselben Wege zurück , auf dem er gekommen war : die kleine Treppe hinab und zur Nebentüre des Palastes , die in ein Seitengäßchen führte , hinaus . Auf den untersten Stufen der Treppe lag ein Facchino und schlief . Hyazinth ging vorsichtig an ihm vorüber , um ihn nicht zu stören , und eilte zu Corona . Von seinem ersten Besuch bei Judith hatte er ihr nichts gesagt , um keine voreilige Hoffnungen in ihr zu wecken und ein ähnliches Gefühl hatte auch sie geleitet , da sie ihm ihre Absicht , mit Judith eine Zusammenkunft zu haben , nicht mitteilte . Wie freute er sich jetzt auf ihre Überraschung , und wie dankte er Gott , der ihnen beiden das Vertrauen gegeben hatte , sich an Judith zu wenden , deren Seele , wie eine zusammengebogene Springfeder , geradeauf schnellte , als sie den Druck der Leidenschaft , der eigenen und der fremden , von sich abschüttelte . Reginas Abscheiden warf keinen Schatten mehr in seine stille Seligkeit . Leben und Tod schienen ihm eine und dieselbe Hymne von dem Triumph des Lichtes und der Gnade über Nacht und Sünde anzustimmen . Bei Corona waren sie alle versammelt , Graf Damian , Uriel und Orest . Mit Tränen im Auge rief Graf Damian ihm entgegen : » Hyazinth , Onkel Levin ist Regina schnell gefolgt ! Hier ist das Telegramm vom Pater Guardian . Blutsturz und Lungenschlag machten binnen zwölf Stunden seinem Leben ein Ende . « » Ruhe in Frieden , heiliger Greis ! « sagte Hyazinth gefaßt ; aber seine Stimme brach in Tränen . » Mir ist zu Mut , als müsse Unheil über Windeck einbrechen , jetzt - da Onkel Levin es nicht mehr bewacht ! « rief Graf Damian ; » und deshalb , Kinder , reise ich zurück ! Sind es diese beiden Donnerschläge aus heiterem Himmel , oder ist es sonst etwas .... aber es drängt mich fort von hier . Ich meine , es müsse alles drunter und drüber gehen . Onkel Levin war ein lebendiger Teil meines eigenen Lebens . All ' dessen Phasen hat er durchgemacht , inniger und treuer als ein Vater , unzertrennlich von Windeck ! es ist eine Ruine ohne ihn . « Niemand versuchte ihn zu trösten . Uriel war außer sich vor Schmerz , den Onkel Levin gleichsam im Tode verlassen zu haben . Corona beweinte ihren zärtlichen und treuen Ratgeber und Tröster . Orest war von stumpfer Niedergeschlagenheit zerdrückt . Der Tod .... und wieder der Tod ! und er behandelte das Leben und dessen Erscheinungen , als ob diese Welt voll vergänglicher Schatten - eine