, ich wolle zur Mutter gehen , ihr alles entdecken und sie um ihr gütiges Vorwort bei dem Vater bitten . Mathilde antwortete , das werde gut sein , sie wünsche es , und unser Glück müsse dadurch sich erst recht klären und befestigen . Ich ging nun zur Mutter Mathildens , und sagte ihr alles mit schlichten Worten , aber mit zagender Stimme . Ich habe das von Euch nicht erwartet und nicht geahnt , erwiderte sie , ich kann Euch auch einen Bescheid nicht geben . Ich muß erst mit meinem Gatten sprechen . Kommt in einer Stunde in mein Zimmer , und ich werde Euch antworten . Ich verbeugte mich , verließ ihr Gemach , und begab mich in mein Eckzimmer . Als die Stunde vorüber war , ging ich in das Besuchzimmer der Mutter Mathildens . Sie erwartete mich schon . Sie saß an ihrem Tische , um den wir uns so oft versammelt hatten . Sie bot mir auch einen Stuhl an . Nachdem ich mich gesetzt hatte , sagte sie : Mein Gatte ist mit mir gleicher Ansicht . Wir haben Euch ein Vertrauen geschenkt , das so groß war , daß wir es nicht verantworten können . Ihr gabet uns Grund zu diesem Vertrauen . Wir wollen nicht weiter darüber rechten . Aber eins muß gesprochen werden . Die Verbindung , welche ihr beide geschlossen habt , ist ohne Ziel , wenigstens ist jetzt ein Ziel nicht abzusehen . Ihr mögt wohl beide einen gleichen Anteil an der Schließung dieses Bundes haben . Aber beide dürftet ihr vielleicht an seine Folgen nicht gedacht haben , sonst könnten wir euch schwerer entschuldigen . Ihr habt euch nur eurem Gefühle hingegeben . Ich begreife das . Ich kann mir nur nicht erklären , daß ich es nicht schon früher begriffen habe . Ich habe Euch so - so sehr vertraut . Hört mich aber jetzt an . Mathilde ist noch ein Kind , es muß eine Reihe von Jahren vergehen , in denen sie noch lernen muß , was ihr für ihren einstigen Beruf not tut , es muß noch eine Reihe von Jahren vergehen , ehe sie nur begreift , was der Bund ist , den sie eben geschlossen hat . Sie ist lebhaft , sie hat ein Gefühl von ihrer Seele Besitz nehmen lassen , welches ihr angenehm ist , und welches wahrscheinlich diese ihre ganze Seele erfüllt . Sollen wir sie in diesem Gefühle befangen sein lassen in der ganzen Zeit , in der sie erst die wichtigsten Vorbereitungen zu ihrem künftigen Leben treffen muß , oder soll sie ruhiger sein , um diese Vorbereitungen in dem rechten Maße treffen zu können ? Soll das Gefühl nun fortdauern , immer fort , bis wir sagen können , daß sie Braut sei ? Wenn es fortdauert , wird es nicht peinigende Stunden bringen , da es nicht so bald in seinen natürlichen Abschluß gelangen kann , und Zweifel , Ungeduld , Vorwärtstreiben , Unmut und Schmerz in seinem Gefolge führen ? Wird es da nicht jene schönen , edlen , heitern , ruhigen Tage wegfressen , die der aufblühenden Jungfrau bestimmt sind , ehe sie den Brautkranz in ihre Haare flicht ? Sind nicht oft frühzeitige , auf weite Ziele gerichtete Neigungen die Zerstörerinnen des Lebensglückes geworden ? Wenn Ihr Mathilden liebt , wenn Ihr sie mit wahrhafter Liebe Eures Herzens liebt , könnt Ihr sie einer solchen Gefahr aussetzen wollen ? Gräbt nicht tiefes Sehnen und heftiges Fühlen durch Jahre fortgesetzt alle Kräfte des Menschen an ? Und wie , wenn die Neigung des einen schwindet , und das andere trostlos ist ? oder wenn sie in beiden ermattet und eine Leere hinter sich läßt ? Ihr werdet beide sagen , das sei bei euch nicht möglich . Ich weiß , daß ihr jetzt so fühlt , ich weiß , daß es bei euch vielleicht auch nicht möglich ist ; allein ich habe oft gesehen , daß Neigungen aufhörten und sich änderten , ja daß die stärksten Gefühle , welche allen Gewalten trotzten , dann , da sie keinen andern Widerstand mehr hatten als die zähe , immer dauernde , aufreibende Zeit , dieser stillen und unscheinbaren Gewalt unterlegen sind . Soll Mathilde - ich will sagen Eure Mathilde - dieser Möglichkeit anheim gegeben werden ? Ist ihr das Leben , in das sie jetzt mit frischer Seele hinein sieht , nicht zu gönnen ? Es ist größere Liebe , auf die eigene Seligkeit nicht achten , ja die gegenwärtige Seligkeit des geliebten Gegenstandes auch nicht achten , aber dafür das ruhige , feste und dauernde Glück desselben begründen . Das , glaube ich , ist Eure und ist Mathildens Pflicht . Ihr könnt mir nicht einwenden , daß dieses Glück durch eine Verbindung , die sogleich geschlossen wird , zu begründen sei . Wenn auch Mathildens Vermögen so groß wäre , daß daraus ein Familienbesitzstand gegründet werden könnte , wenn Ihr es auch über Euch vermöchtet , von dem Vermögen Eurer Gattin wenigstens eine Zeit hindurch zu leben , was ich bezweifle , so wäre damit doch noch nichts gewonnen , da Mathilde , wie ich sagte , die bei weitem größere Zahl von Eigenschaften noch nicht besitzt , welche eine Gattin und Mutter besitzen muß , da sie ferner nach den Ansichten , die wir über das körperliche Wohl unserer Kinder für unsere Pflicht halten , wenigstens vor sechs oder sieben Jahren sich nicht vermählen kann , und da also die Unsicherheit und Gefahr , wie ich früher sprach , auch bei dieser Eurer Behauptung für sie und Euch vorhanden wären . Da die Kinder in dem Alter Mathildens ihren Eitern ohne Bedingung zu folgen haben , und da gute Kinder , wozu ich Mathilden zähle , auch wenn es ihrem Herzen Schmerz macht , gerne folgen , weil sie der Liebe und der bessern Einsicht der Eltern vertrauen : so hätte ich nur sagen dürfen , mein Gatte und