. Wo wären die Götterbilder der Griechen , wenn ihre Phidias und Praxiteles nur nackte Hottentotten gesehen hätten . « - » Ich parire darauf , wenn Phidias sich nur eine hübsche Hottentottin ausgesucht , er würde auch eine Venus zu Stande gekriegt haben , die unsere Amateurs admiriren müssten . Und was die Rassen betrifft , so ist unsere deutsche auch eben keine Schönheit gewesen . Nach den Deskriptions der Historiker und den Skulpturen an den Säulenbildern waren unsere barbarischen Vorfahren auch barbarisch hässlich . « - » Die Kultur also hat die Rassen veredelt . Das ist Ihre Meinung ? « - » Sie könnte noch immer etwas mehr thun , als sie gethan hat ; indessen wir Künstler dürfen es nicht zu genau nehmen . Wo wir nichts finden , borgen wir , hier einen Arm , da ein Bein , eine Hüfte , eine Schulter - « » Und das Beste thun Sie selbst hinzu , die Harmonie . Die Kunst ist Stückwerk , wie Alles unter dem Monde , der Geist muß in die Formen fahren , um ihnen eine Seele zu geben . Aber Sie wollen mich nicht verstehen und verstehen mich doch . Die Griechen waren eine Nation , die Römer - « » Die Juden sind auch eine , « fiel Schadow ein , » und doch rümpft man in der Société die Rase . « » Ich will Ihre Meinung wissen , Schadow , « sagte die Fürstin mit entschiedenem Ton . » Ihre Moquerien ein ander Mal . « » Wenn man meine Skulpturen so gütig ist zu rühmen , « sagte der Künstler , » ist ' s jetzt so Mode , ein Schwanzende dran zu setzen , daß wir uns von der französischen Imitation losreißen müssten . Ich habe auch nichts dagegen ; wer frei stehen kann , mag sich losreißen , aber ein Kind gebiert sich nicht selbst . Es ist dazu eine Mutter und ein Vater nöthig , und die mussten wieder Väter und Mütter haben . Meine ersten Väter waren die französischen Maitres , die der grand Frédéric herbeirief . Was fängt die junge Welt jetzt an gegen sie zu schwätzen ! Auch meine Jungens , der Rudolf und Wilhelm , thun ' s , seit sie den Mund aufthun können , als müsste es so sein . Habe auch nichts dagegen , denn Schwatzen gehört zum Leben , aber ich lache so im Stillen , was wäre ich denn , und was wäret Ihr und wir Alle ohne die Franzosen ! Und die Franzosen ohne die Italiener und die ohne die Griechen und Römer ! Und die Griechen vielleicht ohne die Aegypter und so weiter . « - » Sie mögen Recht haben . « » Da wollen sie jetzt auf Goldgrund malen , lange Engelsgesichter mit Wickelkinderleibern und mit Schleppkleidern , und das nennen sie deutsch , weil sie vor vierhundert Jahren , als das Gold noch wohlfeiler war , die Leinwand so angestrichen haben . Als ob der Fiesole und die Florentiner so gemalt hätten , wenn sie damals schon Besseres gesehen . « - » Sie springen ab . Ist die Nationalität Ihnen gar nichts ? « » Das Kleid , was der Mensch sich anlegt , weil wir nun einmal nicht nackt gehen sollen . Sie sagen , es schickt sich nicht , ich aber meine , weil wir zu eitel sind . Weiter nichts , um unsere Gebrechen und Unschönheiten zu bemänteln , legen wir Cotillons , Surtouts und Redingoten an . Und gar nicht nach unserer Wahl , wie wir ' s von unser Voreltern überkommen haben . Wir ändern nur den Schnitt . Und von wem kommt der ? So weit Sie zurückgehen , aus Paris . Nehmen Sie mir Stück für Stück vom Leibe , was vom Auslande stammt , und ich würde wirklich mich nicht unterstehen , in dem Kostüm , was die Natur mir lässt , vor Euer Erlaucht stehen zu bleiben . Was ist ' s nun mit der Nationalität anders , gnädigste Frau , verschieden geschnittene und gefärbte Röcke um dieselben Menschen . Freilich pressen enge Schuhe den Fuß der Chinesinnen klein , und der des Türken wächst plump in seinen weiten Pantoffeln , aber der Fuß bleibt Fuß , und mit der Sohle treten sie in Grönland auf und in Konstantinopel . Ist der Franzose ein Anderer , weil er mehr auf den Zehen geht , und wir mehr auf den Hacken ? Wo wir nun Alle bettelarm wären , und zottig umherlaufen müssten in unserer Blöße , lohnt sich ' s da , um den Schnitt und das Kostüm uns zu hassen ? Denn weiter ist die Nationalität nichts . « » Einem Bildhauer vergebe ich diese Naturauffassung . Aber Sonne , Klima , Luft wirken verschieden auf die Kreatur Die Nationen sind verschieden in Gemüthsart , Intentionen , das können Sie nicht abstreiten . « » Ja , in jedem Lehrbuch steht ' s , daß der Franzose leichtes Blut hat , der Spanier schwarzes , der Italiener heißes , der Deutsche warmes . Der Franzose ist leichtfüßig und eitel , der Italiener zänkisch und rachsüchtig und der Deutsche keusch und treu . Eigentlich brauchte man nur an den Puls zu fassen , und gleich hätte man weg , von welcher Nation Jemand ist . Schade nur , Prinzessin , daß ich in Italien die liebsten Menschen fand , von warmem Blut und dem besten Herzen , fleißig , emsig , rechtschaffene Familienväter und treue Freunde . Sollte ich sie darum hassen , oder die Franzosen , weil Montesquieu und Rousseau , weil Buffon und Laplace Franzosen waren , oder alle Deutsche darum lieben , weil sie alle grad , ehrlich , Männer von Wort , Biedermänner und keusch wie Joseph sind ? « Herr Schadow hatte dabei wie zufällig den Blick auf dem Kammerherrn von St. Real ruhen lassen , welcher etwas unruhig ward . Es giebt Thiere