festen Schrittes zu Veronika zurück , die sie an Emmy ' s Seite und vertraulicher mit ihr redend fand , als die alte , harte Frau es wohl wenige Wochen früher für möglich gehalten hätte . Auch war ihr eine gewisse Verlegenheit anzumerken , als Elmerice vor ihnen stand . Sie war selbst überrascht , in die gewöhnliche Menschenweise übergegangen zu sein ; - ja , es schien ihr vor Elmerice , als habe kein Anderer ein Recht an sie - als sei sie ihr damit zu nahe getreten . » Nun , nun , « sagte sie - » meinem Engel gehört meine Zeit und Alles , was so eine alte Frau von Liebe noch in ihrem Herzen hat . - Ihr seid eine Schwätzerin geworden , Veronika ; - und mit Zuhören und Antworten kömmt denn so Etwas heraus ! « Gutmüthig lächelte diese , wohl verstehend , was in Emmy vorging , und war daher auch zugleich bereit , ihren Besuch zu beendigen , um nicht einen Eindruck hervorzurufen , der ihrem Wiederkommen hinderlich würde , was sie Elmerice ' s wegen , die ihr bedenklich gestimmt erschien , herzlich wünschte . Aufs neue aber betrübte sie die abschlägliche Antwort ihrer jungen Freundin , als sie die liebenswürdige Ungeduld der Marquise d ' Anville sah , die sich bei Lesung des kleinen Billets bald in gutmüthige Besorgniß auflöste . » Meine liebe Veronika , « rief sie - » was werden wir nun machen ? Das thut nicht gut . Die Antwort ist eben so höflich , als kalt abweisend - sie verdeckt etwas ! Meine Tante Franziska wird sehr beunruhigt werden , und wir dürfen , fürchte ich , unsere Bemühungen noch nicht aufgeben . « » Lassen Sie uns warten , bis der alte Arzt kömmt , « sagte Veronika sinnend . - » Er ist nicht umsonst in so hohem Alter ; vielleicht fällt ihm das Rechte ein . Auch hat er den Ungestüm , der oft recht wohlthuend Bahn bricht da , wo feinfühlende Menschen lange vergeblich umher gehen . « Die Damen saßen in dem Salon , in welchem man sich zur Mittagstafel versammelte . In diesem Augenblicke trat Leonce ein , und erfreut , Veronika zu sehen , eilte er , an ihrer Seite Platz zu nehmen . » Wenn Sie Anderes im Sinne hätten , als Margot zu necken und mich damit zu kränken , « rief Lucile - » würde ich Ihnen mein Vertrauen schenken ; - aber so « - - » Versuchen Sie es , « erwiederte Leonce freundlich - » ich bin nicht so ganz in einer Richtung verloren , daß ich nicht durch Sie in eine andere übergeführt werden könnte . « » Nun , « sagte Lucile - » so will ich es versuchen ! « Mit einigen Worten unterrichtete sie ihn von dem Briefe der Gräfin d ' Aubaine und von den Schritten , die sie durch Veronika gethan hatte . » Doch sehen Sie - das ist das ganze Ergebniß unserer Bemühungen « - fuhr sie fort und reichte ihm das Billet , was ihr Veronika gebracht . Sie hatte nicht Ursache , ihrem jungen Verwandten über Mangel an Theilnahme zu zürnen . In sprachlosem Erstaunen , schien es , hörte er ihr zu , und lange hielt ihm Lucile das Billet hin , ehe er es nahm . » Weiß Gott , « rief die Marquise - » er hat von unserer ganzen Mittheilung Nichts gehört und erwacht jetzt aus irgend einem Traume ! « » Nein , nein ! « rief Leonce , schnell aufstehend - » Sie thun mir Unrecht - ganz Unrecht ! Ich bin aufs tiefste von Ihren Mittheilungen bewegt ; - ein so junges , schönes , von unserer Tante geliebtes Wesen in unserer Nähe zu wissen und ihr nicht all ' die Aufmerksamkeit beweisen zu dürfen , die sie verdient - in zweifelhaften Verhältnissen sie zu denken - unter der Aufsicht einer vielleicht Geisteskranken - es ist unerträglich ! ganz unerträglich ! Lucile , Sie können nicht wollen , daß ich dabei gleichgültig bleibe . Theure Veronika , helfen Sie uns ; - ich könnte den Verstand verlieren , wenn ich an die Lage des jungen Mädchens denke ! « Außer sich , drückte er dabei das Billet in seinen Händen und stürzte an das fernste Fenster , um es zu lesen . Lucile sah ihm einen Augenblick ziemlich erstaunt nach ; als sie ihren Blick abwendete , sah sie auf Veronika ' s Gesicht dasselbe Erstaunen ausgedrückt . » So sind die Männer , meine Liebe , « sagte sie lächelnd - » immer über das Maaß hinaus ! Aber das macht die Verehrung für Tante Franziska ! « In demselben Augenblicke erschien der Vikar und die übrigen Gäste , und man begab sich zur Tafel . Doch war Leonce nicht , wie sonst , die Seele der Unterhaltung . In der größten Unruhe schien er die Dauer der Tafel zu ertragen und bald , nachdem sie aufgehoben war , verließ er die Gesellschaft . - - Ein Gewitter , welches mit erquickendem Regen den Nachmittag anhielt , verhinderte einen beabsichtigten Besuch in der schönen Abtei Tabor ; und nach einer Zerstreuung suchend , machte die alte , unternehmende Prinzessin de la Beaume Allen den Vorschlag , die verschobene Besichtigung des Schlosses zu unternehmen . Als man , mit Sorgfalt vorschreitend , den Banketsaal erreicht hatte und hier von dem ziemlich bekannten unglücklichen Ereignisse an Ort und Stelle sich theilnehmend unterhalten hatte , zeigte der Marquis d ' Anville den Damen an , daß er die mit eisernen Schlössern und Querbalken verwahrte Thür zu den ehemaligen Gemächern der Katharina von Medicis habe wegnehmen lassen , und daß es in ihrer Macht stehe , sie zu betreten . Alle hielten einen Augenblick inne . Was in ihre Willkür gestellt war , ward nun erst ein Gegenstand ihrer zweifelhaften Ueberlegung , und Lucile , die es