, genau so viele , nicht mehr und nicht minder , du könntest den Hirten , der gerade seine Herde dem Platze vorbei trieb , lange nachher aus der Erinnerung malen , so genau beobachtetest du seinen Rock , den messingenen Kamm im Haar und seine nichtsbedeutenden Gesichtszüge . Du verwünschest dein Geschick , und erkennst während deiner schäumendsten Flüche , daß der Vogel , der dort in weiter Entfernung auf einem dürren Aste sitzt , eine Krähe ist und nicht eine Dohle . Oswald war gleichgültig über alles geworden und wäre mit seinem juristischen Freunde abgereiset , hätte sich dieser jetzt am Oberhofe eingefunden . Aber er sah auch mit den verwachten und geröteten Augen alles , er hörte alles , was um ihn vorging . - Vor dem Hause stand der Hofschulze mit einem anderen Bauern im Gespräch . Sie standen mit dem Rücken gegen die Türe , so daß sie den jungen Grafen nicht bemerkten . - » Hofschulze « , sagte der Bauer , » es kann doch nun einmal nichts helfen , kommt also nur immerhin zum Stuhl , denn das Gericht muß gehegt werden auch ohne dieses . « - Der Hofschulze antwortete auf das anfangs mit einem tiefen Seufzer , dann sagte er so hohl , als steige die Stimme aus dem Grabe empor : » Ich will kommen , aber ich weiß nicht , ob es ohne das Schwert gelingen wird . « - Der Bauer ging seitwärts ab , der Hofschulze wandte sich um und Oswald sah , daß das Antlitz seines alten Wirtes ganz verfallen war . So blickte auch der Hofschulze in das zerstörte Antlitz seines jungen Gastes ; sie warfen einander finstere und doch nichtssagende Blicke zu , und dann ging jeder seiner Wege ; der junge Graf durch die Felder , der alte Bauer in das Haus . Auf seinem Wege sagte Oswald zerstört lachend : » Sie werden heute ihren Hokuspokus am Freistuhl machen ; ich will mich verstecken und zusehen , was kann der Mensch Besseres tun , als etwas Neues beobachten ? « Nicht lange nach diesem Auftritte wanderten zehn bis zwölf Bauern von verschiedenen Seiten die Pfade den Hügel hinauf nach dem Freistuhle . Es waren die reichsten Hofesbesitzer der Umgegend . Die Gesichter dieser Leute waren ernsthaft und feierlich . Ihre Schritte übereilten sie nicht , und wo auch zwei zusammen gingen , wurde dennoch kein Wort gewechselt . Diese alten Freibankbauern trugen auch heute noch ihren Feierputz , und die großen breitkrempigen Hüte gaben ihnen ein schweres und würdiges Ansehen . Der Nebel , der noch immer fortdauerte , umhüllte die heimlichen und schweigenden Wanderer . Als sie oben am Freistuhle angekommen waren , einer nach dem anderen , setzten sie sich schweigend und einander nicht begrüßend auf die Steine umher , die in der Einsenkung zwischen den Brombeergebüschen lagen , der größte aber unter den drei alten Linden blieb leer und für den Freigrafen aufbehalten . Sie saßen wohl eine Viertelstunde lang , ohne einander anzusehen , geschweige daß sie zusammen geredet hätten . Jeder blickte starr und fest vor sich hin . Zuletzt kam der alte Bauer , welcher mit dem Hofschulzen gesprochen hatte , der Fronbote ; nächst dem Besitzer des Oberhofes der kundigste in den Sitten und Gebräuchen der Väter . Dieser stellte sich außerhalb des Kreises der Steine hin , auf seinen Knotenstock gestützt und nach der Gegend des Oberhofes hinuntersehend . Von dieser Gegend kam nach einer Viertelstunde der Hofschulze heraufgegangen , der Freigraf . Neben ihm ging sein Eidam . Feiermäßig war auch sein Anzug , aber gebückt und kummervoll sein Gang . Den Eidam ließ er an einer über hundert Schritte vom Freistuhl entfernten Stelle zurückbleiben , das Gesicht von diesem abgekehrt . Der Fronbote ging dem Hofschulzen entgegen , führte ihn bis an den Kreis und sagte : Herr Graf , mit Urlaub und mit Behagen Tue ich Euch fragen ; Soll ich ; Euer Knecht , Euch den Königsstuhl setzen , wie Recht ? Der Hofschulze erwiderte : Alldieweil die Sonne mit Rechte Bescheinet Herren und Knechte Und alle unsere Werke , Spreche ich , das Recht zu stärken , Den Stuhl zu setzen eben , Und rechte Maß zu geben . Der Fronbote ging hierauf durch den Kreis zu dem großen Steine unter den drei alten Linden , legte die Hand an denselben , als setzte er ihn wie einen Stuhl zurecht , stellte ein kleines Kornmaß , welches er unter dem Rocke hervorzog , vor den Stein , blieb selbst daneben stehen und rief dem Hofschulzen , der sich noch immer außerhalb des Kreises befand , folgenden Spruch zu : Herr Grafe , lieber Herre ; Ich vermahne Euch bei Eurer Ehre , Ich bin Euer Knecht , Darum sagt mir für Recht , Ob diese Maß ist gleich Für arm und reich , Zu messen Land und Sand Bei Eurer Seelen Pfand ? Der Hofschulze antwortete : Ich erlaube Recht und verbiete Unrecht Bei Peen der alten erkannten Recht . Er ging nun auch in den Kreis , schritt , ohne von seinen Genossen begrüßt zu werden , oder sie zu begrüßen , auf den Stein unter den Linden , den Königsstuhl , zu , setzte sich , stellte seine Füße auf das Kornmaß und entblößte das Haupt , welchem Beispiele die Bauern folgten . Dann zog er eine Flechte von Weidenzweigen aus dem Rockärmel und gab sie dem Fronboten , der sie auf einen tischartigen Stein vor dem Stuhle legte . Die Bauern murmelten und einer fragte : » Die Wyd sehen wir ; wo ist das Schwert ? « Der alte Freigraf zuckte zusammen und der Fronbote antwortete statt seiner : » Es hat nicht gleich auf der Stelle gefunden werden können . « » Nachbarn « , sagte der Hofschulze zitternden Lautes , » es ist ein Malheur mit dem Schwerte von Carolus Magnus geschehen , und wenn ihr so wollt , stehen wir auf