« - Da rasselte ihr gegenüber die eiserne Hofpforte . Ein Mann mit Licht trat heraus , ging über den Hof und trat alsbald in das Vorzimmer . Es war der alte Kerkerwart . » Nun ? sprich ! « rief Rauthgundis , ihren Sitz verlassend und ihm in das erste Gemach entgegeneilend . » Geduld - Geduld - laß mich erst die Lampe niederstellen . So ! - Nun , also : er hat getrunken . Und es hat ihm wohlgetan . « Rauthgundis legte die Hand auf die pochende Brust . » Was tut er ? « fragte sie dann . » Er sitzt immer schweigend in der nämlichen Stellung . Auf dem Holzschemel , den Rücken gegen die Tür gewandt , das Haupt in beide Hände gestützt . Er gibt mir keine Antwort , so oft ich ihn anspreche . Er pflegte sich sonst gar nicht zu regen . Ich glaube , der Gram und Schmerz hat ihm was angetan . Aber heute , wie ich ihm den Wein im Holzbecher hinreichte und sprach : Trink , lieber Herr , es kommt von treuen Freunden : - da blickte er auf . So traurig , so zum sterben traurig war der Blick und das ganze Antlitz . Und tat einen tiefen Zug und nickte dankend mit dem Haupt und seufzte tief , tief , daß es mir durch die Seele schnitt . « Rauthgundis bedeckte die Augen mit beiden Händen . » Weiß Gott , was er Böses mit ihm vorhat ! « brummte der Alte leise vor sich hin . » Was sagst du ? « » Ich sage , du mußt jetzt auch einmal tüchtig essen und trinken . Sonst verlassen dich die Kräfte . Und du wirst sie brauchen , arme Frau . « » Ich werde sie haben . « - » So nimm wenigstens einen Becher Wein . « - » Von diesem ? Nein , der ist für ihn allein . « - Und sie trat in das innere Gemach zurück , wo sie ihren alten Platz einnahm . » Der Krug reicht ja noch lang , « fuhr der alte Dromon für sich fort . » Und ich fürchte : wir müssen ihn bald retten , wenn er gerettet werden soll . Da kömmt Wachis . Wenn er nur gute Nachricht bringt , sonst ... - « Wachis trat ein . Er hatte seit dem Besuch bei der Königin die Sturmhaube und seinen Mantel mit Gewändern Dromons vertauscht . » Gute Botschaft bring ' ich , « sprach er im Eintreten . » Aber wo wart ihr vor einer Stunde ? Ich pochte vergeblich . « » Wir waren beide ausgegangen , Wein zu kaufen . « » Ach ja , deshalb duftet das ganze Gemach so stark - was seh ' ich ? Das ist ja alter , köstlicher Falerner ! Womit hast du den bezahlt ? « » Womit ? « wiederholte der Alte , » mit dem edelsten Golde der Welt ! « Und seine Stimme bebte vor Rührung . » Ich erzählte ihr , daß der Präfekt ihn absichtlich Mangel leiden lasse , daß er elend werde . Seit vielen Tagen hat man mir gar keine Speise für ihn gegeben . Ich habe ihn , gegen mein Gewissen , nur dadurch erhalten , daß ich den andern Gefangnen an dem ihren abbrach . Das wollte sie nicht . Sie sann nach und fragte dann : Nicht wahr , Dromon , die reichen Römerinnen bezahlen immer noch das gelbe Haar der Germaninnen so hoch ? Und ich , in meiner Einfalt nichts ahnend , sage ja . Und sie geht hin und schneidet schweigend ihre reichen , schönen , goldbraunen Flechten und Zöpfe ab und bringt sie mir . Und damit ward der Wein bezahlt . « Da stürzte Wachis in das nächste Gemach , warf sich vor ihr nieder und bedeckte den Saum ihres Gewandes mit Küssen . » O Herrin « - rief er mit versagender Stimme - » goldne , goldtreue Frau ! « » Was treibst du , Wachis ? steh auf und erzähle . « » Ja , erzähle , « sprach Dromon hinzutretend , » was rät mein Sohn ? « » Wozu brauchen wir seinen Rat ? « sprach die Frau . » Ich , ich allein will es vollenden . « » Sehr nötig brauchen wir ihn . Der Präfekt hat aus allen jungen Ravennaten , nach dem Muster der römischen , neun Kohorten Legionare gebildet und meinen Paulus auch eingereiht . Zum Glück hat er diesen Legionaren die Bewachung der Stadttore anvertraut . - Die Byzantiner liegen draußen im Hafen , seine Isaurier hier im Palast . « » Die Tore nun , « fuhr Wachis fort , » werden zur Nacht sorgfältig gesperrt . Aber die Mauerlücke am Turme des Aëtius ist immer noch nicht ausgebaut . Nur die Wachen stehen dort . « » Wann trifft meinen Sohn die Wache ? « » In zwei Tagen : die dritte Nachtwache . « » Allen Heiligen sei Dank . Viel länger durft ' es nicht währen : - ich fürchte ... - « Und er stockte . » Was ? sprich « , mahnte Rauthgundis entschlossen . » Ich kann alles hören . « » Es ist am Ende besser , du weißt es . Denn du bist klüger und findiger als wir beide . Und findest eher Rat als wir . Ich fürchte : sie haben ' s schlimm mit ihm vor . Solange Belisar hier befahl , ging es ihm noch gut . Aber seit der fortgebracht und der Präfekt , der schweigsam kalte Dämon , Herr im Palast ist , hat ' s ein gefährlich Ansehn . Alle Tage besucht er ihn selbst im Kerker . Und spricht lang und eifrig und drohend in ihn hinein . Ich habe oft im Gang gelauscht . Er muß aber wenig ausrichten . Denn der Herr gibt