Opferleben ? um Seelen für Christus zu retten , die durch Sünde , Irr- und Unglauben ihm verloren gingen ! Wieder wurde das tötlich bedrohte Christentum durch das Opfer gerettet . Und jetzt ? ist es denn jetzt anders ? wir stehen mitten im Gewühl und im Staube des Kampfes , wo wir nur das allernächste schauen können ; sind auch viel zu kurzsichtig , um unseren Blick über den Tag von heut und morgen zu erheben ; viel zu armselig , um Großes von einer Zeit zu hoffen , in der die Menschheit von unserem Schlage ist ; viel zu kleinmütig , um mit unwandelbar hochherzigem Vertrauen die Spuren des Lebens unter den Zuckungen des Todes zu verfolgen . Aber wir wissen seit achtzehn Jahrhunderten und durch sie : für das Christentum sind Zeiten des Kreuzes - Zeiten der Gnade ; Tage der Drangsal - Tage der Heiligung . Heiligen aber kann sich niemand , der nicht aus voller Seele das Opfer umfaßt - das Opfer , aus dessen Flamme das Christentum fort und fort als ein unsterblicher Phönix hervorgeht . Schrecken Sie davor nicht zurück , Signora ? « Sie sah ihn fest an und sagte ruhig lächelnd : » Nein , denn ich werde mich an das Kreuz meines Gottes schmiegen . « » Und wollen Sie das ganze Christentum umfassen mit seinen wonnevoll trostreichen Glaubenslehren und seinen unerbittlich herben Sittenlehren ; mit seinen lieblichen Tugenden und seinen mühseligen Kämpfen ; mit seinen himmlischen Kronen und seinem irdischen Dornenkranz ? « » Mit Kronen und Dornenkranz , Signor ! Aber lassen Sie mich zum Bade der Wiedergeburt eilen ! lassen Sie mich mein Opfer bringen ! Jede Minute der Zögerung ist ein unermeßlicher Verlust für mich - lassen Sie mich ein Kind Gottes werden .... und dann fliehen , mich begraben in irgend einer Einsamkeit und beten , ach beten , daß Ihres Bruders Seele gerettet werde . « » Und Ihre Mutter ? « » Gott wird sie trösten . Ich kann sie nicht in mein Geheimnis ziehen ; sie begreift es nicht . Den größten Teil meines Vermögens lasse ich ihr . Nach Jahren , wenn alle Gefahr für Orest vorüber ist , wird sie mich wiederfinden . « » Also wirklich - begraben mit Christus ? « fragte Hyazinth gerührt . » Ja ! Leben für Leben ! « sagte sie entschieden . » Ach , « rief sie plötzlich mit schmerzlicher Erinnerung , » habe ich dem armen Orest nicht versprochen : Alles für alles ! « » Er darf Ihnen nicht alles bieten , nicht seine Hand , nicht sein Wort ; denn beides gehört ihm nicht mehr ; « erwiderte Hiazinth . » Er hat es Gott verpfändet , als er das Sakrament der Ehe empfing . Sein Taufgelübde , das er bei dem Empfang der heiligen Erstkommunion wiederholte und bestätigte , war schon zuvor an Gott verpfändet für die Gnade , im katholischen Glauben leben und sterben zu dürfen . Also auch darüber darf er nicht mehr schalten und walten , und folglich hat er Ihnen nicht das alles anzubieten , wofür Sie alles versprochen haben . Er kann freilich sein zwiefaches Versprechen brechen , denn er ist keine Maschine , die von der Gnade getrieben wird , wie das Mühlrad vom Bach . Er kann der Gnade Widerstand leisten und sich in die ewigen Abgründe stürzen , aber nur um den Preis schwerer Beleidigung Gottes und freiwilliger Verzichtung auf das ewige Leben . Und wenn er dann wagte , Ihnen alles anzubieten , ach ! wie müßten Sie gerade dann erst recht ihm antworten : alles ? - aber du hast ja nichts ! .... denn was hat der , der Gott nicht hat ! Und Sie selbst , Signora , Sie haben nicht das Recht , irgend einem Geschöpf alles zu versprechen . In jedem Verhältnis , in jeder Lage muß Gott zu Rate gezogen werden : dazu gab er seine Gebote , dazu erteilte er seine Ratschläge . Wenn das unmündige Kind seinem lieben Spielgefährten sagt : ich schenke dir die Güter meines Vaters ; so hat ein solches Versprechen keinen Sinn . Ihr unmündiger Geist wähnte ein Recht zu haben , nach Belieben schalten und walten zu dürfen , weil er nichts Höheres kannte , als das Ich , dem er diente . Aber die Bestimmung Ihres Geistes , Ihres Herzens , Ihres ganzen Wesens ist : Gott zu dienen und - in welches Verhältnis Sie eintreten mögen , Ihr höchstes Gut , welches zugleich das Gut Ihres himmlischen Vaters ist - Ihren Willen ! an Gott hinzugeben . Sie können ihn Gott entziehen und dem Geschöpf dienstbar machen ; aber um denselben Preis , wie Orest : um den Preis der Sünde . Alles für alles ! dürfen Sie getrost nur zu Ihrem Herrn und Heiland sagen , denn nur Er , der das unerhörteste Liebesopfer bringt , versteht das Opfer des liebenden Herzens anzunehmen und zu vergelten . Das Geschöpf versteht es nicht . Es ist etwas so Himmlisches im Menschenherzen , daß es das Gottesherz braucht , um sich daran auszuleben und auszulieben . Dann hat alles für alles einen ächten Sinn - und dann dürfen Sie gewiß sein , daß die Kreatur dabei nicht zu kurz kommt . Ströme von Liebe werden aus dem Liebesmeer der Gnade in ein solches Herz sich ergießen und überfließen .... auf Vater und Mutter , auf Gatte und Kind , auf Sünder und Heilige , auf Feind und Freund .... in Wort und Tat , in Gebet und Tränen , in unscheinbaren Werken und heroischen Handlungen . Gott ist der Ursprung dieser Liebe , Gott ist ihr letztes Ziel ; in der Mitte liegt die Liebe zu den Seelen . « » Ach , gibt es denn Seelen , die sich nicht entzünden lassen von der Liebe Gottes ? « rief Judith in Tränen . Hyazinth lächelte traurig und entgegnete : » Ich dächte , Sie