Stadt , und mit Rührung sah ich auf die Mauern , innerhalb welcher das Wesen wohnte , das von überirdischen Räumen gekommen war , meine Seele zu erfüllen . Mathilde sah die Vergötterung , welche ich ihr weihte , sie sah dieselbe genau auf den geheimen Wegen , auf denen ich ihre Liebe erkannte , und Freude leuchtete darüber von ihrer Stirne , welche gleichfalls nur von mir gesehen wurde . Die Eltern Mathildens fingen auch an , sie in vorzüglichere Stoffe zu kleiden , als sie bisher getan hatten , und wenn sie mit edlen Gewändern angetan vor mir stand , kam sie mir ferner und näher , fremder und angehöriger vor als sonst . Eines Tages , als ich über die Treppe unsers Hauses , welches nur von unserer Familie allein bewohnt wurde , herabging , um einen Freund zu besuchen , begegnete mir Mathilde . Sie war mit der Mutter an das Haus gefahren , die Mutter war in dem Wagen sitzen geblieben , sie aber sollte hinaufgehen , um irgend etwas zu holen . Sie war in schwarze Seide gekleidet , ein seidenes Mäntelchen war um ihre Schaltern , und aus dem Hute mit dem grünen Flore sah das blühende , durch die Kälte erfrischte Angesicht hervor . Da wir uns hinter einer Biegung der Treppe begegneten , wurde sie dunkelglühend . Ich erschrak , und sagte aber : O Mathilde , Mathilde , du himmelvolles Wesen , alle streben sie nach dir , wie wird das werden , o wie wird das werden ? ! Gustav , Gustav , antwortete sie , du bist der trefflichste von allen , du bist ihr König , du bist der Einzige , alles ist gut und herrlich , und Millionen Kräfte sollen es nicht zerreißen können . Ich ergriff ihre Hand , ein glühender Kuß , nur einen Augenblick gegeben , aber mit fest aneinandergedrückten Lippen , bekräftigte die Worte . Ich hörte ihre Seide die Treppe emporrauschen , ich aber ging die Stufen hinunter . Da ich unten die gläserne Doppeltür der Treppe geöffnet hatte , sah ich den Wagen stehen . Hinter den Fenstern desselben saß freundlich die Mutter Mathildens und sah mich an . Ich grüßte sie ehrerbietig , und ging vorüber . Ich ging nun nicht mehr zu dem Freunde , den ich hatte besuchen wollen . Mit Alfred betrieb ich das , was er zu lernen hatte , immer eifriger , ich war immer sorgsamer , daß er es gut inne habe , und legte , wo ich konnte , wie früher und in noch größerem Maße selber Hand an . Auch auf den Gang seiner Entwicklung im allgemeinen suchte ich so einzuwirken , wie es mir nur möglich war . Ich sprach sehr viel mit ihm , und ging sehr viel mit ihm um . Er schloß sich , da er es wohl wußte , daß ich ihn liebe , immer inniger an mich an , ja er schloß sich auf das innigste und fast ausschließlich an mich . Er wohnte wie auf dem Lande so auch in der Stadt neben mir . Im ersten Frühlinge fuhren wir wieder wie im vorigen Jahre nach Heinbach . Es war wieder die Veranstaltung getroffen , daß Mathilde , Alfred und ich in einem Wagen fuhren . Alfred saß wieder neben mir und schmiegte sich an mich . Mathilde saß gegenüber . Und so konnten wir uns zwei Tage mit den Augen der Liebe ungehindert ansehen , und konnten mit einander sprechen . Und wenn wir auch von gleichgültigen Dingen redeten , so hörten wir doch unsere Stimme , und in gewöhnlichen Dingen zitterte das tiefe Herz durch . Jene zwei Tage waren die glückseligsten meines Lebens . Auf dem Lande begann nun wieder ein Leben , wie es im vergangenen Jahre gewesen war . Wir waren ungebunden und konnten leichter unsere Seelen tauschen . Wir waren freier in dem Zimmer der Mutter oder in dem des Vaters , wir konnten den Garten besuchen , wir konnten unter den Bäumen des Rasenplatzes wandeln , und wir konnten spazieren gehen . Am liebsten wurde uns der Weinlaubengang . Er war ein Heiligtum geworden , seine Zweige sahen uns vertraut an , seine Blätter wurden unsere Zeugen , und durch seine Verschlingungen bebte manches tiefe Wort und wehte mancher Hauch der unergründlichsten Glückseligkeit . Fast eben so lieb war uns das Gartenhaus . Manchen Flog der Wonne deckte es mit seinen schützenden Mauern , und es umgab uns wie ein stiller Tempel , wenn wir alle drei eintraten und zwei Gemüter wallten . Wir gingen oft an diese beiden Orte . Die Verbindungsfäden wuchsen tausendfach , Mathilde wurde stets noch herrlicher , sie wurde von andern immer heißer begehrt , aber ihre Seele schloß sich nur fester an die meinige . Ich machte jetzt oft sehr große Wege allein . Wenn ich so weit war , daß ich das Haus nicht mehr sehen konnte , und wenn ich so dastand und die weißen Wolken betrachtete , die über dem Hause stehen mußten , und wenn ich auf den Wald sah , jenseits dessen das Haus sich befand , so kam eine tiefe Bewegung in mich . Und wenn ich dann nach Hause eilte , ins Innere der Mauern ging , sie da sah und an ihr die Freude des Wiedersehens erkannte , so frohlockte gleichsam springend mir das Herz in dem Busen über meinen unendlichen Besitz . Dennoch war allgemach etwas da , das wie ein Übel in mein Glück bohrte . Es nagte der Gedanke an mir , daß wir die Eltern Mathildens täuschen . Sie ahnten nicht , was bestand , und wir sagten es ihnen nicht . Immer drückender wurde mir das Gefühl , und immer ängstender lastete es auf meiner Seele . Es war wie das Unheil der Alten , welches immer größer wird , wenn man es berührt . Eines Tages , da eben die Rosenblüte war , sagte ich zu Mathilden