, der meine alte Freundin beunruhigen könnte und ihren kaum gemäßigten Gemüthszustand aufs neue aufregen . « » Das ist sehr edel , mein Kind - sehr aufopfernd , « sagte Veronika ; - » doch thut es mir herzlich leid , daß Sie sich selbst dabei so ganz vergessen . Emmy Gray hat eine wunderliche Art und Weise - wird es auch die rechte sein für ein junges , reizbares Wesen , wie Sie ? « » Zweifeln Sie nicht , « sagte Elmerice - » es ist kein Opfer - ich bleibe gern , aus eigner Neigung ; - ich würde jetzt sogar weniger gern zur Gräfin d ' Aubaine zurückkehren . « » Und doch , « sagte Veronika - » wenn Sie die lieblichen Frauen dort nur kennten , würden Sie es vielleicht nicht so bestimmt ablehnen , mit ihnen umzugehen . Ach , die Marquise , wie müßte sie zu Ihnen passen ! Ich habe eine rechte Liebe zu ihr ; - und von der kleinen , holden Margot könnte ich mir ordentlich Aufheiterung für Sie versprechen ; denn das liebe Kind ist ein Bild des Glückes und der Heiterkeit . « » Ach , dann paßt sie nicht zu mir , « rief Elmerice , in Thränen ausbrechend - » und ich muß ihre Nähe fliehen , um ihr Gemüth durch meine Schwermuth nicht zu verletzen . « » Liebes Kind , « rief Veronika - » wie sind Sie so unglaublich hypochondrisch - wie beunruhigt mich Ihre Stimmung , und wie ganz anders würde sie sein , wenn Sie ein wenig Theilnahme hätten für meine jungen Freunde ! Sie , die Alles so mitfühlen - wie würde Sie eine glückliche Ehe , wie dort an Zweien zu sehen ist , erfreuen ; - und dann das Andere , was im Werke mit der kleinen Margot ! Man sagt , sie ist die Braut des Marquis Leonce ; und das sieht sich doch hübsch mit an , wenn so gut geartete , junge Leute sich lieb haben und endlich suchen und finden ! « » Genug , theure Veronika ! « sagte Elmerice plötzlich kalt und ernst . » Ich bitte Sie um die Erlaubniß , während Ihrer Anwesenheit einige entschuldigende Worte an die Frau Marquise schreiben zu dürfen , die Sie ihr dann in meinem Namen geben wollen . « » Also keine andere Entscheidung ? « sagte Veronika , schmerzlich getäuscht . » Das paßt doch kaum zu der Güte und Sanftmuth , die ich an Ihnen kenne ! Was ist das , mein liebes Kind ? Sein Sie offen ; - hat Emmy schon in Ihrer schönen Seele Unheil angerichtet ? « » Vielleicht , « sagte Elmerice , mit einem unverkennbaren Anfluge von Stolz - » vielleicht würden Sie mir selbst rathen , so zu handeln , wenn es mir erlaubt wäre , Ihnen die Gründe auszusprechen , die mich dazu bestimmen . Emmy Gray hat keinen Einfluß auf meine Abneigung , mich dieser Familie anzuschließen ; und der Werth derselben , von dem ich selbst überzeugt bin , vermag eben so wenig meinen Entschluß zu ändern . - Meine Achtung für Sie und Ihre Theilnahme kann es allein entschuldigen , daß ich so Viel sage ; nehmen Sie es jedoch wie ein Geheimniß zwischen uns ! « Veronika blickte wehmüthig in die wunderschönen Züge des tief bewegten Mädchens . Sie hatte sie noch nie so gesehen ; aber es lag eine solche Wahrheit der Empfindung , ein so fester Entschluß , ein so edles Selbstgefühl in ihrem Wesen , daß Veronika sich überzeugt fühlte , sie müsse so handeln ; - und großmüthig gab sie ihre Absicht auf , den Vorsatz des jungen , verlassenen Mädchens zu erschüttern . » So gebe Gott , daß es das Rechte ist ! « sagte sie liebevoll ; - » ich will mir nicht anmaßen , ferner darüber urtheilen zu wollen . Gehen Sie , mein Kind - schreiben Sie Ihren Brief an Madame d ' Anville , ich werde Sie hier erwarten . « - Als sich Elmerice vor Fennimor ' s kleinem Schreibtische niedersetzte , forderten die zurückgedrängten Empfindungen des jungen Mädchens ihren Tribut . In Thränen ausbrechend , fühlte sie noch ein Mal die namenlose Größe ihres Entschlusses ; und die heißesten Schmerzen der Jugend - die eines gekränkten und verrathenen Herzens - waren hier in der Einsamkeit nicht in demselben Maaße , wie eben vor Veronika , von ihrem edeln weiblichen Stolze behütet ; - sie verlangten noch ein Mal ihre ganze Herrschaft über dies junge Herz ! - Wir wollen die Minuten nicht zählen , die ihr so vergingen , und denken , daß sie sich schnell genug zu retten wußte , da sie , gegen sich selbst treu und wahr , immer von dem edeln Stolze beseelt ward , dessen Element die Selbstachtung ist . » Fennimor , « sagte sie , sich aufrichtend - » Dich konnte in Deiner hohen , menschlichen Stellung Keiner erreichen , der mit dem Scheine der weltlichen Vorrechte Dich blenden und verschüchtern wollte . Du bliebest , was Du warst - ein erhabenes Vorbild Deiner standhaft behaupteten Rechte ! Ich bin Deine Enkelin , und so wahr mir Gott helfe , ich will vor Deinem Andenken nicht erröthen müssen ! « Sogleich schrieb sie : » Euer Gnaden haben , veranlaßt durch die Aufforderung der Gräfin d ' Aubaine , mich mit der Erlaubniß beehrt , Ihnen aufwarten zu dürfen . Indem ich dem Ausdrucke meiner größten Verehrung für Euer Gnaden , die Versicherung meiner Dankbarkeit hinzufüge , bin ich zu gleicher Zeit genöthigt , diese Auszeichnung ablehnen zu müßen , da meine augenblicklichen Verhältnisse mir jede Veränderung meiner Lebensweise verbieten . « » Voll Hochachtung mich empfehlend Elmerice Eton . « Ein stolzes , mitleidiges Lächeln überflog Elmerice ' s schönes Gesicht , als sie ihren Namen unterschrieb ; und sie ging mit diesem Briefe in der Hand ,