- wo die 365 Träume jährlicher Nächte sich in einen einzigen , die flüchtigen Wolken in ein großes Glut-Abendrot zusammengewebt - Da sitzt etwas Böses ! Der Mensch muß imstande sein , sich seinen Traum , seine gute fixe Idee - denn ein hoher Ameishaufen der grimmigsten und der liebreizendsten wimmelt vor ihm - mit Verstand auszuklauben und zuzueignen , sonst kann er so schlimm fahren , als wär ' er noch bei Verstand . Ich muß nun besonders meine Anstalten treffen , daß ich einen liebreichen favorablen Fix-Wahn finde und anerkenne , der gut mit mir umgeht . Kann ichs dahin bringen , etwan der erste Mensch zu sein im irrigen Hause - oder der zweite Momus - oder der dritte Schlegel - oder die vierte Grazie - oder der fünfte Kartenkönig - oder die sechste kluge Jungfrau - oder die siebente weltliche Kur - oder der achte Weise in Griechenland - oder die neunte Seele in der Arche oder die zehnte Muse - oder der 41ste Akademiker - oder der 71ste Dolmetscher - oder gar das Universum - oder gar der Weltgeist selber : so ist allerdings mein Glück gemacht und dem Lebens-Skorpion der ganze Stachel weggeschlagen . Aber was steht nicht noch für goldnes edelsteinernes Glück offen ! Kann ich nicht ein sehr begünstigter Liebhaber sein , der den Sonnenkörper einer Geliebten den ganzen Tag im Himmel ziehen sieht und hinaufschauet und ruft : ich sehe nur dein Sonnen-Auge , aber es genügt ? - Kann ich nicht ein Verstorbner sein , der voll Unglauben an die zweite Welt in solche gefahren ist und nun da gar nicht weiß , wo er hinaus soll vor Lust ? - O kann ich nicht denn der kürzere Traum und das Alter verkindern ja schon wieder ein unschuldiges Kind sein , das spielt und nichts weiß , das die Menschen für Eltern hält und das nun einen aus der bunten Blase des Lebens zusammengefallenen Tränentropfen vor sich stehen hat und den Tropfen wieder mit der Pfeife geschickt zum flimmernden Farben-Weltkügelchen aufbläset ? Es ist eben Mitternacht ; ich muß jetzt in die Kirche gehen , meine Vesper-Andacht zu halten . Drei Wochen später Nota bene ! Gewissermaßen war ich seit deiner Reise verdammt unglücklich bis diesen Morgen gegen 1 Uhr ; - um 2 Uhr faßt ' ich meinen Entschluß , jetzt um 5 die Feder , um 6 , wenn ich ausgetrunken und ausgeschrieben , den Reisestab , dessen Stachel nach 2 Monaten in den Pyrenäen steht . O Himmel ! mußte etwas Gestacheltes längst neben mir stehen , was ich so lange für einen Herisson nahm , indes es die beste Spielwalze voll Stifte ist , aus der ich nichts Geringeres ( ich drehte sie vor einigen Stunden ) haben kann als das beste Flötengedackt - unverfälschte Sphären- und Kreismusik zu den Bravourarien der drei Männer im Feuer einen ganzen lebendigen Vaucansons-Flötenspieler von Holz und unerhörte Sachen , womit die Maschine nicht sich einen Bruch bläset , sondern einigen Spitzbuben , wovon ich vorzüglich den Kahlkopf nenne ? O höre , Jüngling ! Es geht dich an . Ich will deinetwegen , was die Welt offenherzig nennt , jetzt sein , nämlich unverschämt , denn wahrlich ich decke lieber meinen Steiß als mein Herz auf und bin weniger rot . Es gab einmal in alten Zeiten eine junge Zeit , eine voll Feuer und Rosen , wo der alte Schoppe seines Orts auch jung genug war - wo der alerte , anschlägige Vogel leicht heraushatte , wo der Hase liegt und die Häsin - wo der Mann sich noch mit den bekannten vier Weltteilen in Güte setzte , oder auch ebenso leicht wie ein Stier mit dem Horn nach jeder Fliege stieß - wo er , jetzt ein Silberfasan kühler Zeit , noch als ein warmer Goldfasan im ganzen Welschland auf- und abschritt oder flog und bald auf Buonarottis Moses saß , bald auf dem Coliseo , bald auf dem Ätna , bald auf der Peterskuppel und vor Lust krähete , die Flügel schlug und gen Himmel stieg . Es war nämlich dieselbe Zeit , wo der noch ungerupfte Sturmvogel einmal in Tivoli sich durch die Wasserfälle hin- und herschwang , kostbar selig war und da gelegentlich - plötzlich - oben - in Vestas Tempel - zum ersten Male - weiter nichts erblickte als - die Prinzessin di Lauria , nachher , mutmaß ' ich , von einem Vliesritter weggeholt als sein güldnes Vlies . Solche sehen - sich aus einem Sturmvogel in einen Tauber an der Venus Wagen verwandeln - von Gespann und Zügel sich abreißen - vor jene Göttin fliegen - sie in immer engern Kreisen umziehen , das alles war nicht eins , sondern dreierlei . Ich mußte erst zu einem Paradiesvogel wachsen und mich färben , um in ein Paradies zu fliegen ; ich mußte nämlich Malerei erlernen , um vor Sie zu dürfen . Als ich endlich den Porträt-Pinsel und die Silhouetten-Schere in der Gewalt hatte und an einem Morgen mit beiden vor der Prinzessin und dem Fürsten erschien , mußt ' ich ihn selber malen und schneiden ; seine Tochter war schon vermählet und heimlich abgereiset ; denn dein Großvater weissagt ( anstatt wie andere ihr Treiben voraus ) seines nur hintennach und öffnet den Mund bloß zum - Hören . Ich schnitt ihn schnell aus , den Mann - packte ein - ging in alle Welt - nach beinah drei Jahren stand ich auf der zehnten Terrasse der Isola bella ganz unerwartet vor der Gräfin Cesara Himmel und Hölle ! welch ein Weib war deine Mutter ! Sie warf jeden in beide auf einmal , ich weiß nicht ob deinen Vater auch . Schreiber dieses stand in seiner letzten ornithologischen Verwandlung vor ihr , als stiller Perlhahn ( Tränen müssen die Perlen sein ) , und konterfeiete sie ab , nach wenigen Wochen . Sie hatte zwei Kinder , dich - deiner schon damals geschärften Bildung entsinn ' ich mich klar