die Sieger gingen wie eine Welle über das Land . Indessen scheint Cunersdorf von dieser ersten Not des Krieges wenig oder gar nicht berührt worden zu sein und erst der Rückschlag der Welle , wie er dem Frieden von Tilsit folgte , brachte den Feind auch in diese Gegenden . Die Marken , unter allerhand Vorwand , blieben okkupiert , trotzdem der Wortlaut des Friedens alles Land östlich der Elbe dem besiegten Preußen gelassen hatte , und von den okkupierenden Truppen kamen die berühmten Kavallerieregimenter , die die Division Nansouty bildeten , in die Oderbruchdörfer zu liegen . Die Wahl war gut getroffen . Wo hätten die zehntausend Pferde sich wohler fühlen können , als in der Korn- und Heukammer der Provinz ? In Schloß Cunersdorf allein lagen achtundvierzig Franzosen in Quartier , darunter wenigstens zehn Offiziere . Einzelne gehörten guten Familien an , die meisten aber waren roh und ungebildet und machten es der Itzenplitzschen Familie unmöglich , mit ihnen zu leben . Zehn Monate lang lag diese » schwere Kavallerie « ( schwer in jedem Sinne ) in den Oderbruchdörfern ; endlich rückte sie westwärts . Liebesaventuren , Händel , Hazard und Pistolenschießen hatten plötzlich ein Ende , und Schloß Cunersdorf wurde gelüftet und gebadet , als wäre der Böse darin gewesen . Die Regimenter zogen nach Spanien , später , wenigstens teilweis , nach Rußland . Aber wenn man im Oderbruch und speziell in Cunersdorf dieser schweren Kavallerie nicht vergaß , so vergaß auch diese nicht , wie » fette Weide « sie hier gefunden hatte . Im Januar 1813 kamen Quartiermacher durch das Dorf und gaben Zettel im Schloß und auf dem Schulzenamt ab , in denen die nahe Ankunft der » Nansoutyschen « und ihrer Anverwandten ( nunmehr , wenn wir nicht irren , unter dem Oberbefehl des General Sebastiani ) fast wie ein bevorstehendes freudiges Ereignis angekündigt wurde . Aber ob nun diese nachrückenden Reiter , die meist keine Reiter mehr waren , eine andere Route nahmen , oder ob diese Zettel einzig und allein den Zweck verfolgten , die Gegenden , durch die man kam , immer noch an das Vorhandensein einer grande armée glauben machen zu wollen , gleichviel , die schwere Kavallerie kam nicht . Wer kam , das waren andere . Am 18. Februar , als man es mit gutem Grunde längst aufgegeben hatte , die Nansoutyschen wiederzusehen , hielten plötzlich , unvermutet und unangemeldet , struppige Pferde vor jedem Ausgange des Dorfes und auf den kleinen abgetriebenen Gäulen saßen seltsame Leute mit Pelzmützen und Piken , wie sie seit den Tagen von Zorndorf und Schlachten-Kunersdorf in diesen Gegenden nicht mehr gesehen worden waren . Es waren Kosaken . Damit hatte es folgenden Zusammenhang . General Tschernyschew , der Führer der russischen Avantgarde , nachdem seine Vorhut unter Oberst von Tettenborn bereits am Tage zuvor bis Werneuchen und Alt-Landsberg vorgedrungen war , hatte am 18. in der Mittagsstunde die Oder passiert . » Ein Alliierter von Rußland her « , so schreibt Friedrich Adami , » hatte ihm und seinen zweitausend Pferden die Brücke dazu gebaut : die Oder trug noch ihre Eisdecke . Wenige Stunden später , um vier Uhr nachmittags , brach das Eis , auf dem drei russische Regimenter : Kosaken , Dragoner , Husaren , ihren Übergang bewerkstelligt hatten . Es hatte , so schien es , nur eben noch die Landsleute des harten , nordischen Winters hinüberlassen wollen . Diese zweitausend Reiter erschienen jetzt in den Dörfern zwischen Wriezen und Möglin . Tschernyschew selbst übernachtete in Cunersdorf . « In Schloß Cunersdorf selbst erzählt man den Hergang etwas abweichend . Danach erschien Tschernyschew nicht spät nachmittags , sondern bereits früh am Morgen , übernachtete auch nicht im Schloß , sondern brach nach kurzer Rast und nachdem alle zweitausend Reiter im Dorfe gefuttert hatten , in der Richtung von Strausberg und Herzfelde auf . Dafür , daß alle zwei tausend Reiter Cunersdorf passierten , scheint allerdings der Umstand zu sprechen , daß , nach einer noch fortlebenden Erinnerung , an jenem einem Vormittage siebzehn Wispel Hafer verfuttert wurden . [ Chamisso in Cunersdorf ] [ Chamisso in Cunersdorf ] Das Jahr 1813 brachte noch einen anderen Gast nach Schloß Cunersdorf und mit seinem Besuche schließen wir wie mit einem Idyll . Dieser Gast war Chamisso . Chamisso , bekanntlich infolge der französischen Revolution aus Frankreich emigriert 26 , hatte als preußischer Offizier die unglückliche Kampagne von 1806 und speziell die Kapitulation von Hameln mit durchgemacht . Seitdem lebte er ausschließlich den Wissenschaften , besonders dem Studium der Botanik . Im Frühjahr 1813 waren seine Mittel erschöpft und Professor Lichtenstein , dem Itzenplitzschen Hause befreundet , empfahl den jungen Botaniker nach Cunersdorf hin , wo er , nach bald erfolgtem Eintreffen , die Anlegung einer großen Pflanzensammlung unternahm , eines Herbariums , das einerseits die Flora des Oderbruchs , andererseits alle Garten- und Treibhauspflanzen des Schlosses selbst enthalten sollte . Chamisso verweilte einen Sommer lang in dieser ländlichen Zurückgezogenheit und unterzog sich seiner Aufgabe mit gewissenhaftem Fleiß . Das von ihm herrührende Herbarium existiert noch . Die Mußestunden gehörten aber der Dichtkunst , und im Cunersdorfer Bibliothekzimmer war es , wo unser Chamisso , am offenen Fenster und den Blick auf den schönen Park gerichtet , den » Peter Schlemihl « , seine bedeutendste und originellste Arbeit niederschrieb . Einige Stellen aus Briefen , die er damals an Varnhagen und Hitzig richtete , mögen hier auszugsweise einen Platz finden . Er schreibt an Varnhagen , Cunersdorf , den 27. Mai 1813 : » Lieber Varnhagen , thun und lassen war für mich gleich schmerzhaft ; durch den Machtspruch von Ehrenmännern in Unthätigkeit gebannt , bring ' ich den Sommer bei dem Herrn von Itzenplitz auf seinen Gütern zu , in Cunersdorf bei Wriezen , und beschäftige mich allein mit Botanik , wozu ich die herrlichsten Hülfen habe . Ich helfe hier übrigens auch den Landsturm exerziren und kommt es zu einem Bauernkrieg , so kann ich mich