... - « » Daran müssen sie immer erinnern , « unterbrach sich der Präfekt . » Aber auch in diesem trocknen Briefe erkannte ich die Unwiderstehlichkeit jenes Geistes , der einst die Frauen von Byzanz noch mehr als Deine Jugendschönheit zwang . So gab ich denn auch diesmal den Wünschen des alten Freundes nach , wie einst denen des jungen . Ach , ich dachte gern unsrer Jugend , der süßen . Und ich erkannte wohl , daß Antoninens Gemahl allzu fest in Zukunft stehn würde , wenn er diesmal nicht fiel . So raunte ich denn - wie Du geschrieben - dem Kaiser in die Ohren : Allzu gefährlich sei ein Untertan , der ein solches Spiel mit Kronen und mit Aufruhr treiben könne . Keinen Feldherrn dürfe man lange solcher Versuchung aussetzen . Was er diesmal gegaukelt , könne er ein andermal im Ernst versuchen . Diese Worte wogen schwerer als alle Siege Belisars , und alle meine , d.h. Deine Forderungen , gingen durch . Denn Mißtraun ist die Seele Justinians . Er traut nur einer Treue auf Erden - der Theodoras . Dein Bote Licinius ist hübsch - aber unliebenswürdig : er hat nur Rom und Waffen in Gedanken . Ach , Cethegus , mein Freund , es lebt keine Jugend mehr wie die unsre war . Du hast gesiegt , Cethegus - weißt Du noch den Abend , da ich Dir diese Worte flüsterte ? - Aber vergiß nicht , wem Du den Sieg verdankst . Und merke Dir , Theodora läßt sich nur solang sie selber will als Werkzeug brauchen . Vergiß das nie . « » Gewiß nicht « , sagte Cethegus , das Schreiben sorgfältig zerstörend , » du bist eine zu gefährliche Verbündete , Theodora , - nein , Dämonodora ! - laß sehn , ob du unersetzbar bist . Geduld : - in wenig Wochen ist Mataswintha in Byzanz . - Was bringst du ? « fragte er den eintretenden Syphax , der glänzende Waffen trug . » Herr , ein Abschiedsgeschenk Belisars . Nachdem er deinen Bericht an den Kaiser gelesen , sprach er zu Prokop : Dein Freund hat meinen Dank verdient . Da , nimm meine goldne Rüstung , den Helm mit dem weißen Roßschweif und den runden Buckelschild und schicke sie ihm als letzten Gruß Belisars . « Sechsundzwanzigstes Kapitel . Der Rundturm , in dessen tiefen Gewölben Witichis gefangen saß , lag an dem rechten Eckflügel des Palastes , desselben Querbaues , in dem er als König gewohnt und geherrscht hatte . Der Turm bildete mit seiner Eisentür den Abschluß eines langen Ganges , der von einem Hof aus zur Rechten lief und von diesem Hof wieder durch eine schwere Eisenpforte abgeschlossen war . Gerade dieser eisernen Hofpforte gegenüber lag im Erdgeschoß auf der linken Seite des Hofes die kleine Wohnung Dromons , des Carcerarius oder Kerkermeisters des Palastes . Sie bestand aus zwei kleinen Gemächern : das erste , von dem zweiten durch einen Vorhang getrennt , war ein bloßes Vorzimmer . Das zweite Gemach gewährte durch ein logenartiges Fenster den Ausblick auf den Hof und den Rundturm . Beide waren von einfachster Einrichtung : ein Strohlager im Innengemach und zwei Stühle und Tische im äußern nebst den Schlüsseln an den Wänden waren ihr ganzes Gerät . Und auf der Holzbank an jenem Fenster saß Tag und Nacht , unverwandt den Blick auf die Mauerlücke heftend , aus welcher allein Luft und Licht in des Königs Kerker fiel , schweigend und sinnend ein Weib . - Es war Rauthgundis . Niemals ließ ihr Auge von jenem kleinen Spalt im Turm . » Denn dort , « sagte sie sich , » dort hängt auch sein Blick , dorthin schwebt seine Sehnsucht . « Auch wenn sie mit Wachis , ihrem Begleiter , oder mit dem Kerkermeister , der sie beherbergte , sprach , wandte sie das Auge nicht von dem Turm . Es war , als ob der Bann ihres Blickes Unheil von dem Gefangnen abhalten könne . Lange , lange war sie heute wieder so gesessen . Es war dunkler Abend geworden . Drohend und finster ragte der gewaltige Turm und warf einen breiten Schatten über den Hof und diesen linken Flügel des Palastes . » Dank dir , gütiger Himmelsherr , « sprach sie . » Auch deine schweren Schläge treiben zum Heil . Wär ' ich in die Felsen der Skaranzia , auf den hohen Arn , zum Vater , wie ich mir ausgesonnen , - nie hätte ich von dem Gang des Elends hier vernommen . Oder doch viel zu spät . Aber mich zog die Sehnsucht nach der Todesstätte des Kindes , in die Nähe unsres Ehehauses , - das zwar räumte ich - - : wußte ich denn , ob nicht sie , seine Königin , dort einsprechen würde ? So hausten wir in der Waldhütte nahe bei Fäsulä . Und als das Schreckliche kam und eine Nachricht des Mißlingens die andre jagte , und als die Sarazenen unser Haus verbrannten und ich die Flammen leuchten sah bis in mein Versteck , da war ' s zu spät nach Norden zum Vater zu entrinnen ; die Welschen sperrten alle Wege und lieferten , was flüchtete mit gelbem Haar , den Massageten aus . Kein Weg blieb offen als der Weg hierher - nach der Rabenstadt - wohin ich als sein Weib nie hatte kommen wollen . Als flüchtige Bettlerin kam ich hier an , nur sein Roß Wallada und sein Knecht , nun sein Freigelassener , Wachis , noch mir eigen und treu . Aber ihm zum Heil , - von Gott hierher gezwungen , - ob ich schon nicht wollte - ihn zu retten , zu befreien von scheußlichem Verrat des eignen Weibes ! Und aus seiner Feinde Bosheit . Dank dir treuer Gott ! Ich durfte nicht mehr mit ihm leben - aber - aber ich , - Rauthgundis ! - darf ihn retten .