sehe , die Wilhelm Kluckhuhn , nicht ohne ein malitiöses Grinsen um seinen Mund , dienstbeflissen weit aufgerissen hat . Die Attitüde ist ohne Zweifel auf das Sorgfältigste vor dem Spiegel einstudirt , sie könnte sonst nicht bis in das kleinste Detail jedesmal genau die nämliche sein . Hier hast Du die Gruppe , die ich Dir für eines Deiner reizenden Salonbilder dringend empfehle . Emilie , als die feinere und keckere , ist natürlich die zweite Eleonore und bildet die weltliche Stütze für die andere , die einen Kopf größer ist , noch zu meiner Zeit ein romantisches Verhältniß mit einem jungen , poetischen Schulmeister hatte , der verrückt wurde und die deshalb alle mögliche Anwartschaft zu der ersten Eleonore hat , um so mehr , als sie schon vor zehn Jahren in elegischen Versen ihr Loos beklagte , in der Blüthe ihrer Jahre dem Grabe entgegenzuwelken . Diese schicksalverfolgte , dem Tode verfallene Dulderin umschlingt nun mit ihrem rechten Arm die Schulter der Freundin , gütigen Blickes , als wollte sie sagen : » Du darfst singen und spielen , du glückliches Kind ! « zu jener herabschauend , während das glückliche Kind mit ein paar Augen , in denen mindestens zwei Himmel blauen , und mit einem herausfordernden Lächeln um den schelmischen Mund zu jener emporschaut . Ach , es ist wirklich ein rührender Anblick ; besonders , wenn man bedenkt , daß die beiden Eleonoren zusammen wenigstens zwei- bis dreiundsechzig Jahre alt sind , denn ich erinnere mich ganz deutlich , daß ich schon als kleiner Junge niemals mehr mit Elisen spielen wollte , weil sie mir zu alt sei ; und was Emilien betrifft , so bin ich sogar gewiß , daß sie ein Jahr früher als ich und noch dazu an demselben Tage den Thurm der Nicolaikirche zu Uselin erblickt hat , denn unsere Geburtstage wurden gelegentlich zusammen gefeiert . - Ja , die Zähigkeit von Fräulein Emiliens Gedächtniß ist groß , aber eine Stunde giebt es doch , von der sie behauptet , daß sie dieselbe nur wie durch einen dichten Nebel schaue . Und doch sehe ich gerade diese Stunde so deutlich , daß ich mir beinahe die Zahl der Papilloten anzugeben getraue , die den blonden Kopf meiner Jugendfreundin umzitterten , als sie die Hände zu mir erhob und mich anflehte , ich möchte ihren alten Vater schonen , denselben alten Vater , der mir jetzt über Tisch mit dem vollen Glase vertraulich zunickt und nach der Tafel mir entgegenruft : » Prosit Mahlzeit , lieber , junger Freund ! ich hätte so gern mit Ihnen angestoßen , aber ich saß so weit ; nun müssen Sie mir aber wenigstens die Hand reichen ! « - wonach ganze , wenigstens halbe Umarmung . Ich fasse mich wirklich manchmal an den Kopf , mich zu überzeugen , daß dies Alles nicht ein sonderbarer Traum sei , aus welchem ich demnächst mit einem Paar der allerlängsten Ohren erwachen werde . Denn Du mußt wissen , liebe Paula , daß , wenn ich nicht der Narr dieses Festes bin , ich nicht eben weit zum Könige habe : so kommt mir Alles entgegen , so schmeichelt mir Jeder , so bewirbt sich Jeder um meine Gunst - mit einer einzigen Ausnahme natürlich ! Da ist mein alter Freund , der kleine Herr von Granow , welcher mit der Zeit noch viel runder geworden ist , so , daß er auch in seinen besten Augenblicken den Kopf nicht mehr aus den Schultern heben kann . Besonders nicht , wenn seine Gemahlin zugegen ist , eine derbe , große Brauerstochter aus S. , die ihm ein paar mal hunderttausend Thaler mitgebracht hat , auf welche er sich nicht wenig zu gute thut , und ein paar Pantoffeln , unter deren gewichtigen Schlägen der schnurrige , kleine Kerl schon manche heiße , heimliche Thräne vergossen haben soll . Aber , wie uneinig die Gatten auch in allen andern Punkten sein mögen , darin sind sie einig , mir in der lächerlichsten Weise von der Welt den Hof zu machen . Der kleine Mann erinnert sich mit Rührung der » fidelen Stunden « , die er damals in meiner Gesellschaft verlebt , und wünscht seufzend » die gute , alte « Zeit zurück , in Gegenwart sogar seiner corpulenten Gattin , die schalkhaft drohend den Zeigefinger erhebt und ruft : » Du böser , böser Mann ! aber freilich , ich begreife , wie man für einen Freund , wie diesen , selbst den Frieden des häuslichen Herdes opfern möge ! « Und nun der Steuerrath und die Geborene ! Ich schrieb Dir , wie sie mich empfangen ; aber seitdem muß großer Rath gehalten und der Entschluß gefaßt sein , eine andere Methode einzuschlagen . Diese besteht darin , daß der Steuerrath , sobald er meiner ansichtig wird , mir die Hand entgegenstreckt , rufend : » Grüß Gott , Georg ! Ich darf ja wohl den Sohn eines alten , zu früh verstorbenen Collegen und Freundes bei seinem Vornamen nennen ! « Zu welchen Worten dann die Geborene gütig lächelt , um , wenn es die Gelegenheit irgend zuläßt , meinen Arm zu ergreifen , mich auf die Seite zu ziehen und über ihren Augapfel , ihren Arthur , eine lange Conferenz mit mir zu haben . Ach , ihr Augapfel thut ihr jetzt wieder einmal so weh und ärgert sie so sehr , daß , wenn man ihrer Versicherung glauben dürfte , sie manchmal daran ist , ihn aus ihrem aristokratischen Gesicht zu reißen . Aber man darf ihr eben nicht glauben , und ich glaube ihr auch nicht . Es ist genau die alte Litanei , die ich schon von meinen Knabenjahren her kenne : wie Arthur der beste , klügste , schönste , geistreichste , liebenswürdigste Junge von der Welt sei , und nur den einen Fehler habe , seine tausend und ein Lichter unter den Scheffel seines Leichtsinns zu stellen , wo