begriffen . Aber die Seelen , die Gott durch so himmlische Vorschriften , Veranstaltungen und Mittel zur Seligkeit führen will , sucht der Satan durch die Sünde zu verblenden und in seinen Abgrund zu stürzen . Nun , Signor , ich fing an , zu verstehen , was Gott von mir verlangt . Und jetzt eben komme ich von einer Frau , bei der es mir ganz klar geworden ist . Ich habe mit der Gräfin Windeck gesprochen . « » Mit Corona ? « rief Hyazinth froh überrascht . » Mit ihr , Signor ! aber wer sind Sie , daß Sie , Lelios Freund , die Gräfin bei ihrem Namen nennen ? « fragte Judith gespannt . » Verzeihung , Signora ! ach , ich bin Orests Bruder , « erwiderte Hyazinth bewegt . » O ihr Windecker ! « rief sie ; » auf der einen Seite stehen die Himmlischen unter euch und reichen mir die rettende Hand ; auf der anderen Seite die irdischen , um mich in den Untergang zu ziehen . Jetzt verstehe ich den Weg zu beiden Schicksalen . Der meine ist gewählt : ich folge dem Kreuz , das Regina von ihrem Sterbebett mir geschickt hat . « Sie reichte ihm den Brief und den Rosenkranz . Mit tiefer Wehmut sagte Hyazinth : » Reginas Gebet hat vielleicht all ' die Gnaden erwirkt , welche über Sie zusammengeströmt sind , Signora . Regina hat den Kern des Glaubenslebens gründlich erfaßt : das Opfer . Dem Opfer folgen Gnaden ; das ist eine so tiefe Wahrheit , eine so unleugbare Tatsache , daß die ganze vorchristliche Welt dies geheimnisvolle Gesetz einer höheren Macht anerkannte und sich davor beugte . Die Wiedergeburt der Menschheit ging aus dem Opfer hervor , das der Sohn Gottes zur ewigen Sühne darbrachte - und alles Gute , Große und Schöne , was seitdem auf Erden geschieht , ist eine Neugeburt dieses Opfers in dem Menschen , der es ausführt . Das Beste , Größte und Schönste , was hienieden geschehen kann , ist die Rettung der Seelen . Darum erheischt sie die größten Opfer . Darum muß der Hirt der Seelen , der Priester - ein Opfernder sein . Darum muß der Missionär , der Ordensmann , die Klosterfrau , die sämtlich den Beruf zur Rettung der Seelen haben und ihre Aufgabe durch äußere und innere Tat vollziehen : darum müssen sie ein Opferleben führen . Darum müssen ganze Epochen in der Weltgeschichte oder große Erscheinungen in der Epoche den Charakter des Opfers tragen . Das Christentum war tötlich bedroht in den ersten Jahrhunderten durch heidnische Verfolgung ; die Martyrer , die nach Millionen zählen , opferten sich mit Blut und Leben : und es siegte . Es war tötlich bedroht durch die wütenden Häresien des Orients ; und eine ganze Welt von Asceten erhob sich zum stillen Opfer der Irdischkeit : es war gerettet . Tötlich bedroht war es Jahrhunderte hindurch von den barbarisch vernichtenden Stürmen und Zügen der Völkerwanderung ; da erschienen die großen Glaubensboten und Ordensmänner , dreifach sich opfernd , als Apostel , Martyrer und Asceten , streuten , schützten , pflegten himmlische Saaten - und das Christentum war gerettet . Tötlich bedroht war es im Mittelalter teils durch häretische Sekten , die im Gewande falscher Heiligkeit ihr Gift verspritzten , teils durch die gewaltige Neigung der Welt zu den Lüsten der Erde und den breiten behaglichen Genüssen der sinnlichen Freuden . Ein Heer von opferfreudigen Seelen erhob sich in solcher Masse , daß der Jüngling die Braut nicht fand und die Jungfrau keinen Gatten ; so waren die Herzen entbrannt in Liebe zur Armut und zur Entsagung , wie St. Franziskus , der Seraphische sie lehrte und übte . Das Christentum fand durch sie seinen Nerv und seine Kraft wieder . Und abermals war es bedroht durch den grausigen Abfall des sechzehnten Jahrhunderts , den der Welt- und Erdgeist in Verbindung mit der Häresie stifteten ; und abermals wurde es gerettet durch Scharen von Heiligen , die das Kreuz ins Herz und in die Hand nahmen und mit einer alles überflügelnden Opferliebe die Tage des Apostolats und des Martertums durch sich selbst , ihre Zöglinge und geistlichen Söhne erneuerten und auf dem ganzen Erdball das Christentum teils retteten , teils verbreiteten . Auf jedem Kampfplatz erschienen sie , auf jede Bresche sprangen sie , jeden schwachen Punkt verteidigten und befestigten sie . Der große Erzbischof von Mailand Karl Borromäus , in dem die Seele des Johannes und des Paulus verschmilzt , beginnt die Reform der Kirche bei den geistlichen Hirten selbst , während der liebenswürdige Bischof von Genf , Franz von Sales , durch den Zauber seiner seelenvollen Beredsamkeit in Controverse und Predigt tausend Betörte von Calvins Irrlehre befreit . Loyola stiftet die glaubens- und todesmutige Schar seiner Söhne , die man St. Michaels Söhne nennen müßte - so kämpfen sie auf der Welt für das Reich Gottes gegen den uralten Lügengeist . Franz Xaver gewinnt in Asien Völker und Länder für das Christentum ; Franz Solano in Südamerika . Vinzenz von Paulo ruft in Paris die barmherzigen Schwestern ins Leben ; Johannes von Gott in Granada die barmherzigen Brüder . Therese von Jesu führt gottliebende Seelen in die Gebetsstille des mystischen Carmels ein ; Katharina Fiesco-Adorno , die Dogentochter , dient im großen Spital zu Genua - und beide verfassen Schriften , in denen die Kirche eine himmlische Weisheit , gepaart mit himmlischer Liebe anerkennt . Alle Orden erneuern sich und treiben frische Sprossen . Neue Kongregationen erblühen , neue Genossenschaften treten zusammen . Wo eine Lücke im kirchlichen Leben ist , wo ein geistiges Bedürfnis sich kund gibt - da ist auch schon eine opferwillige Seele zur Hand , die mit der Erfindungsgabe , welche der heiligen Liebe eigen ist , gerade das trifft , was eben zur Abhilfe not tut . Und wozu das alles ? wozu diese grenzenlose unermüdliche , heroische , demütige Hingebung an ein langes , langes