Ufer mit milchweißen Ochsen , unter deren Tritten große Kornblumen aufsproßten ; die Furche füllte sich mit goldenen Körnern , welche der Bauer , indem er mit der einen Hand den Pflug lenkte , mit der anderen aufschöpfte und weithin in die Luft warf , worauf sie in einem goldenen Regen über Heinrich herabfielen ! der sie in seinem Hute auffing und sah , daß sie sich in lauter goldene Schaumünzen verwandelten , auf welchen ein alter Schweizer mit dem Schwerte geprägt war und mit einem sehr langen Barte . Er zählte sie eifrig und konnte sie doch nicht auszählen , füllte aber alle Taschen damit ; die er nicht hineinbrachte , als sie voll waren , warf er wieder in die Luft , da verwandelte sich der Goldregen in einen prächtigen Goldfuchs , welcher wiehernd an der Erde scharrte , aus welcher dann der schönste Hafer in Haufen hervorquoll , den der Goldfuchs mutwillig verschmähte . Jedes Haferkorn war ein süßer Mandelkern , eine getrocknete Weinbeere und ein neuer Batzen , die in rote Seide zusammengewickelt und mit einem goldenen Faden zugebunden waren ; zugleich war ein Endchen Schweinsborste eingebunden , welche einen angenehm kitzelte , und indem das schöne Pferd sich behaglich darin wälzte , rief es » Der Hafer sticht mich ! der Hafer sticht mich ! « Heinrich bestieg das Pferd , ritt beschaulich am Ufer hin und sah , wie der Bauer in die Rosen hineinpflügte und mit seinem ganzen Gespann darunter versank . Die Rosen nahmen ein Ende , und während sie sich zu dichten Scharen verzogen und in die Ferne hinschwammen , eine hohe Röte am runden Horizonte ausbreitend , der Fluß aber jetzt rein und wie ein unermeßliches Band fließenden blauen Stahles erschien , fuhr der Bauer auf seinem Pfluge , der sich in ein Schiff verwandelt hatte , dessen Steuer sich aus der goldenen Pflugschar formierte , singend dahin und sang » Das Alpenglühen rückt aus und geht ums Vaterland herum ! « Dann bohrte er eifrig ein Loch in den Schiffboden ; dann steckte er das eherne Mundstück einer Trompete an das Loch , sog einen Augenblick kräftig daran , worauf es mächtig erklang , gleich einem Harsthorn , und einen glänzenden Wasserstrahl ausstieß , der den herrlichsten Springbrunnen in dem fahrenden Schifflein bildete . Der Bauer nahm den Brunnenstrahl , setzte sich , auf den Rand des Schiffes und schmiedete auf seinen Knien und mit der rechten Faust ein mächtiges Schwert daraus , daß die Funken nur so stoben . Als das Schwert fertig war , probierte er es an einem ausgerupften Barthaar und überreichte es höflich sich selbst , der plötzlich als jener dicke Wirt ihm gegenüberstand , welcher an jenem Volksfeste den Wilhelm Tell vorgestellt Dieser nahm das Schwert , schwang es und sang mächtig : » Heio heio ! bin auch noch do Und immer meines Schießens froh ! Heio heio ! die Zeit ist weit , Der Pfeil des Tellen fleugt noch heut ! Heio heio ! seht ihr ihn nicht ? Dort oben fliegt er hoch im Licht ! Man weiß nicht , wo er steckenbleibt , Heio heio ! ' s ist , wie man ' s treibt ! « Dann hieb der dicke Tell mit dem Schwerte von der Schiffswand , die nun eine Speckseite war , urplötzlich einen dicken Span herunter und trat mit demselben feierlich in die Kajüte , um einen Imbiß zu halten . Heinrich ritt nun auf seinem Goldfuchs in das Dorf ein , darin sein Oheim wohnte ; es sah ganz fremd aus , die Häuser waren neu gebaut und alle Kamine rauchten , indessen die Bewohner sämtlich hinter den hellen Fenstern zu erblicken waren , wie sie eifrig um den Tisch herum saßen und aßen , keine Seele sich aber auf der Straße sehen ließ und ihn also auch niemand bemerkte . Dessen war er aber höchlich froh ; denn er entdeckte erst jetzt , daß er auf seinem leuchtenden Pferde noch die alten abgeschabten und anbrüchigen Kleider anhatte . Er bestrebte sich , desnahen auch , ungesehen hinter das Haus des Oheims zu gelangen ; aber wie wunderte er sich , als dieses über und über mit Efeu bewachsen und außerdem noch ganz von den alten wuchtigen Nußbäumen überhangen war , so daß kein Stein und kein Ziegel zu sehen war und nur hie und da ein Stückchen Fensterscheibe durch das dichte Grün blinkte . Er sah wohl , daß sich Leute hinter denselben bewegten , aber er konnte niemanden erkennen . Der Garten war mit einer Wildnis von wuchernden Feldblumen bedeckt , aus denen die alten verwilderten Gartenstauden baumhoch emporragten , und Schwärme wild gewordener Bienen brausten auf dieser Blumenwildnis umher . Im Bienenhause aber lag sein alter Liebesbrief , den der Wind einst dahin getragen , vergilbt und vom Wetter zugerichtet , ohne daß ihn die Jahre her jemand gefunden , obgleich er offen dalag ; er nahm ihn und wollte ihn entfalten , da riß ihn jemand aus seiner Hand , und als er sich umsah , huschte Judith damit lachend um die Ecke und küßte Heinrich aus der Entfernung durch die Luft , daß er den Kuß auf seinem Munde fühlte ; aber der Kuß verwandelte sich sogleich in ein Apfelküchlein , das er begierig aß , da er im Schlafe mächtigen Hunger empfand . Dies sah er auch sogleich ein und überlegte , daß er ja träume , daß aber der Apfelkuchen von jenen Apfeln herkomme , welche er einst küssend mit Judith zusammen gegessen . Aber das Stückchen Kuchen machte ihn erst recht heißhungrig , und er gedachte , daß es nun Zeit sei , in das Haus zu gehen , wo wohl eine gute Mahlzeit bereit sein würde . Er packte also einen schweren Mantelsack aus , welcher sich unversehens auf seinem Pferde befand , nachdem er dasselbe an einen Baum gebunden , und aus seinem Mantelsack rollten die schönsten Kleider hervor und ein feines weißes Hemd mit