italienischen Sprache ward unwillkürlich wieder erweckt . Dazu kam , daß sie sich hier - wenn sie , von der geheimen Unruhe ihres Herzens getrieben , Fennimors Zimmer verlassen wollte - gesicherter fand ; denn den Eudoxienthurm wagte sie nicht wieder zu betreten , da ein Besuch , der sie bis zum Banketsaale geführt hatte , fast mit ihrer Entdeckung geendigt hätte ; indem sie es war , deren davon eilende Gestalt Leonce damals an seinen Sinnen zweifeln ließ . - Emmy war fast immer ihre Begleiterin ; sie gewöhnte sich , ihre Spindel mitzunehmen und saß Stunden lang neben ihrem lesenden Liebling und genoß vielleicht noch alles Glück , von dem sie je geträumt hatte . Dadurch ward auch im Ganzen ihre Seele milder , sie verlor ihren starren Willen ; ja , sie schien oft zu wünschen , ihre stille , engelgleiche Gefährtin möchte ihr irgend einen Befehl geben , eine Anordnung treffen , der sie sich fügen könne . Aber sie ahnte nicht , wie klein die Wünsche eines Herzens sich zusammen falten , das , in seiner stärksten , jugendlichen Empfindung zurückgedrängt , sich überdies gekränkt und verrathen glaubt . So umsonst schien ihr jeder Besitz - so gleichgültig vor Allem , was ihr davon zu Theil ward , daß , was sie empfing , immer ausreichend war und ihre Wünsche und Ansprüche überbot ! Als sie Veronika ' s Briefchen erhielt , fragte sie Emmy , ob sie wolle , daß sie die gute Alte empfinge ; Emmy glaubte einen Wunsch zu errathen und willigte augenblicklich ein . Wie wenig Veronika auch die Empfindungen der Madame St. Albans theilte , konnte sie doch kaum ihr Erstaunen unterdrücken , als sie die Veränderung wahrnahm , die hier vorgegangen ; denn obwol Veronika seit Fennimors Todtenfeier nie mehr das Schloß betreten hatte , so kannte sie doch durch ihren alten ärztlichen Freund die bisher hier herrschende Einrichtung hinreichend . » Ja , ja , Veronika , die Zeit hat Euch nicht verschont , « sagte Emmy , von ihrer Spindel aufblickend ; - » ich kann es bezeugen , Ihr blühtet wie Eine ! Mein Engel sagte oft , Ihr wäret ein wahres Röschen ; - und sie hatte doch an sich den Maaßstab , was dazu gehörte , denke ich ! « » Nun , Emmy , was thut es ? « rief Veronika heiter - » mir ist mein Alter bequemer , wie meine Jugend ! Ich hatte ein Hasenherz in der Brust und fürchtete mich vor jedem dreisten Blicke , daß ich in die Wälder hätte rennen mögen ! Jetzt , Emmy , läßt mir mein weißes Haar schon Ruhe . Da kömmt die alte Veronika , höre ich sagen ; man grüßt und dankt und nimmt von mir , ohne mich dabei zu beäugeln . Da bin ich meinerseits viel freundlicher und redseliger , und mir ist damit eine Bürde von den Schultern . « » Soll wohl sein ! « erwiederte Emmy ; - » und lang ist es auch , daß wir uns nicht sahen ! Ihr habt damals Viel für meinen Engel gethan - und zuletzt die kleinen weißen Glieder in den Sarg gelegt - ich danke Euch dafür , Veronika ! « Selbst mochte sie fühlen , wie verspätet dieser Dank nachkam ; denn prüfend blickte sie zu Veronika auf und suchte , weiter sprechend , ihre Gedanken zu errathen . » Ein später Dank , nicht ? « fuhr sie fast freundlich fort . » Nun , Jeder hat seine Art - und Emmy ' s Art wird nicht Vieler Art sein ! « - » Doch jetzt lebt Ihr auf , Emmy , und unser liebes Fräulein giebt Euch dazu Veranlassung . Nun , das ist schön ! Euch ist eine Herzenserquickung wohl zu gönnen ! « Mit diesen Worten verließ sie Emmy , welche ihr wohlgefällig nachsah , und setzte sich zu Elmerice , die sie noch ein Mal herzlich begrüßte . » Eine rechte Herzenssehnsucht hatte ich nach Ihnen , mein liebes Kind , « sagte Veronika ; - » aber ich weiß wohl , wie es hier steht ; man darf nicht viele Versuche machen ; - doch , hoffe ich , geht es Ihnen gut . « » Ja , gut ! Gewiß , sehr gut ! sagte Elmerice bewegt ; - so viel Liebe , wie mir hier entgegentritt - wie sollte sie mich nicht beglücken ! « Emmy erhob sich bei diesen Worten und verließ das Zimmer ; Veronika übergab Elmerice den Brief der Gräfin d ' Aubaine und legte ihr den Wunsch der Schloßbewohner vor , sie bei sich in ihren Kreis aufzunehmen . Elmerice erröthete und erblaßte abwechselnd so oft bei diesen Worten , daß Veronika besorgt nach ihrer Gesundheit fragte . » Sie ist vollkommen gut , « antwortete Elmerice , mit gesenkten Augen und kaum Athem findend . » Der Brief meiner theuren Gräfin bewegt mich nur ! « - » Ei , ei , mein Kind , Sie sind doch sehr reizbar , wie mir scheint ! Es kann ja nur Liebes und Gutes darin stehen . Aber ich sehe wohl , die weise Dame hat Recht ! Sie ist sehr besorgt um Ihr einsames Leben ; und wünscht lebhaft , Sie in den Kreis ihrer Familie aufgenommen zu sehen . « - » O , niemals , niemals ! « rief Elmerice heftiger , als sie selbst wollte . » Nein , theure Veronika , « setzte sie dann gefaßter hinzu - » hier werde ich bleiben - hier ist mein Platz ! Wenn ich diesen verließe , müßte ich augenblicklich zur Gräfin d ' Aubaine zurück . Diese heiteren , geselligen Kreise sind nicht für mich ; - ich fühle die entschiedenste Abneigung dagegen ! Nein , ich bitte Sie , Veronika , vermitteln - entschuldigen Sie meinen unwiderruflichen Entschluß , hier in der Einsamkeit bei Emmy Gray zu leben und jeden Umgang abzulehnen