auch Esther ' s Herz sehnlichst entgegenschlug , denn auch ihr Herz , ihre Vernunft war zu einem Entschlusse gelangt , zu dem höchsten , dem seltensten in der Seele und dem Munde eines leidenschaftlich liebenden Weibes , zu dem Entschlusse der Entsagung . Dagobert ließ sich nicht allzulang erwarten . Eines Abends schnaubte sein Roß am Waldgehege ; seine Schritte wurden hörbar vor Esther ' s Kammer , und ein trat er zu den ihm entgegen Eilenden , wie ein verklärter Lebensbote . - » Grüße Dich Gott , Du vielgeprüfte Dirne ; « sagte er , dem Mädchen treuherzig und liebevoll die Hand reichend : » und auch Du , armer Ben David , sey gegrüßt . Als ich von dannen ritt aus diesem Walde , dachte ich nicht , mit so viel Glück beladen , wieder zu kommen . Esther , Du liebes treues Kind , freue Dich mit mir . Mit dem Vater ausgesöhnt , habe ich auch die Mutter , ungekränkt und gleichsam wie eine zweite junge Braut an sein Herz gelegt . Wallrade , die Stifterin des Bösen , ist verwiesen aus dem Hause , und mein Vater hat aus ihrem Munde kein Wort vernehmen wollen . Graf Montfort , dem ich Schonung zu erweisen im Stande war , will dankbar mich dem Herzog Friedrich anempfehlen , daß meine Freilassung von dem Kirchendienst vom neuen Papst bestätigt werde , und daß der Herzog so schleunig als er kann , das Geld ersetze , so er von Dir geliehen , armer Ben David . Mein , Vater , willfährig gegen meine Wünsche geworden , hat mir erlaubt ihm eine Tochter zuzuführen , sobald mein Handel mit Rom ausgeglichen und will nicht fragen nach ihrem Stand , nicht nach ihrem Namen , nicht nach ihrer Habe . « » So bringe ich denn , mein zierlich Mägdlein , mein Werben bei Dir an . Das Geschick hat uns so oft und wunderlich zusammengeführt , daß es des Himmels seyn muß , daß wir uns näher angehören . Schlag ' ein in meine Hand : Dein Vater wird sich nicht weigern , in Dein Glück zu willigen . « Bei dieser Zuversicht überflog eine zitternde Bewegung Esther ' s Körper , und ihr Mund stammelte : » Herr ! Ihr überrascht mich ... diese Güte , ... dieser Vorzug .... « » Ei , meine Esther , ist Liebe denn Güte oder Gnade ? « fragte Dagobert lächelnd . » Wenn ' s ein Vorzug ist , daß ein Reicherer eine minder begüterte Ehewirthin wählt , so hast Du diesen Vorzug über alle Maßen verdient durch Deine zarte Weiblichkeit , durch Deine Engelstugend , und durch Deine Schönheit . « » Die Schönheit verblendet Euch ; « sprach Ben David , schüchtern seine Stimme erhebend : » wird sie jedoch Euern Vater blenden ? Weiß er , daß Ihr eine Jüdin begehrt , und verpönen nicht Eure Gesetze solchen Bund mit der Strafe des Feuers ? « - » Nun , bei Gott ! « rief Dagobert : » wenn Esther eine Jüdin ist , so möchte ich die Christin sehen , die ihr gleich kömmt . Alle Menschen gleich zu lieben , befiehlt uns der Heiland ; und wenn seine Worte nicht immer und allenthalben befolgt werden , so ist es nicht des göttlichen Lehrers Schuld : kein Mensch auf Erden ist der Taufe würdiger , als Deine Tochter . Sie sehnt sich darnach , sie hat eingewilligt , aus Eurem Bunde zu treten , und als Christin wird sie vor Gott und Menschen mein Weib ! « - » Welch ein Mann ! « seufzte Esther , die Hände faltend ; Ben David ' s Stirne überzog ein finstrer Schleier , da er die Augen auf seine Tochter heftete . » Du sehnst Dich nach der Taufe ? « fragte er düster und langsam : » Du hast eingewilligt ? Tochter ! was soll ich Dir sagen , jetzt noch in dieser Stunde ? Soll ich zerreißen mein Kleid , wie für einen werthen Gestorbenen , oder soll ich mich freuen Deines Glücks in der Zeitlichkeit ? Und Ihr , Herr Frosch , ist ' s Euer ernstlicher Wille , daß Esther sich scheide von mir , und fürchtet Ihr nicht mindestens die Zungen der Welt , wenn Ihr gleich gefangen habt das Herz eines allzuschwachen Vaters ? « » Eines gerechten Vaters , « verbesserte Dagobert : » ich scherze nicht mit einer Leidenschaft . Ich gebe ihr auch nicht leichtsinnig Raum . Aber hier bin ich fest entschlossen . Du mußt zugeben , daß Deine Tochter ihre Irrthümer abschwört ; Du mußt zugeben , daß sie mein Weib werde ; und damit die Zungen der Welt unser Glück nicht stören , und meines Vaters Tage nicht trüben , will ich mich fern von der Vaterstadt häuslich niederlassen , einsam mit meinem schönen Kleinod . Lieb und angenehm ist mir ' s , wenn Du , Ben David , auch den falschen Herrn vertauschen willst gegen den wahren Glauben , aber selbst im Gegentheile auch soll Dir in der Ferne eine namhafte Unterstützung nicht entstehen ; nur magst Du , vor der Welt zum mindesten , meine Schwelle meiden . - Entscheide jetzt und sey klug . « » Also frägt man den Verdammten um Entscheidung seines Schicksals ; « entgegnete Ben David , betrübt und im Kampfe mit sich selbst : » Herr ! ich bin geworden zu alt , um wegzuwerfen mein Licht und Hort wie ein unnützes Kleid . Herr ! ich habe keine Stimme der Gewalt gegen eine Tochter , die da liebt , und einen Mann , der mir mein Höchstes nimmt mit dessen Befugniß . Herr ! ich bin Euch Dank schuldig , denn Ihr seyd ein vornehmer Mann , und begehrt mein Kind , eine schlechte Jüdin , in Ehren . - Ich bin geworden Euer ewiger Schuldner , da Ihr gehandelt habt wie ein Bruder an