Von da ab bis zum Tode des Generals ( 1788 ) gehörten die Sommermonate Cunersdorf , während der Winter in der Hauptstadt zugebracht wurde . Die Stadtwohnung war das wohlbekannte Nicolaische Haus in der Brüderstraße . Vielleicht das wichtigste Ereignis , das in diesen neun Jahren Schloß Cunersdorf und seine Bewohner traf , war die große Oderüberschwemmung im Jahre 1785 . Es war dieselbe , der , in dem benachbarten Frankfurt , der junge Herzog Leopold von Braunschweig zum Opfer fiel . Weder vorher noch nachher hat das Oderwasser in diesen Gegenden eine gleiche Höhe erreicht . Ein Pfeil am Cunersdorfer Schlosse zeigt noch , wie hoch damals das Wasser stand . Die Fluten strömten in die Küche ein und mit ihnen kamen allerlei Fische , groß und klein , und plätscherten ungefährdet und wie zum Spott in den eingemauerten Kesseln umher , aus denen sie dann bei guter Zeit ihren Rückzug antraten . Der Park stand unter Wasser und in halber Höhe der Rampe , auf der sonst die Equipagen vorfuhren , legten die Kähne an . Das war ein Ereignis . Sonst vergingen die Tage in jener stillen Weise , die das Leben alter Militärs , vielleicht nach einem Naturgesetze , so oft kennzeichnet . Der Lärm und die Leidenschaften des Kriegshandwerks machen sie doppelt begierig nach der Stille des Friedens und des Alters . So war es auch hier . Alte Kameraden kamen oft und waren gern gesehen ; im Wort lebte wieder auf ( auch wohl ausgeschmückt ) , was einst Tat gewesen war . Die großen Tage wurden wieder lebendig . Ein Gang durch den Park , ein Ritt ins Feld , die Freuden der Tafel , auch Billardspiel füllten den Tag aus . Zur Jagd war man zu alt ; auch war sie nicht Mode unter dem großen König . Der Abend gehörte dem Tarock oder dem Geplauder . Festtage waren die Besuchstage in der Umgegend , zumal bei » Prittwitzens « in dem nahe gelegenen Quilitz . Mit allen Dehors , die dem gegenseitigen Range gebührten , ging man dabei zu Werke ; sechs Pferde , nie weniger , wurden vor die Staatskarosse gelegt , der Staub auf dem ziemlich öden und sandigen Wege wirbelte auf und der Kutscher beschrieb mit möglichster Eleganz die Kurve , die das langgespannte Gefährt auf die Rampe des Quilitzer Schlosses führte . Aber solche Besuche fanden nicht häufig statt . Prittwitz spielte hoch ( noch 1790 nahm er dem Herzog von Mecklenburg dreißigtausend Taler in einer Nacht ab ) und Lestwitz war ein guter Wirt und frommer Christ . So vergingen die Tage in Schloß Cunersdorf bis 1788 , vielleicht bis zu der Zeit , wo die Generalin von Lestwitz ihrem Gatten folgte . Von da ab wurde es lebendiger . Sinn und Geschmack der Frau von Friedland lagen nach anderer Seite hin , und statt der » alten Kameraden « , die nichts hatten als ihre Erinnerungen und nichts liebten als ihre Spielpartie , wurden nun – gleichsam eine andere Hinterlassenschaft aus der Friderizianischen Zeit her – die Berliner Savants , die Akademiker und Philosophen in Schloß Cunersdorf heimisch . Zum Teil mochte das Nicolaische Haus , in welchem Frau von Friedland ihre Stadtwohnung beibehielt , eine äußerliche Veranlassung dazu bieten ; was aber den Ausschlag gab , das lag tiefer . Die Epoche der geistreichen Zirkel , die später in der Prinz-Louis-Ferdinand-Zeit ihren Höhepunkt erreichte , war eben angebrochen ; Geburt war nicht viel , oder sollte nicht viel sein ; Talent war alles . Dieser damals herrschenden Anschauung neigte man sich auch in Schloß Cunersdorf zu ; Buttmann und Bode , Engel und Spalding , Biester und Nicolai waren gern gesehene Gäste , und die Vertreter historisch berühmter Namen galten wenig , wenn sie nicht ihres Teils gewirkt und geschafft und das ererbte Pfund durch eigene Kraft gemehrt hatten . Der Tod der Frau von Friedland änderte hierin nichts Wesentliches ; ihre Tochter , die Gräfin Itzenplitz , trat eben in jedem Sinne die Erbschaft der Mutter an und alles , was hervorragte , sei es in Staat , Leben , Wissenschaft , fand nach wie vor die gastlichen Tore von Schloß Cunersdorf offen . Wenn sich ein Unterschied zeigte , so war es vielleicht der , daß die einseitige Bevorzugung des Talents , wie es die Zeitströmung mit sich gebracht hatte , nunmehr einer nach allen Seiten hin gerechteren Würdigung des Lebens und seiner tausend Kräfte Platz machte . Die persönlichen Neigungen der Tochter lagen im wesentlichen nach derselben Seite hin wie die der Mutter ; die Wissenschaften standen in erster Reihe , unter diesen die Botanik obenan , und Klaproth , Wildenow , Lichtenstein , Erman , beide Humboldts , Leopold von Buch , dazu Savigny , Ranke , Knesebeck , Reden , Marwitz , Oberst von Romberg , vor allem der alte Oberpräsident von Vincke , waren Freunde und Gäste des Hauses . Aber , wie schon angedeutet , der Kreis war doch ein weiter gezogener , als früher , und die Kunst , deren erstes Dämmern in diesem Lande Frau von Friedland nur eben noch erlebt hatte , fand jetzt ein eingehenderes Verständnis und soweit es die Zeit und Mittel eines Privathauses überhaupt gestatteten , auch Förderung und Pflege . Rauch , Friedrich Tieck , Wach ( der beiden Altmeister Schadow und Weitsch zu geschweigen ) traten , teils gesellschaftlich , teils künstlerisch , in nähere Beziehung zu dem Itzenplitzschen Hause , und der Verlauf dieses Aufsatzes wird mir noch Gelegenheit geben , ihre Werke , soweit sie auf Schloß Cunersdorf Bezug haben , aufzuzählen . Die eben genannten Namen haben uns fast bis an die Grenze der Gegenwart geführt . Aber noch haben wir in aller Kürze von Tagen zu erzählen , die dem Anfange dieses Jahrhunderts angehören , der Epoche von Jena bis Leipzig . Auch Cunersdorf hat seine Erinnerungen und sogar seine kleinen historischen Momente aus jener Zeit her . Die Schlacht von Jena war geschlagen und