an des Präfekten Finger . Damit traten sie in das Portal des Palastes . » Jetzt , Mataswintha , « sprach Cethegus zu sich selbst , » jetzt hebt dein zweites Leben an . Ich kenne kein römisch Weib - Ein Mädchen vielleicht ausgenommen , das ich kannte ! - das solcher Versuchung widerstehen könnte . Soll diese rohe Germanin widerstehen ? « - Sowie sich der Prinz von den Mühen der Seefahrt einigermaßen erholt und die Reisekleider mit einem Staatsgewand vertauscht hatte , erschien er an der Seite des Präfekten in dem Thronsaal des großen Theoderich im Mittelbau des Palastes . An den Wänden der stolz gewölbten Halle hingen noch die Trophäen gotischer Siege . Ein Säulengang lief an drei Seiten des Saales hin : in der Mitte der vierten erhob sich der Thron Theoderichs . Mit edlem Anstand stieg der Prinz die Stufen hinan . Cethegus blieb mit Belisar , Bessas , Demetrius , Johannes und zahlreichen andern Heerführern im Mittelgrund . » Im Namen meines kaiserlichen Herrn und Ohms nehme ich Besitz von dieser Stadt Ravenna und von dem abendländischen Römerreich . An dich , Magister Militum , dies Schreiben unseres Herrn , des Kaisers . Erbrich und lies es selbst der Versammlung vor . So befahl Justinianus . « Belisar trat vor , empfing knieend den kaiserlichen Brief , küßte das Siegel , erhob sich wieder , öffnete und las : » Justinianus , der Imperator der Römer , Herr des Morgen- und des Abendreichs , Besieger der Perser und Sarazenen , der Vandalen und Alanen , der Lazer und Sabiren , der Hunnen und Bulgaren , der Avaren und Sclavenen und zuletzt der Goten , an Belisa den Consularen , ehemals Magister Militum . Wir sind durch Cethegus den Präfekten von den Vorgängen unterrichtet , die zum Fall von Ravenna geführt . Sein Bericht wird , auf seinen Wunsch , Dir mitgeteilt werden . Wir aber können seine darin ausgesprochene gute Meinung von Dir und Deinen Erfolgen wie von Deinen Mitteln mitnichten teilen : und wir entheben Dich Deiner Stelle als Befehlshaber unseres Heeres . Und wir befehlen Dir angesichts dieses Briefes sofort nach Byzanz zurückzukehren , um Dich vor unserem Throne zu verantworten . Einen Triumph wie nach dem Vandalenkrieg können wir Dir um so weniger gewähren , als weder Rom noch Ravenna durch Deine Tapferkeit gefallen : sondern Rom durch Übergabe , Ravenna durch Erdbeben , den Zorn Gottes über die Ketzer und höchst verdächtige Verhandlungen , deren Unschuld Du , des Hochverrats angeklagt , vor unserem Thron erweisen wirst . Da wir , eingedenk früherer Verdienste , nicht ohne Gehör Dich verurteilen wollen , - denn Morgenland und Abendland sollen uns für ferne Zeiten feiern als den Kaiser der Gerechtigkeit - sehen wir von der Verhaftung ab , die Deine Ankläger beantragt . Ohne Ketten - nur in den Fesseln Deines Dich selbst anklagenden Gewissens - wirst Du vor unser kaiserliches Antlitz treten . « Da wankte Belisar . Er konnte nicht weiter lesen : er bedeckte das Gesicht mit den Händen : das Schreiben entfiel ihm . Bessas hob es auf , küßte es und las weiter : » Zu Deinem Nachfolger im Heerbefehl ernennen wir den Strategen Bessas . Ravenna übertragen wir dem Archon Johannes . Die Steuerverwaltung bleibt , trotz der wider ihn von den Italiern erhobenen höchst ungerechten Klagen , dem in unsrem Dienst so eifrigen Logotheten Alexandros . Zu unsrem Statthalter aber in Italien ernennen wir den hochverdienten Präfekten von Rom , Cornelius Cethegus Cäsarius . Unser Neffe , Germanus , mit kaiserlicher Vollmacht ausgerüstet , haftet mit seinem Haupt dafür , Dich unverweilt nach unsrer Flotte auf der Höhe von Ariminum zu bringen , auf welcher Dich Areobindos nach Byzanz führen wird . « Germanus erhob sich und befahl allen , bis auf Belisar und Cethegus , den Saal zu verlassen . Darauf stieg er die Stufen des Thrones herab und schritt auf Belisar zu , der nicht mehr wahrnahm , was um ihn her geschah . Er stand unbeweglich , das Haupt und den linken Arm an eine Säule gelehnt , und starrte zur Erde . Der Prinz faßte seine Rechte . » Es schmerzt mich , Belisarius , der Träger solcher Botschaft zu sein . Ich übernahm den Auftrag , weil ihn ein Freund milder als einer der vielen Feinde , die sich dazu drängten , ausführen kann . Aber ich verhehle dir nicht : dieser dein letzter Sieg hebt die Ehre deiner frühern auf . Nie hätte ich von dem Helden Belisar solch Lügenspiel erwartet . Cethegus hat sich ausgebeten , daß sein Bericht an den Kaiser dir vorgelegt werde . Er ist deines Lobes voll : hier ist er . Ich glaube , es war die Kaiserin , die Justinians Ungnade gegen dich entzündet hat . Aber du hörst mich nicht . - « Und er legte die Hand auf seine Schulter . Belisar schüttelte die Berührung ab . » Laß mich , Knabe - du bringst mir - du bringst mir den echten Dank der Kronen . « Vornehm richtete sich Germanus auf . » Belisar , du vergissest , wer ich bin und wer du bist . « » O nein , ich bin ein Gefangner und du bist mein Wächter . Ich gehe sofort auf dein Schiff - erspare mir nur Ketten und Bande . « * * * Erst spät konnte sich der Präfekt von dem Prinzen losmachen , der in vollstem Vertrauen die Angelegenheiten des Staates und seine persönlichen Wünsche mit ihm besprach . Er eilte , sowie er in seinen Gemächern , die er ebenfalls im Palaste bezogen , allein war , den ihm von Lucius Licinius mitgeteilten Brief der Kaiserin zu lesen . Er lautete : » Du hast gesiegt , Cethegus . Als ich Dein Schreiben empfing , gedacht ' ich alter Zeiten , da Deine Brieflein in dieser Geheimschrift an Theodora nicht von Staaten und Kriegen handelten , sondern von Küssen und Rosen