Erden sind wir uns flüchtig begegnet , um uns nie wieder zu sehen . Aber die Gnade umfängt und trägt Sie , und dereinst , hoffe ich , begegnen wir uns vor dem Throne Gottes und singen ein endloses Alleluja dem Lamme , in dessen Blut wir das Kleid unserer Seele weiß gewaschen haben . Nicht wahr , so wird es sein ? Ich kann nicht glauben , daß eine vom Strahl der Gnade berührte Seele diese Gnade benutzen könnte , um Gott zu beleidigen . Nein ! sie wird ihn verherrlichen , indem sie ihr Opfer bringt und ihr Kreuz annimmt . Dazu stehe ihr bei Maria , die Königin der kreuztragenden Seelen . Der Rosenkranz aber erinnere sie an die Dornen , die der göttliche Vielgeliebte für uns getragen hat , damit aus unseren umdornten Herzen die Rose der heiligen Liebe erblühen könne . Mit dieser Liebe umfange ich Ihre Seele und sage : Auf Wiedersehen unter den Seligen . Schwester Therese vom Lamm Gottes . « » Vom Himmel und aus dem Grabe und wohin ich auf Erden sehe und höre , erklingt dies wunderbare Lied von der Liebe der Seelen zwischen all dem Schellengeklingel menschlicher Torheit , « sagte Judith erschüttert . » Wehe mir , wenn ich es überhören wollte ! « Sie kniete vor Corona nieder und sagte unter sanften Tränen : » Ich kann nicht fort , ohne Ihre Vergebung erhalten zu haben , gnädige Gräfin , und Sie sehen so gut und liebevoll aus , daß ich wirklich zu hoffen wage , Sie werden mir von Herzen vergeben . « » Ach , ich hab ' es vergessen , daß ich Ihnen etwas zu verzeihen hatte ! « sagte Corona lieblich und umarmte Judith , die nun rasch ihrer Wohnung zueilte , in der Hoffnung , daß der Abbate Don Cinthio , wie Pasqualina ihn genannt hatte , im Laufe des Morgens zu ihr kommen werde . Als sie durch das große Tor in ihren Palast eintrat , kam Florentin ihr entgegen und rief im Ton höchster Überraschung : » Ganz allein ? zu so früher Stunde schon heimkehrend ! Signora , woher kommen Sie ? « » Da ich nicht frage : Signor , wohin gehen Sie ? so sind wir quitt ! « entgegnete Judith und ging kalt an ihm vorüber die Treppe hinauf , durch die öden Gemächer , deren Luft sie frostig anwehte . In ihr Zimmer . Da stand Hyazinth am Kamin . » Das ist gut ! « rief Judith , hastig Hut und Shawl abwerfend ; » Signor Abbate , seitdem ich mit Ihnen gesprochen habe , dreht sich mir die Welt nach der andern Seite um . Ich will nicht mehr Gräfin Windeck werden , allein ich möchte gern eine recht gute Katholikin und lieber heute als morgen getauft werden . « Hyazinth sah bleich und angegriffen aus ; aber jetzt verklärte sich sein Antlitz und mit dem Freudenausruf : » O heilige Mutter Gottes ! « faltete er dankbar seine Hände . Dann setzte er besonnen hinzu : » Ihr Entschluß scheint mir sehr schnell gereift zu sein . Ist er in der Tat reif , Signora ? « » Fragen Sie mich nicht zu viel , Signor Abbate ! ich weiß nur eines : ich will katholisch werden , weil ich zur Kirche gehören will , die der gekreuzigte Gott zur Beseligung und Heiligung der Menschheit gestiftet hat ; in der er fortwirkt durch den heiligen Geist und fortlebt durch die heilige Eucharistie ; und in der sein göttliches Leben in den Menschenseelen geheimnisvoll aufblüht als Liebe zu den Seelen . Dies weiß ich ! alles übrige glaube ich - und will es glauben ; .... denn Gott selbst hat es gelehrt . « » Das genügt ! « sagte Hyazinth . » Das ist das Bekenntnis des Petrus : Ich glaube , daß du bist Christus , der Sohn des lebendigen Gottes ! und sein Ausruf : Wohin anders könnten wir gehen ? Du , Herr , hast Worte des ewigen Lebens . « » So ists ! « sagte Judith . » Wer hat es bewirkt ? « fragte Hyazinth . » Die Gnade , « erwiderte sie ; » und sie bediente sich dazu der verschiedensten Werkzeuge ! In der allerersten Zeit war es Ernest ; aber ich hörte nicht hin . Dann , im vorigen Herbst , kam Lelios Bekehrung ; ich hörte nur halb hin . Vor drei Wochen kamen Sie , Signor , und da hörte ich zu viel , um es übertäuben - viel weniger es vergessen zu können . Gestern kam ich statt zu Lelio , den ich aufsuchte - zu seiner Mutter . Sie sagte himmlische Dinge . Aber dies Himmlische war das Eigentümliche , das Natürliche , ich möchte sagen , der gesunde Pulsschlag des katholischen Glaubens : Liebe zu den Seelen . Dann kam die Welt zu mir ! Wovon sprach sie ? von himmlischen Dingen im katholischen Leben , von großen Bekehrungen aus Liebe zu Gott - und von deren Frucht : Liebe zu den Seelen . Lelios Mutter hatte mir einen Katechismus gegeben . Ich nahm ihn spät abends zur Hand - und durchwachte die Nacht mit ihm . Signor ! ich habe in meinem Leben ungeheuer viel gelesen , ernste Bücher , von klugen , geistvollen , denkenden Männern geschrieben ; aber etwas so Kluges , das die höchsten und zugleich die wissenswürdigsten Fragen so einfach und genügend - aber auch mit jenem logischen Zusammenhang , der den Stempel unverwüstlicher Wahrheit trägt , beantwortete ; so himmlische und hohe Ideen , die in dem Dogma eine so tiefsinnige Begründung und eine so himmlisch klare Lösung finden , hab ' ich nie gelesen . Den Katechismus sollten die modernen Weltverbesserer studieren und danach sich selbst und die Menschheit zu bilden suchen . Lebte sie so , wie dies kleine Buch es lehrt , so wäre sie im wahren Fortschritt