gar nicht der Rede werth . Ich habe einstmals in Rio bei einem Maler gearbeitet , das heißt , ich mußte ihm Modell sitzen , denn er behauptete , mein Kopf sähe dem des Kaisers Napoleon auf eine wahrhaft erschreckliche Weise ähnlich . Da saß ich nun auf meinem Stuhl und hatte die Beine um die Füße desselben herum geschlungen ; es waren , glaube ich , an dem Tag hundertundvierzig Grad Hitze . - Nein , es waren hunderteinundvierzig , weil bei hundertundvierzig noch Schule gehalten wird , aber bei hunderteinundvierzig haben die Kinder Hitzvakanz . - Da saß ich also , und lief der Schweiß so an mir herunter , daß von den beiden Stuhlfüßen , wo Alles zusammen kam , ein paar ordentliche Bäche bis nach der Stubenthüre hinliefen . - Auf Ehre ! Richard , ich bekam für die Stunde Modellsitzen einen preußischen Thaler . « » Ei Schellinger ! « rief lachend der Zimmermann , » dabei hättest du die schiefen Häuser aus der Wallachei brauchen können . - Aber wenn es dir nun recht ist , so wollen wir ein bischen von unserer Angelegenheit reden . « Dabei hatte er sich einen Stuhl genommen , ihn vorher sorgfältig geprüft und sich dann darauf niedergelassen . Herr Schellinger machte es seufzend und mit empor gezogenen Augenbrauen ebenso , nur schlug er die Hände über einander , die Jener fröstelnd in seine Hosentaschen gesteckt hatte . » Du weißt also , « begann Richard , » worum es sich eigentlich handelt ; wir wollen , wenn es möglich ist , der Katharine , der armen Weibsperson , wieder zu ihrem Kinde verhelfen , das , wie du selber meinst , da drüben in dem Hause ist . « » Der Beschreibung nach vermuthe ich das wohl , « erwiderte der Schneider ; » sie ließen mich freilich nur einen kleinen Blick in den Affenstall hinein werfen , aber da sah ich so ein Ding , wie man es mir beschrieben , auch hatte es ein blaues wollenes Kleid an . « » Und es sah in dem Stalle so jämmerlich aus . « » O , « erwiderte kopfschüttelnd Herr Schellinger , » über alle Maßen . Ich habe auch da hinten herum mancherlei Elend gesehen , namentlich bei den Frosch-Indianern ; die wohnen nämlich in Sümpfen und quacken wie die Frösche . Beiläufig gesagt , behauptet man , von ihnen stammen die amerikanischen Quäcker her ; ich habe aber hierüber nicht in ' s Klare kommen können . - Die Frosch-Indianer nun haben die sehr schlechte Gewohnheit , sich gegenseitig ihre Kinder aufzuessen , und da das doch die Regierung der Vereinigten Staaten , wo sie naturalisirt sind , nun einmal nicht leiden kann , so hat sie große Kleinindianerkinderbewahranstalten errichten lassen , wo es aber , unter uns gesagt , arg genug hergeht . « » Ich will dir das recht gern glauben , « sagte einigermaßen ungeduldig der Zimmermann . » Aber jetzt handelt es sich nicht von Frosch-Indianern , sondern von Meister Schwemmer und der Katharine ihrem Kind . - Du weißt also genau , was du bei der Geschichte zu thun hast ? « » Ja , ich weiß es , « antwortete der Garderobe-Gehilfe ; worauf er in tiefem Nachsinnen seine Hände auf den Knieen faltete und den Kopf auf die Brust sinken ließ . » Ich weiß es ganz genau . - Aber da war dazumal bei den Frosch-Indianern - nein , nein ! ich irre mich : es war bei den Vögelnegern ! - ein ganz verfluchter Kerl , eigentlich ein Verbrecher . - Richard , hast du je Schillers Verbrecher aus verlorener Ehre gelesen ? « » Ich glaube wohl ; aber bleibe bei der Sache , Schellinger ? « » Gleich , gleich , lieber Richard , « erwiderte jener sanftmüthig . - » Also dieser Kerl - ich glaube ein Preuße - war also auch ein Verbrecher geworden , nicht aus verlorener Ehre , sondern weil es ihm unmöglich war , irgendwo eine Schraube festsitzen zu lassen . « » Ach dummes Zeug ! « » Nein , auf meine Ehre ! Richard . Schon als ganz kleines Kind fing er damit an , wo es sich nur thun ließ , eine Schraube heraus zu ziehen ; ich sage dir , wenn er eine sah , so zitterte er ordentlich drauf hinein . Da halfen keine Schläge und gar nichts ; und das ward immer ärger , je mehr er heran wuchs . « » Nun , so laß ihn in ' s Teufels Namen heranwachsen , und gib mir einmal eine vernünftige Antwort , denn wenn du so hartnäckig zerstreut bist und immerzu auf Reisen , da kann ja kein Mensch ein vernünftiges Wort mit dir reden . « » Ja , du hast Recht , lieber Richard , « sagte melancholisch der Schneider , indem er sich mit der Hand über die Stirne fuhr und tief aufseufzte ; » es ist das allerdings eine schlechte Angewohnheit und plagt mich sehr . Es ist ein Unglück , daß ich diese weiten Reisen gemacht habe und es nun einmal nicht lassen kann , die Menschen aus meiner Erinnerung zu belehren . - Was habe ich davon ? - Nichts als Undank ! Ich weiß ja wohl , was die Leute sagen , wenn ich weggegangen bin . - Wie der Schellinger gelogen hat ! lachen sie . Und siehst du , Richard , die Reputation eines Lügners zu haben , ich , der nur die Wahrheit spricht , das bringt mich noch unter den Boden . « » Das sagt ja auch kein Mensch , « entgegnete begütigend der Zimmermann ; » ich am allerwenigsten . Nur meinte ich eben , du solltest deine Phantasie ein bischen bemeistern und auch hie und da einmal von anderen Dingen sprechen , als von deinen schönen Reisen . « » Ach , die Phantasie ! « versetzte traurig