; anstatt sie mit Hilfe anderer auf unsern geräumigen Platz hinzutragen , wo der große Brunnen steht , schleppt sie dieselben allein auf das hohe schwarze Dach Eures Hauses , breitet sie dort an der Sonnenseite aus , geht emsig auf dem steilen Dache umher , ohne Schuhe zwar , aber bis an den Rand hin , klopft die Stücke aus , kehrt sie , schüttelt sie und hantiert dermaßen seelenallein in dieser schwindligen Höhe unter dem offenen Himmel , daß es höchst verwegen und sonderbar anzusehen ist , zumal wenn sie , einen Augenblick innehaltend , die Hand über die Augen hält und da hoch oben in der Sonne stehend in die weite Ferne hinauszieht . Ich konnte es einmal nicht länger ansehen von meinem Hofe aus , wo ich eben einen Wagen lackierte , ging hinüber , stieg bis zum Dache hinauf und hielt unter der Luke eine Anrede an sie , indem ich ihr die Gefahr ihres Tuns vorstellte und bat , doch die Hilfe anderer Leute in Anspruch zu nehmen . Sie lächelte aber nur und bedankte sich , und bin ich auch der Meinung , daß nur durch Ihre Heimkehr solche peinliche Abstinenz und Pönitenz vertrieben werden kann ! « Der wackere Mann , welcher keinen Augenblick Heinrich verächtlich behandelte , vielmehr dessen Lage mit achtungsvollem Mitgefühl für einen notwendigen Künstlerzustand hielt , aus welchem herauszukommen und dann die Herrlichkeiten des Künstlertums anzutreten nur von einem festen Wollen und Zusammenraffen Heinrichs abhinge , munterte ihn nun wiederholt auf , nach Hause zu kommen , und malte ihm aus , wie die sichere Luft der Heimat meistens in solchen Fällen eine günstige Wendung herbeiführe und dem Erfahrenen und Geprüften einen neuen Mut und zugleich einen klaren Überblick gebe , so daß er entweder gedeihlich im Lande bliebe oder , wenn es der Beruf so mit sich führe , mit neuer Kraft und größerer Zweckmäßigkeit zum zweiten Mal ausfliegen könne . Er bot ihm , indem er von der Mutter den Auftrag zu haben vorgab , die nötige Barschaft an zur Heimreise . Heinrich hatte dem Erzähler unverwandt zugehört ; statt auf die Vorschläge des braven Nachbars zu hören , dessen Anerbieten und jetziges Wesen er vor Jahren kaum geahnt hätte und den er dazumal kaum näher gekannt , sah er fort und fort die seltsamen Bilder seiner Mutter , welche der Landsmann ihm entworfen , und sie prägten sich seinem Sinne in einer goldenen sonnigen Verklärung ein , so daß er träumend ihnen nachhing . Als der Landsmann ihn endlich ermunterte und , sein Glas füllend , sein Anerbieten und seine Aufforderung wiederholte , lehnte er alles mit bescheidenem Danke ab und bat , die freundlichen Leutchen möchten seine Mutter tausendmal grüßen und nur sagen , es ginge ihm ganz ordentlich , er würde gewiß so bald immer tunlich zurückkehren . Denn das Anerbieten des Mannes zu ergreifen und in diesem Augenblicke und auf diese Weise nach der Heimat zu gehen , schien ihm ganz gewaltsam und wie aus der Schule gelaufen , ohne seine Tagesaufgabe gelöst zu haben . Er begleitete das Paar nach dem Bahnhofe und sah sie mit Hunderten von glücklichen Reisenden davonfliegen , indes er selbst traurig in die Stadt zurückkehrte , welche ihm mm vollends zu einem Aufenthalt des Elendes , der Verbannung wurde . Aber dieser Zustand war nun schon wieder ein anderer geworden als erst vor einem Tage , und durch die Begegnung mit dem Landsmanne und dessen Mitteilungen nahm sein leidendes Verhalten eine bestimmte und veredelte Gestalt , und er fühlte sich durch einen klaren notwendigen Verlauf der Dinge , durch die Erfüllung eines jeden Teilchens seiner Selbstbestimmung und Verschuldung an das ferne Elend gefesselt , während alle seine Gedanken mit tiefer Sehnsucht nach der Heimat zogen , wo er unaufhörlich das Bild seiner Mutter an dem drehenden Rade sitzen , durch die Straßen der alten Stadt gehen oder auf dem sonnbeglänzten Hausdache emporragen sah . Sein ganzes Wesen wurde von diesen Bildern und von glänzenden Vorstellungen der Heimat getränkt und durchdrungen , und die einfache Rückkehr nach derselben erschien ihm jetzt nach all den Hoffnungen und Bestrebungen das wünschenswerteste und höchste Gut , welches doch wiederum durch eine seltsame künstlerische Gewissenhaftigkeit in eine ungewisse , fast unerreichbare Ferne gerückt wurde , durch die künstlerische Gewissenhaftigkeit nicht etwa des Malers , sondern des Menschen , welchem es unmöglich erschien , ohne Grund und Abschluß , ohne das Verdienst eines erreichten Lebens jenes Glück vom Zaune zu brechen und gewaltsam herbeizuführen . Allein das heiße Verlangen nach diesem so einfachen und natürlichen Gute wirkte so mächtig in ihm , daß in tiefer Nacht , wenn der Schlaf ihn endlich heimgesucht , eine schöpferische Traumwelt lebendig wurde und durch die glühendsten Farben , durch den reichsten Gestaltenwechsel und durch die seligsten , mit dem allerausgesuchtesten Leide gepaarten Empfindungen den Schlafenden beglückte , mit ihrer Nacherinnerung aber auch den Wachen für alles Übel vollkommen schadlos hielt und das Unerträgliche erträglich machte , ja sogar zu einer Art von bemerkenswertem Glücke umwandelte . Ganz wie es ihm einst Römer , sein unkluger und doch so erfahrener Lehrer , verkündet , sah er nun im Traume bald die Stadt , bald das schöne Dorf auf wunderbare Weise verklärt und verändert , ohne je hineingelangen zu können , oder , wenn er dort war , mit einem plötzlichen traurigen Ausgang und Erwachen . Er durchreiste die schönsten Gegenden seines Vaterlandes , welche er in der Wirklichkeit nie gesehen , sah die Gebirge , Täler und Ströme mit wohlbekannten und doch ganz unerhörten Namen , die wie Musik klangen und doch etwas kindisch Komisches an sich hatten , wie es nur der Traum gebären kann ; er näherte sich allmählich der Stadt , worin das Vaterhaus lag , auf wunderbaren Wegen , am Rande breiter Ströme , auf denen jede Welle einen schwimmenden Rosenstock trug , so daß unter dem dahinziehenden Rosenwalde das Wasser kaum hindurchfunkelte . Ein Landmann pflügte mit einem goldenen Pfluge am