, die Alte wird mich nicht zurückweisen , wenn Miß Eton es für passend hält , meinen Besuch zu wünschen . « - - » Das gebe denn Gott ! « rief Margot - » und , liebste Veronika - sehen Sie sich Alles recht genau an ; behalten Sie sich Alles , was Sie sehen , und erzählen Sie es uns dann recht genau wieder . Sie glauben nicht , welch Verlangen ich nach diesen Geschichten habe ; sie stören oft meine Nachtruhe ! « » Ach , « lachte die alte Veronika schelmisch - » die Nachtruhe wird wohl durch das Getreibe dort nicht in Aufruhr kommen ! Ich habe so allerlei gehört , mein kleines , schönes Fräulein , was mir dazu einen anderen Schlüssel giebt . Nun , werden Sie nur nicht so glühend roth , mein Liebchen - es hilft Ihnen doch nichts und es ist zum Freien und Gefreitwerden eine schöne Zeit . Sehen Sie nur , wie prächtig meine Orangen blühen ! Weiß Gott , ich schneide Ihnen die schönsten Zweige heraus , wenn Sie mit dem lieben jungen Marquis herunter kommen und sagen : wo hast Du nun Deinen Kranz ? « Lucile lachte ausgelassen ; doch Margot winkte der Alten ungeduldig , zu schweigen , und rief dann Gott und Menschen zu Zeugen ihrer Unschuld . - Da war jedoch Niemand , der ihr glaubte , und sie schalt nun liebkosend die alte Veronika , die mit Lucile fortfuhr , sie auszulachen . Elmerice führte indessen ihr Schwermuth nährendes Leben mit der ergebenen Schwärmerei fort , die fast von ihrer Gefährtin verlangt und auch durch die wunderliche Situation unterstützt ward . Seit dem Tage , wo wir sie mit Emmy auf dem Wege zu dem Eudoxienthurme verließen , hatte sich ihre schwermüthige Ansicht des Lebens und ihre Abneigung , in die Welt zurück zu kehren , noch erhöht . Nachdem sie Fennimors Bild gesehen , überraschte ihr eignes Spiegelbild sie mit der Aehnlichkeit , und sie weigerte sich von da an nicht mehr , sich für die Enkelin der gekränkten Gräfin Crecy zu halten ; aber zugleich hörte sie , daß die unrechtmäßigen Erben gekommen seien , das Eigenthum ihres Vaters in Besitz zu nehmen . - Und als sie die verhängnißvollen Namen erfuhr , flehte sie Emmy aufs Neue an , sie nicht in diese Ansprüche hinein zu ziehen , sondern sie zu schützen und zu verbergen , damit auch jede Berührung mit jenen Bewohnern unmöglich werde . Doch hatte sich ihr Spielraum im Schlosse erweitert . Der Eudoxienthurm ward ihr Lieblingsaufenthalt . Zur Nacht , wenn gegenüber in dem anderen Flügel des Schlosses die Lichter angezündet wurden , schlich sie an Emmy ' s Seite auf den kleinen Altan , der von hier in den Hof sah , und blickte in die erleuchteten Räume , in denen sie nach gerade die Verwandten der Gräfin d ' Aubaine aus ihrem Betragen zu einander , kennen und unterscheiden lernte . Ach , welche Schmerzen sog sie ein ; - wie verfolgte sie besonders das junge , schöne und glückliche Mädchen , das Margot d ' Aubaine sein mußte ; - und wie hielt sie die , ihr durch den Brief der Gräfin Franziska verrathenen Wünsche der Familie bereits erfüllt , wenn sie die zärtliche Aufmerksamkeit sah , die ihr von ihrem jungen Vetter Leonce zu Theil ward ! Sie dachte an Leithmorin , an den Kreis ihrer jungen Freunde , und wie sie damals , wie Margot jetzt , der Gegenstand der Liebe Aller war . Dann kam sie sich alt und von der ganzen Welt verlassen vor und gelobte sich , für das theure Wesen zu leben , das sie mit so uneigennütziger Liebe umfing . Wenn dann die Lichter erloschen , und die geselligen Räume wieder in Dunkel gehüllt waren , blieben Elmerice ' s Augen noch lange darauf ruhen und schienen immer noch zu sehen , was sich dort eben bewegt hatte ! Mit unermüdlicher Geduld saß ihr Emmy Gray die langen , schweigsamen Stunden gegenüber . Für sie war das Anblicken ihres Lieblings die süßeste Unterhaltung ; - und Jahre lang von jeder Mittheilung entwöhnt , hatte sie das Wort nicht mehr nöthig . Aber Elmerice ließ ihren Empfindungen nie so eigennützig Raum , daß sie die Zustände Anderer darüber aus den Augen verloren hätte , liebreich zur Alten gewendet , wußte sie mit ihnen wieder abzuschließen , um ihren Ideenkreis zu erfüllen . Dagegen unterrichtete Emmy sie nach gerade von allen Geheimnissen des Schloßbaues ; und so hatte Elmerice durch die ganz verfallenen Hofdamen-Zimmer die geheimen Eingänge kennen gelernt , die nach dem Eudoxienthurme und nach den Geheimzimmern der Katharina von Medicis führten . Mit der romantischen Liebhaberei der Jugend suchte sie diese Räume auf und wußte mit Emmy ' s Hülfe wenigstens , den Jahrhunderte alten Staub und Moder in Etwas zu vertreiben , wenn sie auch ihr Zerstörungswerk , in Gesellschaft der Holzwürmer , nicht mehr aufhalten konnte . Dennoch waren diese Zimmer eine Ausbeute für den nachdenkenden Geist einer jungen , gebildeten Person . Die unsterblichen Sänger ihres Vaterlandes begleiteten die stolze , italienische Fürstin überall ; ihre Werke standen in prachtvollen Einbänden , die , wie Kästchen von kostbarer Arbeit , die Pergamentblätter bewahrten , in Büchergestellen , die , von unverwüstlichem Zederholze kunstreich geschnitzt , ihre Schätze fest zu halten gewußt hatten . Hier fand Elmerice die zu jener Zeit modernen , damals schon vergessenen , französischen Dichter , die alten Minnesänger , die Provençalen mit ihren reichen , poetischen Schätzen ; daneben seltene und wichtige Geschichtsbücher , Schriften staatsrechtlichen Inhalts , eine kleine Anzahl geistlicher Bücher : die Lehren der Jesuiten an Könige und Staatsmänner , päbstliche Breven - Auszüge aus Schriften über ihre hierarchische Wirksamkeit ; - und endlich eine im Verhältnisse sehr kleine Anzahl Gebetbücher , alle im Geiste der damaligen Zeit , mit herrlichen Miniaturen verziert . Tagelang fand Elmerice hier Beschäftigung , und ihre Kenntniß der