, und vergönnen Sie mir die Ehrfurcht bei Seite zu setzen , die ich Ihnen immer bewiesen , wie es meine Pflicht war , so lange ich dem Leben angehörte , und lassen Sie mich die Liebe unverhohlen zeigen , die ich für Sie und die Ihrigen hegte . Wie ein Vater habe ich die Gräfin geliebt , besonders seit ihrem Unglück , aber ich will ihre weiche Seele schonen , darum bringen Sie ihr meinen Abschied und meinen Segen . Sagen Sie ihr , mein irdischer Dienst sei geendet , aber ich stürbe in der Hoffnung , daß es mir vergönnt sein wird , am Throne Gottes für Sie alle zu beten , und nehmen Sie die Schrift , die unter meinem Hauptkissen verborgen ist . Sie enthält meinen letzten Willen ; versprechen Sie mir dafür zu sorgen , daß er erfüllt wird . Der Graf nahm die Schrift , wie es der Greis verlangte , und sagte , indem er die erkaltende Hand faßte und innig drückte : Es soll alles erfüllt werden , was Sie verordnen , würdiger alter Freund . Sie wissen selbst , fuhr er mit Bewegung fort , wir alle haben Sie wie einen Vater geliebt ; Sie bestanden darauf , sich einen Diener zu nennen , wir haben Sie wie einen Freund geehrt , Sie wissen es , guter Dübois , wir hegten keine anderen Gefühle für Sie . Mit mildem Lächeln neigte der Alte bejahend das Haupt , und es schien dem Grafen , als ob er dadurch in eine unbequeme Lage gerathen sei und deßhalb schwerer athmete . Er richtete ihn also sanft in seinen Armen empor , um diese Lage zu verbessern . Ein Blick unendlicher Liebe lohnte ihm aus den erlöschenden Augen ; und als der Graf das würdige Haupt des Greises auf die Kissen zurück lehnte , war das Leben entflohen . Mit der frommen Empfindung eines liebenden Sohnes drückte der Graf die erstarrten Augen zu und wehrte seinen Thränen nicht , die auf das erkaltete Antlitz niederflossen . Ist denn dieser Hauch das Leben ? fragte er sich . Muß dieß Herz nun in Staub zerfallen , das so eben noch liebend für mich schlug ? Wohin ist der Geist entflohen , der noch so eben seine Gedanken mir mittheilte ? Das Auge ist starr und eingesunken , das so wohlwollend auf alle Menschen blickte , und unempfindlich ist die Hand , die vor wenig Augenblicken den Druck der Liebe erwiederte . O , welche Welt von Empfindungen schloß diese nun erstarrte Hülle in sich ! Wie quälend , wie entzückend und wie nichtig ist das Leben ! Der Graf ermannte sich . Er traf die nöthigen Anordnungen für die Leiche und ging , um seiner Familie den Verlust bekannt zu machen , der sie eben betroffen . Alle zollten dem würdigen Greise Thränen , aber natürlich war es auch , daß der Schmerz mild war bei dem sanften Ende eines Greises , der das höchste Lebensziel erreicht hatte . Nach der Beerdigung öffnete der Graf in Gegenwart einer Gerichtsperson das Testament des Verstorbenen , und alle Mitglieder der Familie wurden von Neuem zu Thränen bewegt , als es sich ergab , daß der dahin geschiedene Greis auch hierin noch sein liebevolles Gemüth auf das Rührendste geoffenbart hatte . Alle Ersparnisse eines langen Lebens , alle Geschenke , die er in der letzten Zeit mit kindischer Freude empfangen hatte , waren zusammengehäuft , und er ernannte den Grafen Adalbert Evremont zum Universalerben dieses kleinen Schatzes und stellte es seiner Großmuth anheim , Gustav Thorfeld und dem Knaben Francois ein Geschenk daraus zuzuwenden , wobei sie sich in der Zukunft des Verstorbenen erinnern könnten . Evremont ehrte das Andenken und den Willen des Greises , und nahm dessen Vermächtniß für seinen Sohn an ; aber der Graf sicherte als Geschenk dem Knaben Francois die eine Hälfte der Summe zu und sendete die andere Hälfte als letztes Geschenk des verstorbenen Dübois an Gustav Thorfeld , von dem man schon seit einiger Zeit wußte , daß er mit der Tochter des Predigers verbunden war , und dessen neuen Hausstand dieß Erbe sicherer begründete . Der Prediger hatte bei der Verbindung seiner Tochter mit dem Justizamtmann Thorfeld erwartet , in der Person seines Eidams künftig einen Verbündeten gegen die Anmaßungen seines rebellischen Freundes , des Arztes , zu finden , aber er fand sich unangenehm getäuscht , denn der junge Mann schloß sich innig an seinen frühesten Beschützer , den Grafen Robert , an und zog auch seine Gattin in diesen Kreis hinüber , und der Prediger fürchtete nicht mit Unrecht , daß er endlich dem Arzte würde unterliegen müssen , der an seiner Schwiegermutter in allen seinen Anmaßungen eine so kräftige Stütze hatte . Die Gräfin befriedigte ihr Gefühl . Sie ließ dem wackern verstorbenen Greise ein einfaches , in edelm Style gearbeitetes Denkmal setzen , und beide gräfliche Familien in Hohenthal und am Rhein lebten fortan in ungetrübtem Frieden , und die Zukunft nur kann darüber belehren , ob der so oft geäußerte Wunsch des Grafen Robert in Erfüllung gehen und eine glückliche Heirath beide Familien in eine zusammen schmelzen wird . Wenigstens wird diese Hoffnung dadurch unterhalten , daß beide Kinder , von denen man die Vereinigung erwartet , eine große Neigung gegen einander äußern , die bei jedem Besuche , den sich die Familien wechselseitig in Schlesien und am Rheine abstatten , sich zu erhöhen scheint . Fußnoten 1 Vereheliche Frau von Knorring .