, theils in Costnitz zurückgeblieben , theils in unserm Hause zu Frankfurt verwahrt , ist eine Beute geworden , dort betrügerischer Freunde , hier der habsüchtigen Richter , die noch nach verborgenen Schätzen lechzten , von welchen ihnen der abscheuliche Zodick vorgelogen . Ich muß wieder hinaus in die Welt , wie ich gekommen bin herein , um zu erjagen , wo möglich , ein neues Glück ; und Dich , mein einzig Kleinod , muß ich lassen hinter mir , auf daß Du nicht verderbest unter ' m Druck des Elends und der Entbehrung meiner flüchtigen Wanderschaft . Du magst nun entscheiden , Tochter : ich lasse Dir die Wahl : willst Du Dich werfen in die Arme Edoms ? willst Du zurückbleiben unter unsern Leuten , zu Worms entweder , oder zu Nürnberg ? Wir haben zwar nicht Freunde mehr , nicht Verwandte , aber Israel wird nicht lassen von David ' s unglücklicher Tochter . « - Esther sprang auf , faßte heftig ihres Vaters Hand , und rief mit ausbrechenden Thränen im Auge : » Vater ! bei der Herrlichkeit des Reiches , das uns vom Messiah gebracht werden soll ! Nimm mich mit Dir ; ich will leiten Deine Schritte durch Fels und Sand ; ich will schlummern neben Dir auf Haidekraut und Moor , ich will nicht mehr begehren , denn ein Stücklein verschimmeltes Brods , um mein Leben zu fristen ; und am Ende auch dieses Leben willig verlieren , erliegend unter Bekümmerniß und Gottes , des Herrn Schickung . Aber nimmer geh ' ich nach Worms , nimmer nach Nürnberg . Unsre Leute , zu denen ich flüchtete zu Frankfurt , haben mich verrathen an die Wollust , ein Sohn der Gebote hat Dich verrathen und den Raaf Jochai getödtet ; was soll ich erwarten von ihnen ? Die Arme wird seyn verachtet und arm in Ewigkeit : eine Magd werde ich seyn müssen in Schmach und Kummer . Vater , Dir will ich folgen , aber nicht fürder dem Gesetz und seinen Bekennern . Der Herr hat uns verderben lassen in der Noth , die Brüder haben uns lassen verzweifeln . Der Christ hat mich errettet . Ihm gehören , nach Dir , meine Tage . Weisest Du mich von Dir , so bin ich sein Eigenthum , wenn er ' s verlangt , seine Dienerin , denn er ist mehr als ein Mensch ; ein Engel des Heils , ein Erlöser und Erretter ! « - » Weh mir ! weh mir ! « entgegnete Ben David bekümmert : » O , wie ist Dir doch angeflogen der Mehlthau aus Amalek ! Du willst nicht mehr seyn eine Tochter Zion ' s ! Du brausest auf in Leidenschaft und Hitze , und hörst nicht die Stimme des Herrn und des Vaters ! Erwarte nicht , daß ich Dir fluche , nicht daß ich zu Dir flehe ! Aber gerettet möchte ich Deine Seele wissen . Ich würde Dich ermorden , wenn ich Dich mit hinaus nähme in Sonnenbrand und Nachtsturm , um mir mein Brod suchen zu helfen unter den Hefen des Volks , begleitet von Verachtung und Hohn . Deine Blüthe würde nicht groß gezogen , um zu ersticken im Kothe . So bleibe denn lieber in Edom , und halte Dich zu den Ungläubigen . Vielleicht , daß einst der Herr in seiner Barmherzigkeit Deine Seele berührt mit dem Stabe seiner Gnade , - vielleicht , daß Du einst zurückkehrst in den Schooß des Gesetzes , nicht zu spät für Deine Paradieseshoffnung , wenn gleich zu spät für meine in Kummer und Todesgram erloschenen Augen ! « - Wehmüthig und beklommen stand der Vater auf , und überließ Esther dem Strome von Thränen , in welchen sich die Erschütterung ihrer Brust auflöste . Ben David legte sich hinter der Hütte in ' s üppige Waldgras , von Mücken umtanzt , von Vögeln umgeben , deren Gezwitscher herrlich und frei aus dem Wipfel der Bäume zum Himmel stieg . In dieser Einsamkeit legte sich der Sturm seines Vorurtheils und , zu der blauen Decke hinaufblickend dachte er , daß dieses schöne Zelt ja für Jeden erbaut sey , und daß die Hand des Herrn alle Menschengräber mit Gras und Blumen ziere . Die Brust wurde ihm weiter , und mit ihr auch die Fesseln , die seine knechtische Glaubenslehre ihm von Jugend an über den Nacken geworfen . Er beseufzte das Geschick , das ihn unter diesem Himmelsstriche in Jakobs ' s Hütten hatte hervorgehen lassen ; er wünschte um seiner Esther willen , in den Reichen der Gojim geboren zu seyn ; er dachte sich die Möglichkeit , sie mit Dagobert vereint zu sehen ; er gönnte ihr den edeln Mann , ihm die reine vollendete Jungfrau ; aber wie ein Felsstück von der Höhe eines Alpengebirgs rollte die Erinnerung an jenen Schwur , den er in des sterbenden Jochai ' s Hände hatte leisten müssen , auf sein Herz . - » Ich darf sie ja nicht zulassen zu dem Bade , das in Edom ein Bad der Wiedergeburt genannt wird ; « sprach er vor sich hin : » ich darf sie ja nicht abschwören lassen vor dem Volke ihren Glauben ! O , Herr ! hochgelobter Herr ! halte mich aufrecht , daß ich nicht verdiene den Zorn meines abgeschiedenen Raaf ' s. Erleuchte mich in meinem Haupte , damit ich den Ausweg finde - den rechten , untrüglichen ! Leite mich Herr , und Du , Seele meines Vaters , auf dessen Andenken der Friede sey ! « - David versank in ein eifriges Gebet , das er in den folgenden Tagen , nach kurzen Zwischenräumen immer wieder fortsetzte im Dickicht des Waldes . Er sprach kein Wort mehr über das Vergangene mit Esther . Seine Zunge schien gleichmüthig geworden zu seyn , wie seine Stirne . Er hatte seinen Entschluß gefaßt und harrte sogar mit Ungeduld auf Dagobert ' s Ankunft , welcher