- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wahrhaft hochherzig und von dem sittlichen Pathos der Wahrheit durchdröhnt , klang der Nekrolog , welchen Hans Holbach seinem Freunde in der » Berliner Tagesstimme « zu widmen wagte . Mochte im Leben diese Freundschaft nur eine äußerliche Schauspielerei gewesen sein , mochte der tiefe Zwiespalt beider Naturen sie einander innerlich entfremdet haben , - der Tod gleicht alle Gegensätze aus . Jetzt balancirte Holbach nicht mehr , dem Vortheil der Weltberechnung gehorchend - der Tod veredelt . Und so tönte die Stimme seiner eigentlichen chevaleresken Natur , seines warmen und gütigen Herzens , aus den Worten : » Unter dein vielen Erbärmlichen des Weltgetriebes giebt es ein Erbärmlichstes : den Schriftstellerneid . Diesem zumeist fiel Leonhart zum Opfer , während er neidlos alles Tüchtige anerkannte . Nachdem sie sein Genie von allen Seiten benörgelt ( hier erwarben sich viele Moralprediger ein besonderes Verdienst , ihm , dem wirklich Moralischen gegenüber ) , begannen seine Collegen auch seinen Charakter in den Staub zu ziehen , indem sie seine Handlungen entstellten , seine Motive unlauter verdrehten , seine Ausschreitungen übertrieben . Nun lehrt zwar ein Blick aus die ungeheure Produktivität des jungen Dichters , daß er lediglich seinen idealen Zielen gelebt haben könne und daher alle Sagen über sein sonstiges Verhalten ins Reich der Mythe gehören . Wären aber seine Fehler so offenkundig wie die Erhabenheit seiner Dichtungen - wer wäre berufen , darüber zu richten ? Doch gegen diese Art giftspritzender Hinterlist bleibt der Edelste und der Stärkste ohnmächtig . Forschen wir aber nach den Gründen dieser Niedertracht , so finden wir überall den gleichen : den Neid der Impotenz gegen das Genie , den Größenwahn der Kleinen gegenüber der wahren Größe . Verzeiht doch die kleinliche Selbstsucht der Mittelmäßigkeit nie die berechtigte Selbstsucht des Berufenen , weil ihre jämmerliche Eitelkeit sich verletzt fühlt ! Dabei bedenke man , daß dieser Ewigkeitsmensch keineswegs etwa wie Byron den weltlichen Rang eines Lords trug , was doch nun einmal auf die Welt ganz anders wirkt , als der Rang eines großen Dichters ! Man male sich Byrons Leben aus , wenn er zufällig als ein armer deutscher Poet geboren wäre - welch ein Abgrund stummen Leidens öffnet sich da der Phantasie ! Und ein solches Leben ewiger seelischer Tortur in verzweifeltem Kampf gegen die Uebermacht des Weltmaterialismus , von widrigen Verhältnissen eingeschnürt , hat Friedrich Leonhart durchkostet . Zweifellos war Leonhart kein makelloser Heiliger . Doch war sein Herz großmüthig und edel . Seine Verachtung alles Niedrigen und Kleinen entsprang seinem innersten Wesen , in dem nichts gemein und knechtisch . Quälte ihn vermeinte Unbill , die ihn zu thun zwang was er lange bereute , - viele wissen , daß sich ihm auf schwachem Grunde feste Dankbarkeit erbaute . Der Zug verzweifelter Angriffswuth aus tiefer seelischer Verbitterung , der ihn kennzeichnete , ging nicht aus äußerlichen und selbstischen Motiven hervor . Er kämpfte immerzu , heut mit der ganzen Welt , morgen aber auch mit sich selber . Denn der eigentliche Kern einer solchen Heldennatur basirt auf Tugendliebe und Pflichtgefühl , trotz einzelner Schlacken und Flecken . Wäre er mit jenen äußeren Vorzügen geboren worden , die in der Welt allein Erfolg verbürgen , mit Gesundheit , Schönheit , Rang und Vermögen so hätte das reiche Wohlwollen seines Gemüthes sich zu , vollkommener Idealität entfaltet . So aber , eine stete Zielscheibe für die Gehässigkeit neidischer Dummheit , wurden die häßlicheren Seiten seines Charakters von Jugend an genährt Jeder Eindruck warf sich auf ihn mit so intensiver Gewalt , daß zugleich alle Geistesstärke und alle Charakterschwäche hervorgelockt wurden . Die Fehler Leonharts stammten weder aus Entartung des Herzens - denn die Natur hatte nicht den Widerspruch begangen , so außerordentliches Talent mit einem unvollkommenen moralischen Sinn zu verbinden - noch aus Gefühlen , unempfänglich für Bewunderung der Tugend . Niemand hatte ein wärmeres Herz für Sympathie , eine offenere Hand für Unterstützung des Unglücks . Kein Geist war besser geformt für enthusiastische Verehrung edler Thaten , vorausgesetzt , daß er überzeugt war , man habe wirklich selbstlos gehandelt . Vorstellungen eines Freundes , dessen guter Absicht er sicher , hatten oft bei ihm großes Gewicht ; freilich durften Wenige eine so schwierige Aufgabe sich herausnehmen . Mahnung ertrug er mit Ungeduld , Tadel verhärtete ihn in seiner Verirrung , - so daß er oft dem feurigen Streitroß glich , das sich wüthend in die Lanzen stürzt . In den schmerzlichen Krisen seines litterarischen Lebens bewies er diese Reizbarkeit in solchem Grade , daß er fast dem edlen Opfer des Stiergefechtes glich , das mehr die Neckereien der Hetzerhorde , als die Stiche des kühneren Matadors zum Rasen bringen . Aber der Allgerechte , welcher menschliche Schuld nach ihrem wahren Werthe in seiner Schale wägt , wird jeden dieser vergifteten Nadelstiche wie einen Geistesmord verdammen . Schwerer wiegt jede Stunde , die man dem Dichter raubte und die einen Verlust für die Menschheit bedeutet , als das gesammte werthlose Leben seiner Hetzer und ihrer fadenscheinigen Moral . « Das waren goldene Worte , echt und warm aus schlagendem Herzen geboren . Ja , der Tod ist heilig , er ist ruhig und still . Den Todten zieht man nicht mehr freundlich die Würmer aus der Nase oder tastet an ihnen herum , um die Naht zu finden , aus der man irgend einen Vortheil herausschlitzen kann . So pflegen wir Umgang mit den Lebenden , die Todten aber verbitten sich das . Der Tod ist heilig . Doktor Gotthold Ephraim Wurb schrieb im » Bunten-Allerlei « über die Oeuvres posthumes dieses neuernannten Litteraturkönigs : » Sein hinterlassenes erhabenes Meisterwerk zeigt uns , welch unvergleichlich große elementare Dichterkraft in Friedrich Leonhart uns frühzeitig dahingerafft wurde . Mit Stolz weisen wir daran hin , daß wir es waren , die zuerst dieses Urgenie entdeckten , wie so oft schon die