sandte er ihr das Schwert des gefangenen Königs und schrieb ihr dabei : » Mein Wort ist gelöst . König Witichis ist vernichtet . Du bist gerächt und befreit . - - Nun erfülle auch Du meine Wünsche . « Einige Tage darauf beschied Belisar , seines treuen Beraters Prokop beraubt , den Präfekten zu sich in den rechten Flügel des Palastes , wo er sein Quartier aufgeschlagen . » Unerhörte Meuterei ! « rief er dem Eintretenden entgegen . - » Was ist geschehen ? « » Du weißt , ich habe Bessas mit den lazischen Söldnern in die Schanze des Honorius gelegt , einen der wichtigsten Punkte der Stadt . Ich vernehme , daß der Geist dieser Truppen unbotmäßig - ich rufe sie ab und Bessas ... - « - » Nun ? « - » Weigert den Gehorsam . « - » Ohne Grund ? Unmöglich ! « » Lächerlicher Grund ! Gestern ist der letzte Tag meiner Amtsgewalt abgelaufen . « - » Nun ? « - » Bessas erklärt , seit letzter Mitternacht hätt ' ich ihm nichts mehr zu befehlen . « » Schändlich . Aber er ist im Recht . « » Im Recht ? In ein paar Tagen trifft des Kaisers Antwort ein , auf mein Gesuch . Natürlich ernennt er mich , nach dem Gewinn von Ravenna , aufs neue zum Feldherrn , bis zur Beendigung des Krieges . Übermorgen kann die Nachricht da sein . « » Vielleicht schon früher , Belisar . Die Leuchtturmwächter von Classis haben schon bei Sonnenaufgang ein Schiff angemeldet , das von Ariminum her naht . Es soll eine kaiserliche Triere sein . Jede Stunde kann sie einlaufen . Dann löst sich der Knoten von selbst . « » Ich will ihn aber zuvor durchhauen . Meine Leibwächter sollen die Schanze stürmen und Bessas den halsstarrigen Kopf ... - « Da eilte Johannes atemlos herein . » Feldherr , « meldete er , » der Kaiser ! Kaiser Justinianus selbst ankert soeben im Hafen von Classis . « Unmerklich zuckte Cethegus zusammen . Sollte ein solcher Blitzstrahl aus heiterer Luft , eine Laune des unberechenbaren Despoten , nach solchen Mühen , das fast vollendete Gebäude seiner Pläne gerade vor der Bekrönung niederwerfen ? Aber Belisar fragte mit leuchtenden Augen : » mein Kaiser ? Woher weißt du ? « - » Er selbst kommt , dir für deine Siege zu danken . Solche Ehre ward noch keinem Sterblichen zuteil . Das Schiff von Ariminum trägt die kaiserliche Präsenzflagge . Purpur und Silber . Du weißt , das bedeutet , daß der Kaiser an Bord . « » Oder ein Glied seines Hauses ! « verbesserte Cethegus in Gedanken , aufatmend . » Eilt in den Hafen , unsern Herrn zu empfangen , « mahnte Belisar . * * * Sein Stolz und seine Freude wurden enttäuscht , als ihnen auf dem Wege nach Classis die ersten ausgeschifften Höflinge begegneten und im Palast Quartier forderten , nicht für den Kaiser selbst , sondern für dessen Neffen , den Prinzen Germanus . » So sendet er doch den ersten nach ihm selbst , « sprach Belisar , sich selber tröstend im Weitergehen zu Cethegus . » Germanus ist der edelste Mann am Hof . Unbestechlich , gerecht und unverführbar rein . Sie nennen ihn : die Lilie im Sumpf . Aber du hörst mich nicht ! « » Vergib , ich bemerke dort im Gedränge , unter den eben Gelandeten , meinen jungen Freund Licinius . « » Salve Cethege ! « rief dieser , sich Weg zum Präfekten bahnend . » Willkommen im befreiten Italien ! Was bringst du von der Kaiserin ? « fragte er flüsternd . » Das Abschiedswort : Nike ( Victoria ) ! und diesen Brief , « flüsterte der Bote ebenso leise . - » Aber , « und seine Stirne furchte sich - » schicke mich nie mehr zu diesem Weibe . « - » Nein , nein , junger Hippolytos , ich denke , es wird nie mehr nötig sein . « Damit hatten sie die Steindämme des Hafens erreicht , dessen Stufen soeben der kaiserliche Prinz hinanstieg . Die edle Erscheinung , von einem reich geschmückten Gefolg umgeben , ward von den Truppen und dem rasch zusammenströmenden Volk mit Jubelruf und kaiserlichen Ehren empfangen . Cethegus faßte ihn scharf ins Auge . » Das bleiche Antlitz ist noch bleicher geworden , « sagte er zu Licinius . » Ja , man sagt : die Kaiserin hat ihn vergiftet , weil sie ihn nicht verführen konnte . « Der Prinz , nach allen Seiten dankend , hatte jetzt Belisarius erreicht , der ihn ehrfurchtsvoll begrüßte . » Gegrüßt auch du , Belisarius , « erwiderte er ernst . » Folge mir sogleich in den Palast . Wo ist Cethegus der Präfekt ? Wo Bessas ? Ah , Cethegus , « sagte er , dessen Hand ergreifend , » ich freue mich , den größten Mann Italiens wiederzusehen . Du wirst mich alsbald zu der Enkelin Theoderichs begleiten . Ihr gebührt mein erster Gang . Ich bringe ihr Geschenke Justinians und meine Huldigung . Sie war eine Gefangene in ihrem eigenen Reich . Sie soll eine Königin sein am Hofe zu Byzanz . « » Das soll sie , « dachte Cethegus . Er verneigte sich tief und sprach : » Ich weiß : du kennst die Fürstin seit lange : ihre Hand war dir bestimmt . « Eine rasche Glut flog über des Prinzen Wange . » Leider nicht ihr Herz . Ich sah sie hier , vor Jahren , am Hof ihrer Mutter : und seitdem hat mein inneres Auge nichts mehr als ihr Bild gesehen . « - » Ja , sie ist das schönste Weib der Erde , « sagte der Präfekt , ruhig vor sich hin sehend . » Nimm diesen Chrysopras zum Dank für dieses Wort , « sagte Germanus und steckte einen Ring