, retten Sie Orest ' s Seele . « Mit einem Ausdruck , der an Entsetzen gränzte , schlug Judith ihre Hände in einander und rief : » Corona Windeck ! .... und Sie sprechen liebevoll zu mir .... und bitten mich .... und knieen vor mir .... und flehen um Rettung einer Seele ! O , was muß das sein , Liebe zu den Seelen - die eine so himmlische Demut gibt . « » Ach , « sagte Corona , » denken Sie an unseren göttlichen Erlöser , der am Kreuz für seine Peiniger betete : Vergib ihnen ! sie wissen nicht , was sie tun ! - Auch Sie haben es bis jetzt nicht gewußt . « » Gnädige Gräfin , « sagte Judith , und hob ehrerbietig Corona auf ; » als mir die Ahnung dämmerte , was das Christentum sei , da sagt ' ich : Christen müssen dem Herzen nach Christusträger sein . Ich sehe an Ihnen , daß ich Recht hatte . Sie hassen mich nicht , Sie verachten mich auch nicht , Sie lassen sich mild zu einer Person herab , die das Glück Ihres Lebens zerstört hat und ferner es bedroht . Ach , ich weiß nicht , ob es möglich ist , in aller Stille hochherziger zu sein . « » Signora ! « unterbrach Corona sie lebhaft , » es handelt sich um die Rettung einer Seele - und diese Rettung soll von Ihnen ausgehen . Dagegen verschwindet meine arme Person gänzlich . « » Immer und immer diese wunderbare Liebe zu den Seelen ! « entgegnete Judith sinnend . » Ach , sie ist ansteckend ! Könnte ich mit meinem Blut Graf Orest vom Abfall zurückhalten - ich tät ' es . « » O , es muß auch andere Wege geben ! « rief Corona . » Ja , einen weiß ich , « entgegnete Judith : » ich muß für Graf Orest verschwinden . Das kann ich - und das will ich . Vorstellungen fruchten nichts bei ihm ; das werden Sie so gut wissen , als ich . Er muß tatsächlich einsehen , daß die Erfüllung seiner Wünsche an der Unmöglichkeit scheitert . Ich kann nicht behaupten , daß er dann ein guter Gatte und Vater sein werde ; allein er wird den gräßlichen Gedanken des Abfalles aufgeben , und dadurch gewinnt hoffentlich die Gnade wieder Macht über ihn . Seien Sie getrost , gnädige Gräfin , die Judith verschwindet ! Es war längst mein Wunsch , daß sie verschwinde - nur freilich in anderer Weise . Ich will nicht umsonst die Gnade empfangen , im Blut Jesu meine Sünden abzuwaschen . Ich will auch , dem Herzen nach , ein Christusträger werden . Ich will auch die Seelen lieben , wie der göttliche Erlöser meine Seele geliebt hat . « Ein milder Glanz von zerschmelzenden Tränen trat in ihr dunkles mächtiges Auge . Corona breitete die Arme zu ihr aus , und überwunden von dieser Welt neuer , starker , großer Empfindungen , sank Judith weinend an das Herz dieser Frau , der sie ein so namenloses Weh bereitet hatte . Der Engel des Lichts öffnete die Pforten des Paradieses - und die Peri trat ein . » Und wohin wollen Sie gehen ? « fragte Corona . » Ich weiß es nicht , « entgegnete Judith , und legte die Hand an ihre heiße Stirn . » Mein erster Schritt muß jetzt zum Sakrament der Taufe sein . Ich sehne mich - Christin zu werden und mit meiner Vergangenheit zu brechen . « » Sie müssen eine Taufpatin haben ; darf ich es sein ? « fragte Corona . » Ein neuer Trost ! « rief Judith . » Aber Orest darf nichts von unserer Zusammenkunft ahnen ; es würde ihn erbittern , « sagte Corona . » Ich nehme alles auf mich , « entgegnete Judith . » Ich bin eingetreten in das wunderbare Reich , welches man das der Gnade nennt . Da begegnen uns Wunder und da geschehen Wunder an uns , die unberechenbar sind . Das hat Graf Orestes nicht bedacht . Ich aber habe es bis jetzt nicht gewußt . Man wird nicht Christin , wie man sich eine neue Rolle für die Oper einstudiert und wie ich es in meiner Unwissenheit wähnte . Graf Orest selbst hat auf meine Taufe gedrungen ; er muß die Folgen hinnehmen . Heute oder morgen kommt ein Priester zu mir , mit dem ich den letzten Schritt überlegen will , und dann , gnädige Gräfin , lasse ich Ihnen Nachricht zukommen , wann und wo meine Taufe stattfinden soll . « » Ich habe Ihnen hier ein Vermächtnis zu übergeben , « sagte Corona mit bebender Stimme . » Gestern Abend kam die Trauerbotschaft vom Tode meiner geliebten Schwester « .... - » Der Karmelitesse ! .... gestern Abend ! « rief Judith . » Ach , gestern Abend sprach man bei mir von großen Opfern aus Liebe zu Gott - und da wurde auch sie genannt . « » Sie ist nun in der Heimat der Seelen , « sagte Corona . » Als Orest mir seine schreckliche Absicht mitteilte und zugleich auch Ihr Vorhaben , teure Signora , die Taufe zu empfangen , da schrieb ich meiner lieben Schwester und bat sie um ihr Gebet , daß diese trostlose Verwirrung zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen sich lösen möge . Dieser Brief kam in Regina ' s letzten Tagen an , und von ihrem Sterbebett schickt sie Ihnen dies Andenken , das ich ebenfalls gestern Abend erhielt . « Judith öffnete das kleine Kästchen und nahm die Perlenschnur eines Rosenkranzes von Onyx , woran ein goldenes Kruzifix hing - dann ein versiegeltes Blatt heraus . Sie erbrach es . Die Handschrift war kaum zu entziffern , so hatte Regina ' s Hand von Fieber und Schwäche gezittert . Judith las beklommen : » Geliebte Seele ! Auf