ein Buch . Immer Schiller im Munde . Und die Tugend , sie ist kein leerer Schall , Erzeugt in dem Hirne des Thoren ! Damit weckt sie mich alle Morgen . Bei Gott ' s ist wahr . Macht Alles die unglückliche Liebe . « - » Schade , Baron , daß Sie sich nicht auch unglücklich verlieben können . « - » Warum kann ich ' s nicht ? « - » Weil Sie zu reich sind . Wer Geld klimpern lässt , ist immer glücklich in der Liebe . « - » Sie sind ein charmanter Mensch , aber was soll mir die unglückliche Liebe ? « - » Sie könnten dann auch einmal mit der Tugend in Berührung kommen . « - » Was hab ' ich von der Berührung ? « - » Tugend vermehrt den Kredit . « Der ganze Körper des Barons zuckte in der nicht wohl zu beschreibenden Bewegung eines Gesättigten , welcher gleichgültig eine Schüssel vorüber gehen lässt , an der die Blicke der Hungrigen noch verlangend schweben . Er bedurfte nicht mehr Kredit , als er besaß . Aber auch der Satte lächelt , wenn seine Gäste die Speisen loben , die er ihnen vorgesetzt . Der Baron von Eitelbach lächelte wohlgefällig über die Bewunderung , welche man der Schönheit seiner Gemahlin zollte , während man ihre Reize mit der Comteß verglich . Zum Vortheil der ersteren , es waren Kenner , die hier urtheilten . Auf den Hacken sich wiegend , die Hände noch immer in den Taschen , die breite Unterlippe aufgeworfen , hatte er gleichgültig die Gesellschaft im andern Zimmer gemustert , während sein Ohr doch bei der Unterhaltung blieb , als er es für schicklich hielt , eine Diversion zu machen : » Sehn Sie mal , wie die Alltag eingepackt hat . Gar nicht wieder zu erkennen . « Das Kennerauge des dritten Intimus ließ sich nicht täuschen . » Vorübergehende Indisposition . Frisch begossen und die Blume ist wieder in voller Pracht . « Ueber die Indisposition lächelten die Kenner ; der Baron fühlte sich geistreich gestimmt ; er nannte die unglückliche Liebe eine Klippe für die Schönheit . Lob erntete er dafür nicht , denn die Aufmerksamkeit der Andern war wieder auf die schöne Comteß gerichtet . » Auf wen mag sie nur vigiliren ? « - » Sie ist unruhig . « - » Warum steht sie aber wie eine Schildwacht an der Thür ? « - » Muß wohl seinen Grund haben . - Halt ! sehn Sie , schon wieder - « Die drei Kenner rückten die Köpfe noch näher zusammen . Comteß hatte während des Gesprächs nochmals durch die Thürritze geblickt . » Das muß man doch rauskriegen . Welcher Magnet steckt in der andern Stube ? « Wie der Zunächststehende sich auch auf den Spitzen seiner Schuhe erhob , konnte er doch nur einen Theil des Zimmers übersehen . Da kam plötzlich ein anderer Gegenstand aus demselben , und mit vielen Verbeugungen durch die beiden Damen schlüpfend , erreichte er die beobachtende Gruppe . Der Geheimrath Lupinus von der Vogtei war gewiß nicht gefährlich , für das Auge keiner galanten Dame , die noch auf Jugend Anspruch macht ; aber je schärfer das Auge der Liebe ist , um so blinder wird es für die Gefahr , die von Beobachtern droht . Das schlaue Gesicht des Geheimraths verrieth , daß er Neuigkeiten geangelt , nnd seine freudige Miene , daß er den Markt erreicht , wo er sie absetzen konnte . » Rathen Sie ! « sprach er , sich die Hände reibend . - » Das lohnte noch der Mühe . « - » Ein neuer Gegenstand ? « - » Funkelnagelneu . « - » Raus mit der Sprache , was wissen Sie ? « - » Sehr viel . Die letzte Aventure wird nur vertuscht , aber parole d ' honneur , Sie können sich drauf verlassen , sie ist so - « » Sie meinen die mit der Schildwacht - der Kerl kann doch nicht hier sein ! « - » Ist eingestiegen , Herr Baron , so gewiß ich vor Ihnen stehe . Herr Graf verziehen die Miene , in der Garde hat man sich das Wort gegeben , nicht davon zu sprechen . Nun , ich schweige in Devotion , wenn ' s verboten ist . « - » Was geht ' s mich an , « sagte der Offizier mit einem nicht zu unterdrückenden Schmunzeln , » und wenn der Grenadier dafür Spießruthen laufen müssen , so wüsst ' er doch wofür . « - » Dazu ist ' s aber nicht gekommen . Die Disciplin hat aus Galanterie ein Auge zugedrückt . « - » Sie hat ihn wirklich ins Fenster gewinkt ? « fragte der dritte Intimus . - » In den Communs , Sie wissen doch in Potsdam die kleinen holländischen Häuschen neben dem Marmorpalais . « Der Geheimrath sprach es , mit vorgehaltener Hand , dem Fragenden fast ins Ohr . Er musste es aber mit solcher Kunst accentuiren , daß es auch den beiden Andern nicht entging . » Ja , warum hat man für Kavaliere und Hofdamen so niedrige Fenster gebaut , ça ne coûte qu ' un pas ! Warum dufteten die Linden so süß in der lauen Nacht ? Warum schlugen die Nachtigallen so verführerisch ? Warum stellt man einen jungen Grenadier , sechs Fuß hoch wie ein Apollo , vor das Kammerfenster einer schönen Hofdame ? Warum schien der Mond so sehnsüchtig und beleuchtete den jungen Mars . Da ist gar nichts bei zu verwundern , und eigentlich trägt Niemand die Schuld , denn Gott bewahre , daß er ins Fenster geklettert wäre , so ein sechsfüßiger Kerl braucht nur den Fuß hochzuheben , so ist er drin . « - » Und ? « » Das einzige Unglück war , daß die Uhren in Potsdam nicht stimmten , denn als die