damit ihm Niemand bei Nacht die Anvertraute stehle ; - darum ging er wie ein sorgsamer Knecht hinter der Gebieterin her , um ihren Wünschen sein Ohr zu leihen , und ihr so viel Annehmlichkeiten zu verschaffen , als in seinen schlechten Kräften stand . Er fand in Esther ' s Lobe kein Ende , wenn Regina kam , nach ihr zu fragen , und mißbilligte es sehr , daß das Fräulein sich weigerte , die schöne Fremde näher kennen zu lernen , daß es gleichgültig die warmen Dankesäußerungen Esther ' s zurückwies , und sich ihren einsamen Beschäftigungen überließ , wie zuvor , ohne seinen Schützling zu verstatten , ihm näher zu kommen , und vertraulicher zu werden . Ammon wußte nicht , daß weder der niedre Stand Esther ' s , noch ihr Glaube sie von Reginens mitleidigem Herzen entfernte , sondern gerade der Vorzug , den das Fräulein ihr einräumen mußte : der Vorzug , Dagobert ' s Freundin zu seyn . Ammon bemerkte es nicht , wie oft Regina im Grase sitzend , in tiefes Nachdenken versank , und Viertelstunden lang nach dem Waldgange blickte , als müsse er jetzt kommen , ... als müsse er dann den fremden Gast hinwegführen , und dann allein wieder kommen , und täglich wiederkehren , und endlich gar nicht mehr von dannen gehen . - An Dagobert ' s Statt kam aber eines Mittags Ben David an , - dürftig und verschmachtend - blos von der Hülle bedeckt , die ihm das Mitleid zugeworfen . Ammon hatte schon nach der Peitsche gegriffen , um den verdächtig aussehenden Bettler aus dem Reviere zu treiben : Esther ' s Freude- und Angstruf entwaffnete ihn . Dem Vater von Kida ' s Ebenbilde konnte er nichts Übles zufügen , und er besann sich , daß auch ihn einst sein Vater unsäglich geliebt hatte , daß auch er einst an seinem Vater mit Treue gehangen ; er begriff Esther ' s Empfindung , und wehrte dem Alten nicht , die Wohnung seiner Tochter zu theilen . Vater und Tochter waren völlig ungestört , denn eine Unpäßlichkeit hielt Reginen vom Walde fern , und Ammon machte doppelt eifrig seine Runde . Esther ' s und David ' s Wiedersehensfreude , wie ihr Leid um Jochai ' s Hinscheiden und ihre Verstoßung aus der Stadt , die ihnen Schirm und Heimath gewesen , durfte ohne störende Zeugen sich aussprechen , fessellos , wie es der Schmerz , frei , wie es die Lust verlangt . Aber schon am folgenden Tage begehrte David zu wissen aus Esther ' s Munde , wie ihr Verhältniß gewesen sey zu dem Junker . Esther ' s Wange erröthete zwar ; doch hatte ihr Mund keine Schuld zu bekennen , und ihre Rede , einfach und erklärend , trug der Wahrheit Stempel . Ben David scharfes Auge , allen seinen Glaubensgenossen mehr oder minder eigen , sah indessen durch den Schimmer der Wahrheit hindurch einen dunkeln Punkt in dem Herzen seiner Tochter ; ein verschleiertes Gefühl , dessen Decke zu heben sie nicht begehrte . Er faßte daher ihre Hand , und sprach ! » Geliebtes Kind ; Du verschweigst mir , was Du nicht solltest , und wegen dessen ich Dir nicht zürnen mag , denn es ist nur die Folge der Vergangenheit . Dagobert ist gewesen Dein Schirm , Dein Alles , weil ich lag in Banden . Dagobert hat Dich genährt und gepflegt , und gerettet aus tausend Gefahren ; der hochgelobte Gott wird ihn darob segnen und ihn eingehen lassen in ' s Paradies , weil er Gutes gethan an Israel ; weil er es hat gethan uneigennützig , und nicht hat befleckt Dein Kleid der Ehren . Friede sey mit ihm , und auch auf seinem Andenken sey einst Friede , wie auf Zodick ' s Gedächtniß Schmach sey und der Zorn Gottes , und ihm selbst das Feuer der Gehenna ! Aber , liebste Tochter , mein Kind : dergestalt , wie Du den abtrünnigen Knecht Zodick mußt hassen , - dergestalt hast Du gelernt lieben den seltnen Mann , der da handelte , als stamme er aus den Lenden Jakob ' s , und nicht vom Berge Seir . Gesteh ' es mir , mein Kind . « - » Vater , « erwiederte Esther stockend : » Deiner Klugheit kann nichts verborgen bleiben . Ich muß es bekennen , und wenn es Sünde wäre vor Dir und dem Gesetz . Nach dem hochgelobten Gott , den ich fürchte , - nach Dir , mein Vater und Herr , den ich ehre , lebt Niemand mehr auf der Welt , denn Er , den ich bewundre , den ich liebe , .... o laß mich nicht vollenden . « - » Nein , meine Tochter ; vollende nicht ; « versetzte David ängstlich : » Du liebst ihn nicht , wie der Dankbare den Wohlthäter , .... Du liebst ihn nicht , wie das Kind den Vater , ... nicht wie die Schwester den Bruder ; ... Du liebst ihn wie die Jungfrau den Mann , und Wehe geschrieen über mich und Dich ... was soll aus dieser Liebe werden ? « - » Was Gott wird beschließen , und Du , mein Vater : « sagte Esther ergeben , wiewohl sie erbleichte , und erkannte , daß sie nun an den Markstein ihres Lebens getreten . - » Ich kann nichts beschließen ; « antwortete seufzend der Vater , mit größrer Fassung , weil er auf sein eigen Unglück zurückkam : » Ich bin ein armer , geschlagener , zu Nichts gewordener Mann ; sie haben mich hinausgestoßen in die Welt , und ich habe von all meinem Gute nichts mitgenommen , als die Last der Dankbarkeit gegen den Jüngling Dagobert , dessen freigebige Hand mir noch einige Pfenninge zuwarf . Des Herzogs Glückstern ist erloschen , und mein Gold , das ich ihm lieh , gewiß verloren . Meine übrige Habe