wahr ) und hätte beständig die Peitsche in der Hand , womit sie die Bauern zur Arbeit treibe – das war erlogen . Ich fand im Gegenteil eine wahre Mutter ihrer Untergebenen in ihr . Wo sie sich sehen ließ , und das war den ganzen Tag bald hier , bald dort , redete sie freundlich mit ihnen , und den Leuten leuchtete die Freude aus den Augen . Aber gehorchen mußte alles . Sie war aber nicht bloß eine Landwirtin , sondern eine höchst geistreiche und in allen Dingen unterrichtete Frau . Ich schulde ihr sehr viel ; sie hatte mir , als ich Friedersdorf übernahm , die nötigen Wirtschaftsbeamten verschafft und die Rechnungsbücher einrichten lassen . « So weit Marwitz über Frau von Friedland . Sehr ähnlich , aber noch lebhafter , wärmer , begeisterter , äußert sich Thaer über dieselbe , der sie im Sommer 1801 , nachdem er schon 1799 ihre erste Bekanntschaft gemacht hatte , bei seinem zweiten Besuch in der Mark näher kennenlernte . Er schreibt : » Auf der Grenze ihrer Herrschaft kam uns Frau von Friedland , eine der merkwürdigsten Frauen , die je existiert haben , in vollem Trabe entgegen , sprang vom Pferde und setzte sich zu uns in den Wagen . Nun ging es in vollem Galopp über Dämme und Gräben weg . Wir fuhren vier volle Stunden von einem Ort zum andern . Fünf bis sechs Verwalter , Schreiber usw. waren immer neben und hinter dem Wagen , und mußten bald eine Herde Kühe , bald eine Herde Schafe oder Schweine herbeiholen . Da indessen einige der Gesellschaft nicht länger verhehlen konnten , daß ihnen nach einem Imbiß verlange , sagte Frau von Friedland : › Wir sind sehr bald zu Hause ; wollen Sie aber im Freien essen , kann ich Ihnen sogleich etwas schaffen . ‹ Als wir letzteres versicherten , ging es sofort in einen prächtigen Wald hinein , einen steilen Berg hinauf , wo wir erst ein Feuer und bald darauf eine gedeckte Tafel erblickten , auf einem Platze , wo wir im Vordergrunde dichte Waldung , zur Seite einen großen See und in der Ferne eine weite Aussicht in das herrliche Oderbruch hatten . Eine Menge von Schüsseln , die schönsten Weine , und ein Dessert von Ananas , Weintrauben usw. ward aufgetragen . Aber sie ließ uns zum Essen und Trinken nicht eben viel Zeit . Es ging bald wieder fort , von einer Feldflur zur andern , und so waren wir gewiß fünfzehn Meilen die Kreuz und Quer gefahren , ehe wir auf ihrem gewöhnlichen Wohnsitze , auf Schloß Cunersdorf , ankamen . Sie hat außerdem noch sieben bis acht völlig eingerichtete Wohnungen , wo sie , wie es ihr einfällt , mittag oder nachts bleibt . Ihre Leute wissen es keine Stunde vorher , wo sie essen oder schlafen will . « Im weiteren Verlauf der Schilderung , die Thaer von ihr entwirft , heißt es an anderer Stelle : » Heute von morgens sechs Uhr an , bis jetzt , abends zehn Uhr , hat sie uns nicht fünf Minuten Ruhe gelassen . Wir haben gewiß vier Spann Pferde müde gefahren . So etwas von Aktivität ist mir noch nie vorgekommen . Sie hat über ein Dutzend Verwalter , Schreiber und Meier , und dennoch kennt sie jeden kleinen Gartenfleck , jeden Baum , jedes Pferd , jede Kuh , und bemerkt jeden kleinen Fehler , der in der Bestellung vorgefallen ist , jede Lücke in einer Hecke , jeden falschgestellten Pflug . Sie hat nicht nur mehrere große Branntweinbrennereien und Brauereien , sondern betreibt auch ein starkes Mühlengewerbe , weshalb sie sich förmlich in das Müllergewerk hat einschreiben lassen , so daß sie das Meisterrecht hat , und Lehrburschen ein- und losschreiben kann . « Diese Schilderungen , sowohl die Thaerschen wie die von Marwitz herrührenden , deuten bereits den Punkt an , worin Frau von Friedland ganz besonders hervorragte ; ich meine ihr Organisations- und Erziehungstalent , ihre Gabe , Leute aus dem Bauernstande zu treuen und tüchtigen Verwaltern , Förstern und Jägern heranzubilden . Sie zeigte dabei ebensoviel Menschenkenntnis , wie sie zugleich ihrerseits Gelegenheit fand , sich von der Bildungsfähigkeit der hier lebenden deutsch-wendischen Mischrasse zu überzeugen . Die meisten und besten Grundstücke der Herrschaft Cunersdorf-Friedland gehörten jenem Teile des Oderbruchs an , der erst durch die von Friedrich dem Großen ausgeführte Odermelioration dem Wasser und Sumpf abgerungen wurde . Diese Grundstücke waren nicht sofort fruchtbar , mehrere Dezennien vergingen , ehe bei dem damaligen mangelhaften Zustande des Ackerbaus in unserer Provinz auf diesem eroberten Grund und Boden auch nur mäßige Ernten erzielt werden konnten . Hier treten uns nun die ganz besonderen Verdienste der Frau von Friedland entgegen . Aber auch verwandten Gebieten wandte sie ihre Aufmerksamkeit und ihren Eifer zu . Ihre Baumschulen , ihre Pflanzungen erregten Erstaunen , sowie denn z.B. im Frühjahr 1803 ein Vorrat von fünfundzwanzig Wispeln Kienäpfel zur Aussaat sich vorfand . Auch auf Verschönerungen war sie feinen Sinnes bedacht , und die reizenden Partien zwischen Buckow und Pritzhagen , die » Springe « , die » Silberkehle « und andere Glanzpunkte der Märkischen Schweiz sind , ihrer ersten Anlage nach , ihr Werk . Durch Umsicht , Sorgsamkeit und Anspannung aller ihr zur Verfügung stehenden Mittel den Reichtum des Bruchbodens gefördert und seine Naturkräfte lebendig gemacht zu haben , wird immer ein besonderes und nicht leicht zu überschätzendes Verdienst dieser ausgezeichneten Frau verbleiben . Was sie tat , wurde Beispiel , weckte Nacheiferung und wurde , wie ihr zum Nutzen , so dem ganzen Landesteile zum Segen . Sie starb noch nicht neunundvierzig Jahre alt am 23. Februar 1803 infolge einer heftigen Erkältung , die sie sich , zu rascher Hilfe herbeieilend , bei einem in der Nähe von Cunersdorf ausgebrochenen Feuer zugezogen hatte . Ihr Gedächtnis lebt segensreich in jenen Oderbruchgegenden fort , die ihrem Vorbild , ihrem Rat und ihrer Hilfe so viel verdanken . Graf