an den Präfekten und schritt hinaus . Die Byzantiner und alle Anwesenden folgten . Cethegus drückte das Pergament zusammen : » Warte nur , « flüsterte er grimmig , » du sollst doch noch unterschreiben . « Langsam folgte er den andern . Die Halle vor dem Gemach des Königs war bereits leer . Der Präfekt schritt hinaus auf den gewölbten Bogengang , der im Viereck den ersten Stock des Palastes umgab , und dessen byzantinisch-romanische Rundbogen den freien Blick in den weiten Hofraum gewährten . Derselbe war von Bewaffneten dicht gefüllt . An allen vier Toren standen die Lanzenträger Belisars . Cethegus lehnte hinter einem Bogenpfeiler und sprach , dem Gang der Ereignisse folgend , mit sich selbst : » Nun , Byzantiner genug , um ein kleines Heer gefangen zu nehmen ! Freund Prokop ist vorsichtig Da ! - Witichis erscheint im Portal ! Seine Goten sind noch weit hinter ihm auf der Treppe . Des Königs Pferd wird vorgeführt . - Bessas hält dem König den Bügel . - Witichis tritt heran , er hebt den Fuß . - Jetzt ein Trompetenstoß . - Die Treppentüre des Palastes fällt zu und schließt die Goten in den Treppenbau . Auf dem Dache reißt Prokop das Gotenbanner nieder . - Johannes faßt seinen rechten Arm , brav Johannes . - Der König ruft : Verrat , Verrat ! Er wehrt sich mächtig . - Aber der lange Mantel hemmt ihn . - Da , da , er strauchelt . - Er stürzt zu Boden . - Da liegt das Reich der Goten . « - - - * * * » Da liegt das Reich der Goten ! « Mit diesen Worten begann auch Prokop die Sätze , die er an diesem Abend in sein Tagebuch eintrug : » Ein wichtig Stück Weltgeschichte hab ' ich heut bei Tage machen helfen und zeichne ich nun nachts hier ein . Als ich heute das römische Heer seinen Einzug halten sah in die Tore und Königsburg von Ravenna , kam mir abermals der Gedanke : nicht Tugend oder Zahl oder Verdienst entscheidet den Erfolg in der Geschichte . Es gibt eine höhere Gewalt , die unentrinnbare Notwendigkeit . An Zahl und an Heldentum waren uns die Goten überlegen : und sie haben es nicht fehlen lassen an irgend denkbarer Anstrengung . Die gotischen Frauen in Ravenna schmähten heute ihre Männer laut ins Angesicht , als sie die kleinen Gestalten , die nicht zahlreichen Scharen unserer einziehenden Truppen sahen . Summa : in gerechtester Sache , in heldenmütigster Anstrengung kann ein Mann , kann ein Volk doch erliegen , wenn übermächtige Gewalten entgegentreten , die durchaus nicht immer das bessere Recht für sich haben . Mir schlug das Herz im Bewußtsein des Unrechts , als ich das Gotenbanner heute niederriß und den Golddrachen Justinians an seine Stelle setzte , die Fahne des Unrechts erhob über dem Banner des Rechts . Nicht die Gerechtigkeit , eine unserem Denken undurchdringbare Notwendigkeit beherrscht die Geschicke der Menschen und der Völker . Aber den rechten Mann macht das nicht irre . Denn nicht was wir ertragen , erleben und erleiden - wie wir es tragen , das macht den Mann zum Helden . Ehrenvoller ist der Goten Untergang denn unser Sieg . Und diese Hand , die sein Banner herabriß , wird den Ruhm dieses Volkes aufzeichnen für die kommenden Geschlechter . Jedoch , wie immer dem sei : - da liegt das Reich der Goten . « Fünfundzwanzigstes Kapitel . Und so schien es . Auf das glücklichste war , dank den Maßregeln Prokops , der Streich gelungen . Im Augenblick , da auf dem Turme des Palastes die Fahne der Goten fiel und der König ergriffen ward , sahen sich die überraschten Goten überall im Schloßhof , in den Straßen und Lagunen der Stadt , im Lager von weit überlegenen Kräften umstellt : ein Rechen von Lanzen starrte ihnen überall entgegen : fast ausnahmslos legten die Betäubten die Waffen nieder : - die wenigen , welche Widerstand versuchten , - so die nächste Umgebung des Königs - , wurden niedergestoßen . Witichis selbst , Herzog Guntharis , Graf Wisand , Graf Markja und die mit ihnen gefangenen Großen des Heeres wurden in getrennten Gewahrsam gebracht , der König in den » Zwinger Theoderichs « : einen tiefen , starken Turm des Palastes selbst . Belisars Zug von dem Tore Stilichos nach dem Forum des Honorius wurde nicht gestört . Im Palast angelangt , berief er den Senat , die Decurionen der Stadt , und nahm sie in Eid und Pflicht für Kaiser Justinianus . Prokopius wurde mit den goldenen Schlüsseln von Neapolis , Rom und Ravenna nach Byzanz gesendet . Er sollte ausführlichen Bericht erstatten und für Belisar Verlängerung des Amtes erbitten bis zur demnächst zu erwartenden völligen Beruhigung Italiens und hierauf , wie nach dem Vandalenkrieg , die Ehre des Triumphes , unter Aufführung des gefangenen Königs der Goten im Hippodrom . Denn Belisar sah den Krieg für beendet an . Cethegus teilte beinah diesen Glauben . Doch fürchtete er in den Provinzen den Ausbruch gotischen Zornes über den geübten Verrat . Er sorgte daher dafür , daß über die Art des Falles der Stadt vorläufig keine Kunde durch die Tore drang : und er suchte eifrig im Geiste nach einem Mittel , den gefangenen König selbst als ein Werkzeug zur Dämpfung des etwa neu auflodernden Nationalgefühls zu verwerten . - Auch bewog er Belisar , Hildebad , der in der Richtung nach Tarvisium entkommen war , durch Acacius mit den persischen Reitern verfolgen zu lassen . Vergebens versuchte er , die Königin zu sprechen . Sie hatte sich seit jener Nacht der Schrecken noch immer nicht ganz erholt und ließ niemand vor . Auch die Nachricht von dem Falle der Stadt hatte sie mit dumpfem Schweigen hingenommen . Der Präfekt bestellte ihr eine Ehrenwache - um sich ihrer zu versichern . Denn er hatte noch große Pläne mit ihr vor . Dann