eine gar besondere Veranlassung war ' s denn auch gewesen , die den Hans zum ersten und letzten Mal in seinem Leben von den Penaten seines verfallenen Hauses und den Haiden und Mooren seiner Heimath weggeführt hatte in die weite Welt . Es war im December vor neun Jahren , - ich saß schon einen Monat in Untersuchungshaft - als Hans einen Brief erhielt , der ihn Jagdtasche und Flinte - er hatte eben auf die Jagd gewollt - bei Seite legen , den Schlitten anspannen und nach Fährdorf jagen ließ , um von dort über das Eis nach Uselin , und von Uselin Tag und Nacht zu fahren , bis er nach manchen Hindernissen - er hatte Neapel zuerst in der Türkei suchen zu müssen geglaubt , und war , nicht ohne einige Schwierigkeit , allmälig in die rechte Direction gekommen - nach drei oder vier Wochen glücklich in der genannten Stadt anlangte . Dort fragte er sich ebenfalls nicht ohne Mühe - der gute Hans sprach und verstand keine Sprache außer seinem ehrlichen Deutsch - nach einem Hotel , welches in dem Briefe angegeben war und fand sie , die er suchte . Nicht so , wie er sie zu finden erwartet hatte , wie er sie nach dem Briefe zu finden erwarten mußte ! Sie hatte sich eine Verrathene , eine Verlassene genannt , die auf ihn als ihre letzte Zuflucht , als ihren Retter aus der bittersten Noth und von einem gewissen Tode sehe . Hans hatte das natürlich Alles wörtlich genommen , und war jetzt einigermaßen erstaunt , sie in einem der üppigsten Hotels der Toledo-Straße in luxuriös ausgestatteten Zimmern , in prachtvollster Toilette zu finden , schöner als je , allerdings bei seinem Anblicke nicht wenig verlegen , und für einige Momente erbleichend . Sie hatte wohl gemeint , daß man ihrer Aufforderung nicht so unmittelbar nachkommen , oder sich doch wenigstens vorher anmelden würde , und in Folge dessen keine Vorbereitungen getroffen . So mußte sich denn eine deutsche Prinzessin , die sich in der That damals in Neapel aufhielt , ihrer angenommen , und durchaus darauf bestanden haben , daß die Tochter eines so alten und vornehmen Geschlechtes sich ihre Hülfe und Unterstützung gefallen lasse . Aber die Gunst so hoher Personen ist wetterwendisch und manchmal von Bedingungen abhängig , die für ein stolzes Herz schwer zu erfüllen sind . Die Prinzessin hatte als Preis ihrer Gunst gefordert , daß Konstanze einen gewissen jungen Baron , der , wie es schien , in der allerhöchsten Gunst der Frau Prinzessin selbst nur allzu hoch gestanden , auf der Stelle heirathe , und sie - Konstanze , war eine von denen , die wohl irren und schwer irren können , aber niemals gegen die Stimme ihres Herzens handeln würden ! Dieses Märchen hatte die schöne Circe dem treuherzigen Hans unter manchen Thränen und Seufzen und Erröthen und Lächeln und krampfhaftem Schluchzen erzählt , und er , der nicht den skeptischen Geist des erfindungsreichen Vielumgetriebenen besaß , hatte Alles auf ' s Wort geglaubt , und war in seine bescheidene Herberge zurückgekehrt , sinnend und grübelnd , was er nun thun könne , ihr zu helfen . Sie zu heirathen war ihm unmöglich . Ein Trantow konnte nie ein Mädchen , das nicht so keusch war , wie er tapfer , zur Frau nehmen , und wäre sie noch hundertmal schöner gewesen , und hätte er sie noch hundertmal mehr geliebt . Aber mit ihr theilen , was er hatte , und für sie sorgen , und sie beschützen und für sie thun , was ein Bruder in einem solchen Falle für eine unglückliche , geliebte Schwester zu thun vermag - - das konnte der Hans , und das wollte der Hans , und , um ihr diese Propositionen zu machen , begab er sich am andern Morgen wiederum zu ihr . Aber in der Nacht hatte sich Circe eines Andern besonnen , und ihren Palast verlassen , in Begleitung eben jenes jungen Barons , der freilich mit der genannten hohen Frau in keiner Verbindung irgend einer Art gestanden , dafür aber in desto intimerer zu dem jungen Fürsten Prora , und seitdem der Fürst vor vier Wochen , auf Befehl seines Vaters , Neapel verlassen , in mindestens eben so intimer zu Konstanze selbst , welche ihm als Aequivalent für eine namhafte Summe , die der Fürst an ihn im Spiel verloren , zugefallen war . Hans erfuhr dies und noch manches , was er nicht zu wissen wünschte , und wonach er gar nicht fragte , von einem deutschen Kellner , der sich zufällig in jenem Hotel befand , und , allem Anschein nach , einen , wenn auch nicht rühmlichen , so doch thätigen Antheil an der Intrigue genommen hatte . Da Hans nicht nach Neapel gekommen war , um auf der Toledo-Straße zu flaniren , oder sich nach Capri fahren zu lassen , oder den Vesuv zu besteigen , so schüttelte er den Staub von seinen Füßen und begab sich wieder auf die Heimfahrt . Aber der Gute , Getreue kam nicht weit . Die ganz ungewohnte Anstrengung einer so großen , in toller Hast zurückgelegten Reise , die Veränderung des Klimas und der Lebensweise , der feurige italienische Wein , den er seiner Gewohnheit nach in großen Quantitäten getrunken , und wohl mehr als das Alles : der tiefe Schmerz um diesen schnöden zweiten Verrath , der ja viel schlimmer war , als jener erste - es war dieser starken Natur doch zu viel gewesen , und eines Tages wurde von einem mitleidigen Vetturin an der Pforte eines Klosters in der Nähe von Rom ein Reisender abgeliefert , der unterwegs krank geworden war , und in der That bereits dem Tode verfallen schien . Nun , es war dem braven Hans nicht beschieden gewesen , in der engen Zelle eines römischen Mönchsklosters seine freie , brave Seele auszuhauchen ; er genas trotz der wenig rationellen Behandlung Fra Antonios , des