, auf welchen Aurel seine Reise nach Boberstein in Begleitung Bianca ' s festgesetzt hatte . Es war derselbe Tag , an dem Leberechts Haus im Gebirge von den Flammen verzehrt wurde . Zuvor hatte der Kapitän seinem Bruder freundlich geantwortet und ihm gemeldet , daß die jugendliche Bianca , eine seiner Dienerinnen , nach Boberstein abreisen werde , um sich Adrian vorzustellen . Bereitwillig setzte Adalbert den Fabrikherrn von seinen Bemühungen in Kenntniß und zeigte ihm den baldigst zu erwartenden Besuch an . Auf diesem Ausfluge begleitete nur Paul noch seinen gräflichen Freund . Sloboda war mit dem Maulwurffänger in dessen Heimath zurückgekehrt und Gilbert mußte zum Schutz der Damen auf dem Zeiselhofe bleiben . Paul wollte seine Schwester , Maja Simson , kennen lernen und ihr von der verstorbenen theuern Mutter , von seinen im Kampfe für Polens Freiheit gefallenen Brüdern erzählen . Und Aurel , der nunmehr ebenfalls in ein halbgeschwisterliches Verhältniß zu Paul getreten war , hatte die Absicht , den in Schmerz und Groll und Rachegedanken hinbrütenden Martell von dem bisherigen Schauplatz seiner Leiden zu entfernen und durch unmittelbaren Verkehr mit ihm , durch heitere , liebeathmende Umgebung mildernd auf ihn einzuwirken . Mit so löblichen Vorsätzen erreichten sie bei guter Zeit Dorf und See . Ueber beiden lag die schwere dunkle , langsam nach der Haide fortrollende Rauchwolke der Fabrik , ein Anblick für Bianca , der das nicht unempfindliche Mädchen gleichermaßen fesselte und erbeben machte . Die ungeheuern Gebäude auf dem Felsen im See , das bewegte Leben auf diesem selbst , der mit Hand- und Zugschlitten aller Art bedeckt war ; das dröhnende Rollen und Schwirren in der stillen Luft , das immer zitternd wie die ferne Stimme eines Erdbebens in der Luft schwebte ; das umfangreiche , ärmliche Dorf mit den geflickten oder mit alten Lumpen verstopften Fenstern , mit den schadhaften Dächern ohne Schornsteinen und dem ganzen Aeußern eines Anfenthaltes von unglücklichen Bettlern machte den tiefsten Eindruck auf Bianca . Ihre Augen schwammen in Thränen , als sie diese entsetzlichen Contraste erblickte - dort der unermeßliche Reichthum mit der Zwingburg , die ihn schaffte und täglich mehrte , und hier die namenloseste Armuth mit den unverkennbarsten Zeichen eingerissener moralischer Verwilderung . - Sie trat mit Aurel und Paul zuerst in die Hütte Martells , des gräflichen Spinners . Ein Schrei wäre beinahe ihren Lippen entschlüpft , als der immer finstere und meistentheils schweigsame Martell beim Eintritt des unerwarteten Besuchs von seinem Schemel sich erhob und die reich und modern gekleidete junge Dame begrüßte . Doch faßte sich Bianca eben so schnell und beseitigte die plötzliche Aufregung mit den leis geflüsterten Worten : » Gott sei Dank , er ist es nicht ! Aber welche Aehnlichkeit ! Welch interessante Züge ! « Aurel achtete nicht auf das erschrockene Mädchen , dasselbe der freundlich geschäftigen Lore überlassend . Bieder , offen , vertrauensvoll erfaßte er Martells beide Hände , küßte und umarmte ihn wie einen Bruder und hoffte gerade durch so ungeheucheltes Kundgeben seiner uneigennützigen wahren Bruderliebe den Unglücklichen seinem unheilvollen Grübeln zu entreißen und zu wohlthuenden Mittheilungen zu bewegen . Ebenso ließ es sich Paul angelegen sein , den finstern Spinner durch herzliches Fragen und Erkundigen mittheilsam zu machen . Leider aber mußten Beide erfahren , daß diesem jetzt versteinerten Herzen oder verstörten Gemüth auf keine Weise beizukommen sei ! Still , gelassen , ohne eine Miene zu verziehen , hörte der Spinner die Erzählungen seiner Blutsverwandten an , nur ein zitternder , wilder Händedruck sagte , daß er sie verstehe und ihnen danke . Der Schmerz Martells mußte entsetzlich sein ; nur ein so titanenhaft gebildeter Körper und eine so stolze und ungebändigte Seele , wie sie in diesem leidenschaftlichen Kopfe lebte , vermochten ihn zu ertragen . Mit eigenthümlichen Empfindungen , die ihr Herz hörbar klopfen machten , trat Bianca um die Mittagsstunde , von Paul begleitet , den Weg nach der Insel an . Adrian hatte sie um diese Zeit zu sprechen begehrt . Es beschlich sie eine unerklärliche Angst , je näher sie dem schwarzen Felsencoloß mit den weißschimmernden Fabrikgebäuden auf seinem Scheitel , kam , und fast reute es sie , eine Zusage gegeben zu haben , von der sie ja nicht wußte , ob sie dieselbe würde halten können . Auf der Insel angekommen , empfing sie Vollbrecht mit Herzlichkeit , doch konnte er einen leisen Seufzer nicht unterdrücken , als er das wirklich ungemein schöne Mädchen erblickte , und den Kopf mißbilligend schüttelnd , sagte er betrübt : » Solch Glück verdient der Mann nicht , und Sie , mein liebes Fräulein , Sie werden sich ewig Vorwürfe machen , wenn Sie sich , verführt durch seine bestechenden Redensarten , mit Banden an ihn fesseln lassen , die Sie nicht willkürlich lösen können ! Darum , mein Fräulein , empfehle ich Ihnen Vorsicht , Vorsicht in allen Dingen ! « Diese Worte konnten die Zuversicht Biancas nicht vermehren . Zagenden Schrittes , mit kurzem Athem und bleichem Antlitz folgte sie dem meldenden Diener , während Paul bei Vollbrecht zurückblieb . Bianca ward in das glänzende , nicht sehr große , aber mit desto größerem Comfort und im feinsten Geschmack ausmeublirte und decorirte Empfangszimmer geführt , das ein starkes wohlriechendes Arom durchzog , welches aus einer silbernen Pfanne auf dem Kamine in hellblauen Ringelsäulen emporstieg . Hier verabschiedete sich der Bediente mit der Bemerkung , daß Herr am Stein sogleich erscheinen werde . Bianca lehnte sich gegen einen runden , sehr geschmackvoll gearbeiteten Blumentisch , der das mittelste Fenster des Zimmers grade ausfüllte , und mit den schönsten Exemplaren seltenster ausländischer Gewächse ansprechend aufgeschmückt war . Zu beiden Seiten standen auf kleinen runden gußeisernen und bronzirten Gestellen andere wohlriechende Blumen , die das liebliche Duften ihrer Kelche mit dem kostbaren Rauchwerk vereinigten . Nach wenigen Minuten öffnete sich eine Seitenthür und Adrian trat ein . Er ging nachlässig vornehm in einem feinen , bequemen Rock von bronzefarbenem Tuch gekleidet , trug in der rechten Hand