Vorrecht eines alten Dieners gemißbraucht , indem ich mir die Freiheit genommen habe , diesem edeln Hause einen neuen Diener zuzuführen . Ich habe mich dieser hülflosen Waise angenommen und glaube ihn um so sicherer Ihrem Schutze empfehlen zu dürfen , als ich diesen selbst im Hause des alten Grafen Evremont fand , der mich als hülflosen Knaben bei sich aufnahm und mich zum Diener seines Sohnes , meines seligen Herrn , bestimmte . So , dachte ich , könnte nun dieser Knabe seinem Urenkel , dem kleinen Grafen , dienen , wozu ich ihn selbst noch anleiten kann , wenn Sie ihn Ihres Schutzes würdigen . Wen Sie , guter Dübois , sagte der Graf , für würdig Ihres Beistandes halten , der ist mir ein willkommener Hausgenosse , und es freut mich , wenn ich für Ihren Schützling etwas thun kann . Dieß arme Kind , sagte Dübois , hat bei seiner Geburt schon die Mutter verloren . Der Vater ist bei den Verfolgungen der Protestanten kürzlich umgekommen , und es wagte Niemand aus Furcht vor den Geistlichen , die im südlichen Frankreich ihr Wesen treiben und sich Missionäre nennen , sich des armen Kindes anzunehmen , das , den Ermahnungen seines sterbenden Vaters gehorchend , seinem Glauben treu bleiben und nicht zur katholischen Kirche übertreten wollte . Die Geistlichkeit dort wollte ihn mit Gewalt in ein Kloster bringen , um , wie sie sagten , seine Seele zu retten , und dieß wäre auch wirklich geschehen , wenn ich mich nicht zum Erstaunen aller dasigen Einwohner seiner angenommen hätte . Um mich und ihn den Verfolgungen zu entziehen , gegen die mich auch mein graues Haar nicht geschützt haben würde , beschleunigte ich unsere Abreise , denn mich hielt nichts mehr in Frankreich zurück . Alle , die mir durch die Bande des Blutes jemals angehört hatten , waren theils in der blutigen Revolution , theils in den furchtbaren Kriegen umgekommen , und Frankreich selbst ist durch die unglückliche Revolution so entstellt worden , daß es seinen alten liebenswürdigen Charakter nicht wieder gewinnen kann , und der König selbst will das Alte auf eine Weise , daß es gar nicht mehr das Alte wird . Doch Gott behüte mich davor , daß ich meinen rechtmäßigen König tadeln sollte . Aber an die Stelle der Irreligiosität , die während der Revolution mein Herz erschreckte , soll nun eine Religionsunduldsamkeit treten , von der ich nicht glaube , daß sie Gott gefällig sein kann . Ich hoffe , fuhr der alte Mann mit Wärme fort , als ein ächter Katholik zu sterben , aber ich habe so viel Tugend bei Andersglaubenden gefunden , daß ich nicht befürchten kann , Gott werde sie verstoßen , wenn sie auch in manchen Punkten irren sollten , und deßhalb kann ihm die Verfolgung nicht wohlgefällig sein . Der Graf lobte die milde Frömmigkeit des alten Mannes und versprach für das Fortkommen des mitgebrachten Knaben zu sorgen . Als Dübois sein Zimmer betrat , rührte es ihn von Neuem , hier Alles in der Ordnung zu finden , wie er es verlassen hatte , als wenn seine Rückkehr täglich wäre erwartet worden , und als er sich von der Reise etwas erholt hatte , mußte er dem Dringen Adalberts nachgeben und die für ihn mitgebrachten Geschenke auspacken . Sehen Sie , sagte der alte Mann bei jedem Stück , das er dem neugierig zuschauenden Kinde vorzeigte , dieß ist französisches Spielzeug , dieß sind französische Farben , hier sind französische Bilderbücher , dieß sind französische Confituren , und als alle Herrlichkeiten vorgezeigt waren , deutete er auf den fremden Knaben , der bei dem Auspacken geholfen hatte , und sagte : Und dieß ist Ihr französischer Kammerdiener . Der große Nachdruck , den der Alte auf das Französische legte , bewirkte , daß Adalbert seine großen Augen mit einer Art von Ehrfurcht auf den so Bezeichneten richtete , die sich jedoch bald verlor , als der Angekommene sein Schulgenosse , sein Spielgefährte und sein Aufwärter zugleich wurde , und in keinem dieser Verhältnisse die Achtung aus den Augen setzte , die dem jungen Grafen gebührte , eine Sache , worauf Dübois streng hielt , denn er behauptete , das künftige Glück seines Zöglings beruhe darauf , daß er seine Herrschaft mit einem religiösen Gefühl verehre , denn alsdann würde es ihm nicht möglich sein , seine Pflichten anders als mit Ergebenheit und strenger Rechtlichkeit zu erfüllen , und wie sehr eine edle Herrschaft dieß anerkenne , lehre sein eignes Beispiel . Dübois hatte den heftigen Wunsch befriedigen wollen , sein altes , geliebtes Frankreich wiederzusehen , was vielleicht nie so da gewesen war , wie seine liebende Sehnsucht in der Ferne es sich gedacht hatte , und kehrte , in seiner Erwartung getäuscht , zu seinen wohlwollenden Freunden zurück , die er seine Gebieter nannte . Aber das Frankreich seiner Einbildung hegte er immer noch mit gleicher Liebe in seiner Seele und hoffte mit Zuversicht , daß es als höchste Vollendung menschlicher Einrichtungen sichtbar auf Erden erscheinen würde , wenn die Gemüther sich nur erst völlig von den Erschütterungen erholt haben würden , die die vielen Veränderungen veranlaßt hätten . Der Graf bestätigte seine Meinung in so weit , daß er die Ansicht aussprach , es sei unmöglich , daß so viel Blut vergeblich geflossen sei , und daß nicht endlich die Früchte aller gebrachten Opfer die Welt mit ihrem Segen erfreuen sollten . So ging das Leben nun einen gleichmäßigen und stillen Gang fort . Dübois machte es zu seiner Hauptbeschäftigung , Adalbert zu vergnügen und dabei für die Reinheit seiner Aussprache des Französischen zu wachen . Es erfreute ihn , daß Evremont französisches Obst pflanzte , und sein Auge entzückte jede seltene Pflanze , die der Graf aus Frankreich erhielt , weil sie ja früher in dem geliebten vaterländischen Boden gewurzelt hatte . Die Freunde scherzten jetzt zuweilen über die sonderbare Richtung , die der Charakter des alten Mannes nahm , denn