, sonder Verschulden in ' s Elend gerathene Mädchen in diesem stillen Hause verborgen zu halten vor Jedermann , - die Mutter selbst nicht ausgenommen , - weil die Jungfrau hier noch keine Christin ist , sondern sich erst vorbereiten will , zum heiligen Bunde zu treten ? Eine kurze Frist nur , - dann sorge ich ferner für Esther ' s Geschick ; ... den alten Mann dort wenn er ihr verschwiegener Hüter seyn wollte , würde ich lohnen , wie ein Fürst nur kann , und ewig dankbar seyn , mein Fräulein . « Es wallte sich in Reginens Busen die Begierde auf , dem bewunderten jungen Manne einen Dienst zu leisten , und es schmeichelte nicht wenig ihrer kleinen Eitelkeit , hier , ganz im Stillen , eine Handlung der Oberherrschaft auszuüben . Ihr Auge verweilte indessen forschend und ernst auf Esther ' s Angesichte , und je reizender ihr dieses vorkam , je deutlicher wurde ihr ein geheimer Widerwille , der in ihr aufstieg , und ihr widerrathen wollte , sich der allzuschönen Fremden anzunehmen . Ihre Haltung wurde dadurch gemessener . Der schlanke Leib , sonst in Geberden und Bewegung zwanglos frei sich regend , nahm die Stellung einer prüfenden , mißbilligenden Herrin an , und ihr Blick wandte sich halb verlegen gegen Ammon , in dessen Gesichte sie indessen zu ihrer Verwunderung keine finstre Verwirrung , sondern eine wohlgefällige , seltne Heiterkeit wahrnahm . - » Sprecht doch mein Urtheil , « sagte hierauf . Dagobert schmeichelnd , und führte Esther dem Fräulein entgegen : » Seht , holdes Fräulein , dieses seltne Geschöpf , und gesteht , daß selbst unter dieser niedern Hülle eine Blüthe verborgen ist , die mit den Schönsten Eures stilles Reichs den Wettstreit beginnen kann , ... Eure Majestät , wie sich ' s gebührt , ausgenommen . « - Das Fräulein mußte über diese scherzhafte Schmeichelei lächeln , und schon ließ ihre angeborne Fröhlichkeit die Larve der gezwungenen Bedenklichkeit sinken . - Esther , die es deutlicher fühlte , was in dem Busen Regineus , der kaum entwickelten Jungfrau , vorging , schwieg , ergeben in ihr Schicksal , und senkte erwartungsvoll die schöne Wimper über das schönre Auge . - Regina , zweifelnd , zögernd , nachgebend und dennoch widerstrebend , ließ sich in abgebrochenen Worten vernehmen . Sie äußerte , es falle ihr schwer , vor ihrer lieben Mutter ein Geheimniß zu haben , ob sie gleich im selben Augenblicke zugab , es sey nichts leichteres , als das Geheimniß zu bewahren , weil die Frau von Dürning nimmer diesen Platz besuche . Aber ihre Bedenklichkeiten beschränkten sich endlich darauf , daß sie nicht wisse , ob es nicht eine Sünde sey , eine Jüdin heimlich zu hegen , und ob Ammon sich bewegen lassen würde , die Ungläubige in seinem Hause aufzunehmen . Dagobert bekämpfte den ersten Theil dieses Vorwandes mit der Betheuerung , Esther verlange nichts Sehnlicheres , als eine Christin zu werden , und Ammon stellte seinerseits Reginen völlig sicher . » Mir ist gleich , « sprach er , ob ' s ein Türke , ein Heide , oder ein Jude ist , der unter meinem Dache haußt , so Ihr ' s befehlt , mein Fräulein . Gott ist überall , und - getauft oder nicht getauft , - Gottes Sonne bescheint uns überall , und dem Heiden wachsen so gut seine Saaten , als dem Christen ; und des Christen Feld zerschlägt der Hagel eben so gut , als des Ungläubigen Korn . Sagt , ob Ihr wollt , Fräulein , und mehr bedarf es nicht . - Und da Regine einen neuen , wohlwollendern Blick auf die schöne Fremde warf , und sich nicht verhehlen konnte , daß sie eben so schön sey , und rein in ihren Zügen , als wie das kunstreiche Marienbild im Edelhofe ; - als endlich Esther ihre Augen aufschloß , das Fräulein in den ganzen Zauber dieser Paradiesessterne sehen ließ , und mit der schmelzend weichen Stimme , der nichts widerstehen konnte , die Worte sprach : » Verstoßt mich nicht , gute , edle Jungfrau , und vergelten wird ' s Euch der hochgepriesne Gott , und meines Vaters Segen , und meines edeln Freundes Dankbarkeit ! « - Da hätte Regina nicht das gefühlvolle , reine Mädchen seyn müssen , um nicht einzuwilligen von Herzen . - So wohnte denn nun , von jenem Augenblicke an , Esther in der Hütte des Forsts zu Dürningen , und der alte Ammon sorgte für ihre Bedürfnisse , so gut als er es vermochte , denn er war geschmeidig geworden durch die Erinnerung , durch diesen Zauber , der den Menschen durch das Leben geleitet , und im Greise stärker wirkt , als im Jüngling selbst , weil sein Daseyn blos nur in der Vergangenheit liegt . Auch der wilde Falkenjäger hatte einst geliebt , da sein Scheitel noch umwallt war von braunen Locken , und seine Jugend in der schönsten Blüthe stand ; und diese Liebe war ein Maurisches Mädchen gewesen , herstammend aus glühender Zone , und ähnlich den Zügen Esther ' s. Seit vierzig Jahren war diese Dirne aus den Lebenden geschieden , von gäher Krankheit dahingerafft , in einer Zeit , wo Ammon seiner Väter Glauben willig hingeworfen hätte , um das schöne Kleinod sein zu nennen . Seit vierzig Jahren feierte Ammon alljährlich des Mädchens Todestag , und nun , da Kida ' s Bild merklich schon abgebleicht worden war in der Kammer seines Gedächtnisses , - nun war sie gleich wie auf ' s Neue lebendig geworden in der reizenden Esther , zu ihm getreten in seine Wildniß , - ein freundlicher Engel , ein Trost für seine leere Brust . Darum hatte er auch dem Mädchen die einzige Stube des Hauses eingeräumt , und sich auf den Speicher gebettet : darum hatte er , rund um die Hütte , neue , gefährliche Fallen und Gruben angelegt ,