, scheint es zwar eine andre Bewandtniß zu haben : aber » was ist denn am Ende das Olynth , das wie ein Pilz seit gestern aus dem Boden auftauchte , gegen die uralte , weltberühmte , von Pallas und Poseidon und allen andern Göttern begünstigte Athenä ? und was werden diese Chalcidier gegen die Abkömmlinge der unüberwindlichen Männer von Marathon und Salamis ausrichten ? Lass ' sie sich doch vergrößern und ausbreiten so gut sie können , sie arbeiten doch nur für uns ! Wir können der Zeitigung dieser schönen saftreichen Frucht ruhig zusehen , sicher daß wir sie pflücken werden , sobald sie uns reif genug zu seyn dünken wird . « - So , mein Freund , denkt und spricht man in Athen , und sieht daher mit der größten Gleichgültigkeit den Anstalten zu , welche die herrschlustigen Spartaner , als Vollzieher und Schirmherren des Friedens des Antalcidas , zu machen im Begriff sind , um etliche kleine , von ihnen selbst aufgehetzte Städte gegen die Olynthier in Schutz zu nehmen , und sich mit diesen in eine Fehde einzulassen , » von welcher wir , wie sie auch ausfallen mag , immer den Vortheil haben werden im Trüben zu fischen , und uns um so leichter wieder zu Herren des Meers zu machen , da , allem Ansehen nach , entweder Sparta oder Olynth in den Fall kommen wird , unsern Beistand suchen zu müssen . « Diese eben so unkluge als unedle Art von Politik ist nun einmal unter uns Griechen herrschend geworden , und wird ( wie du sehr richtig voraussiehst ) über lang oder kurz den Verlust unsrer Freiheit zur Folge haben . Ein Staat , der von seiner Unabhängigkeit keinen weisern Gebrauch macht als wir , und es immer nur darauf anlegt , alles rings um sich her zu unterdrücken und seiner Willkür zu unterwerfen , ist eben so unfähig als unwürdig seine eigene Freiheit zu behaupten , und bereitet thörichter Weise die Fesseln sich selbst , die er unaufhörlich für alle andern schmiedet . Aber wie weit sind wir Athener noch entfernt , uns eine solche Katastrophe der ewigen Tragödie , die wir in Griechenland spielen , träumen zu lassen ? Wir sehen mit hämischer Schadenfreude zu , wie das stolze , gewaltthätige und unersättliche Sparta sich allen Griechen täglich verhaßter und unerträglicher macht , und kein warnender Dämon flüstert uns zu , daß die Spartaner nichts thun , als was wir selbst an ihrer Stelle so lange gethan haben und mit Freuden wieder thun werden , sobald das Uebergewicht wieder auf unsrer Seite seyn wird . Wie hoch haben die Stifter von Cyrene sich um ihre Nachkommen verdient gemacht , da sie euch jenseits des libyschen Meeres , unter dem heitersten Himmel und auf dem fruchtbarsten Boden , eine so schöne und sichere Freistätte bereiteten ; weit genug von der stürmischen Hellas entfernt , um weder mit Gewalt in den Wirbel unsrer Händel hinein gerissen zu werden , noch in Versuchung zu gerathen , euch freiwillig darein zu mischen . Wohl euch bei eurer goldnen Mittelmäßigkeit ! Cyrene wird vermuthlich niemals eine bedeutende Rolle in der Geschichte spielen ; aber in Hinsicht auf Glückseligkeit ist es mit Völkern und Staaten wie mit einzelnen Menschen : man wird immer unter denen , die sich still und unbekannt durchs Leben schleichen , mehr glückliche finden , als unter denen , die am meisten Aufsehen , Geräusch und Staub um sich her machen . 3. Aristipp an Eurybates . Der schöne Lysanias hat sich durch sein sittsames , anmuthiges und gefälliges Wesen bereits nicht weniger Freunde in Cyrene erworben als Personen sind , mit welchen er bekannt zu werden Gelegenheit hatte . An einem jungen Cekropiden sind dieß so seltene Tugenden , daß man beinahe , wo nicht an seiner Attischen Autochthonie , wenigstens an seiner Erziehung in Athen zweifeln müßte , wenn er nicht von so vielen andern Seiten eine Bildung zeigte , die man in seinem Alter nur zu Athen erhalten haben kann . Mit Einem Worte , Freund Eurybates , die Grazien haben ihm bei seiner Geburt zugelächelt und ihn mit der Gabe zu gefallen beschenkt , der köstlichsten aller Göttergaben , die ihrem Besitzer in allen Verhältnissen des Lebens unzählige Vortheile bringt , und nur dann gefährlich wird , wenn er sich selbst zu sehr gefällt . Bis itzt scheint unser junger Freund von dieser Untugend völlig frei zu seyn ; nichts an ihm verräth daß er sich seiner Liebenswürdigkeit bewußt sey ; im Gegentheil beweiset die Art , wie er das Wohlgefallen , so wir alle an ihm haben , aufnimmt , daß er , weit entfernt es für einen schuldigen Tribut zu halten , uns vielmehr dafür , als für eine ganz freiwillige Aeußerung unserer Gutherzigkeit und Wohlmeinung mit ihm , verbunden zu seyn glaubt . Daß er in dieser schönen Unbefangenheit erhalten , und weder durch zu vieles Liebkosen verzärtelt , noch durch Schmeichelei eitel und einbildisch gemacht werde , soll eine der angelegensten Sorgen aller derer seyn , denen du dieses edle Gewächs zu pflegen anvertraut hast . Wir fühlen den ganzen Werth deines Zutrauens , und werden uns beeifern es zu rechtfertigen . Inzwischen vereinigen sich Musarion und Kleone mit Kleonidas und mir , der schönen Droso zu danken , daß sie unsern Freund Eurybates mit einem so liebenswürdigen Erben beschenkt hat , und bitten sie versichert zu seyn , daß es nicht an ihrem guten Willen liegen soll , wenn er seine geliebte Mutter in Cyrene nicht doppelt wieder gefunden zu haben glauben wird . Du siehest ohne mein Erinnern , daß sechzehn Jahre das Alter nicht sind , wo das Landleben für einen in Athen aufgewachsenen Abkömmling von Kodrus einen überwiegenden Reiz haben könnte . Es wird aber auch zu deiner Absicht genug seyn , wenn er nur , durch öftere Abwechslung des städtischen Lebens mit dem ländlichen , das Nützliche sowohl als das Angenehme des letztern immer besser kennen und schätzen