die groß und mächtig sind und in entfernten Wäldern oder gar in Wüsten wohnen . Alfred liebte das Walten und das Tun der Vögel sehr , besonders ihren Gesang . Er freute sich , aus dem Fluge einen Vogel zu erraten , und wenn die Stimmen in dem Gebüsche oder im Walde ertönten , konnte er alle die Sänger herzählen , von denen sie strömten . Er lehrte dies ein wenig auch Mathilden , und fragte sie bei manchem Laute , woher er rühre . Ich hatte die Vorschriften der Mutter nie überschritten , und Mathilde gewann an Schönheit des Aussehens und an Gesundheit durch diese Spaziergänge . So wie die Mutter im Sommer und Herbste sie mit uns hatte herum gehen lassen , so ließ sie sie jetzt mit uns fahren . Sie saß zwei Tage uns gegenüber . Es war am Morgen und Abende noch ziemlich kühl . Ich hatte einen Mantel , und Alfred war in einen warmen Überrock geknöpft . Mathilde hatte über ihr dunkles Wollkleid , aus dem nicht einmal die Spitzen ihrer Schuhe hervorsahen , ein Mäntelchen , das ihren ganzen Oberkörper bis an das Kinn verhüllte , auf dem Haupte hatte sie einen warmen , wohlgefütterten Hut , dessen weite Flügel sich wohl anschmiegten , so daß nichts als beinahe nur die Wangen , welche in der Märzluft noch röter geworden waren , und die glänzenden Augen hervorsahen . Wir beredeten , was wir in dem nächsten Sommer vornehmen wollten . Der Hauptinhalt unserer Gespräche aber war , daß alles , was uns auf unserem Wege oder in dessen Nähe begegnete , bemerkt wurde , daß wir es nannten und darüber sprachen . So kamen wir endlich bei heiterem und klarem Märzwetter in Heinbach an . Die Bäume vor den Fenstern hatten noch kein Laub , der Garten war öde , und die Felder waren noch nicht grün , außer dort , wo sie die Wintersaaten trugen . Obwohl es draußen sehr unwirtlich war , wenn man den äußerst freundlichen blauen Himmel abrechnet , so war es in dem Hause sehr heimisch . Alles war auf das reinlichste geputzt und zu dem Empfange der Bewohner hergerichtet . Die Zimmer glänzten , die Fenster spiegelten , durch die Vorhänge schien eine helle Märzsonne herein , und in den Kaminen brannte ein behagliches Feuer . Meine zwei Gemächer waren um ein sehr liebliches Eckzimmerchen vermehrt worden , und man hatte mir schönere und bequemere Geräte in meine Wohnung gestellt . Ich traf jetzt die Veranstaltung , daß die Tür von meiner Wohnung in Alfreds Zimmer immer offen war , daß beide Wohnungen eine bildeten , und daß ich gleichsam neben einem jüngeren Bruder lebte . Hatte ich eine Arbeit vor , bei der eine Störung hindernd gewesen wäre , so ging ich in mein Eckzimmer . Das Leben in dem Landhause begann jetzt wieder wie in dem vorigen Sommer . Wenn auch noch kein Laub auf den Bäumen war , wenn sich das Grün der Wiesen noch dürftig zeigte , und auf den Feldern für die Sommerfrucht noch die nackte Scholle lag , so gingen wir doch schon vielfach spazieren . Alfred und ich gingen täglich , selbst wenn trübes Wetter war , nur nicht , wenn heftiger Regen von dem Himmel strömte . Wenn nach einem klaren Morgen , an dem wir noch die Erde und die Dächer weiß gesehen hatten , ein heiterer Tag kam und die Wege trocken waren , ging Mathilde mit uns , und wir führten sie auf Anhöhen oder Felder , wo wir kurz vorher die schönsten Triller der Lerchen gehört hatten . Diese Sänger waren die einzigen , die mit uns schon die Gegend bevölkerten . Nach und nach wurde das Weiß auf Feld und Wiesen seltener , die Sonne schien kräftiger , das Feuer in den Kaminen war nicht mehr nötig , die Wiesen gewannen Grün , die Bäume Knospen , und an den Zweigen der Lattenpfirsiche im Garten erschienen einzelne Blüten . Die Sänger der Luft erschienen in verschiedenen Gestalten und Farben . Wenn ich irgendwo Veilchen oder andere Frühlingsblumen fand , welche Mathilde nicht mit uns hatte pflücken können , so brachte ich sie ihr in einem Strauße für das Blumenglas ihres Tischchens nach Hause . Als Dank für solche Aufmerksamkeiten erhielt ich zu meinem Geburtsfeste , welches in die ersten Tage des Frühlings fiel , von ihrer Hand gestickt ein rundes Deckchen , worauf ein silberner Handleuchter , den mir Mathildens Mutter gab , zu stehen bestimmt war . Der Frühling war endlich mit voller Pracht gekommen . Im vergangenen Jahre hatte ich ihn in dieser Gegend nicht gesehen , weil ich erst später angelangt war . Überhaupt hatte ich meines längern Stadtlebens willen schon lange nicht einen vollkommenen Frühling in der Tiefe des Landes erblickt . Nur an der Grenze des Landes , das heißt , wo es an die Stadt reicht , hatte ich den einen oder andern Frühlingstag zugebracht , oder irgend einen Sonnenblick erlauscht . Das teilt man aber mit vielen , die aus der Stadt hinaus kommen , und muß es im Gedränge und Staube genießen . In Heinbach war Einsamkeit und Stille , die blaue Luft schien unermeßlich , und die Blütenfülle wollte die Bäume erdrücken . Jeden Morgen strömte neue Würze durch die geöffneten Fenster . Man fühlte in Heinbach , wie sehr mich Ungewohnten dieser Reichtum überrasche und freue , und man suchte mir diese Freude auf jede Weise noch fühlbarer zu machen und sie zu erhöhen . Jeden Tag wurden die Blumen in meiner Wohnung durch neu aufgeblühte aus den Gewächshäusern ersetzt . Wenn in dem freien Grunde sich etwas zeigte , sei es ein Gesträuch , sei es eine Blume , so machte man mich darauf aufmerksam , man brachte den größten Teil der Zeit im Freien zu und machte weit öfter und weit längere Spaziergänge als sonst . Mathilde erzählte mir es , wenn sie den Gesang eines Vogels gehört hatte , wenn