großen , feurigen Augen glänzten feucht und blickten so ernst , daß man hier kaum das gaukelnde Kind des Tages wieder erkannt hätte . Da flog plötzlich eine Rose so gut gezielt und so geschickt hinein , daß sie Margot wider Willen in der Hand behielt . » Leonce ! « rief sie unwillkürlich ; denn - waren ihre Gedanken mit ihm beschäftigt gewesen - war ihr diese Art , sich anzukündigen , bekannt - genug , sie zweifelte nicht , wer es sei . » Nun Sie mich erkannt , dürfen Sie weder nach Hülfe rufen , noch vor Schreck in Ohnmacht fallen , « sagte er leise - » sondern Sie müssen mir Erlaubniß geben , hinter der Hollunderwand hervorzukommen und mit Ihnen von Herzen zu reden . « » Das werde ich nicht thun , « rief Margot , ohne sich vom Fenster zu rühren - » ich werde Ihr unschickliches Verfahren nicht aufmuntern . « » Gut , « sagte Leonce - » so will ich Ihnen die Verantwortung ersparen ! « und in demselben Augenblicke saß er vor ihr in der andern Ecke des Fensters , das er von Außen mit einem Satze erreicht hatte . » Jetzt , « sagte er , lachend die Arme in einander schränkend - » kann unsere Gouvernante die Distancen messen und wird Alles in bester Ordnung erklären müssen . « Margot senkte den Kopf , um ihr Lächeln zu verbergen . Sie hatte weder zum Billigen , noch Mißbilligen das Herz . » Und nun , « fuhr er fort - » theure , liebe Margot , die Masken vom Gesichte ! Nein , wenden Sie sich nicht von mir weg ! Denken Sie , daß ich diesen tollen Streich , aus meinem Fenster zu steigen , um das Ihrige zu erreichen , gewagt hätte , wenn mir der Gedanke Ruhe gelassen hätte , daß ein Mißverständniß zwischen uns treten könnte ? Sagen Sie mir , theure Liebe , erkennen Sie mein Herz ? Sind wir uns Beide verständlich geblieben - und vertrauen Sie meiner treuen Liebe ? « Margot schwieg einen Augenblick - dann fuhr sie rasch empor . Beide kleine Hände streckte sie nach ihm aus und rief so innig und zärtlich , wie sie vermochte : » Nein , nein , guter , lieber , edler Leonce , ich verkenne Sie nicht ! Mein Herz begreift Ihre Absichten und - lassen Sie es mich gestehen - mit den sichersten Hoffnungen für meine glückliche Zukunft ! « In demselben Augenblicke sprang Leonce auf , und ehe sich Margot besinnen konnte , umschlang er sie und gab ihr einen herzlichen Kuß . » Ungeheuer ! « schrie Margot , außer sich vor Schreck ; aber schon saß er ihr in der größten ruhe gegenüber . » Sie haben Nichts mehr von mir zu fürchten , « sagte er - » aber Ihr allerliebstes Geständniß machte mich zu glücklich ! « » Nun , hören Sie weiter ! - - Hören Sie nur , « rief Margot , zitternd vor Schreck - » man hat uns belauscht - wir sind verrathen ! « Auch Leonce hatte auf dem Altan über ihrem Fenster die Thüren öffnen hören und erinnerte sich , daß hier die Zimmer von Mademoiselle de la Beaume waren . » Still ! « sagte er leise - » sein Sie ganz still - wir werden durch die Geisterfurcht der alten Dame gerettet werden ! « » Ach , Euer Gnaden , « rief eine zitternde Stimme - » wagen Sie sich nicht so dreist - Sie haben es selbst gehört - es ist nur zu gewiß , nicht hier draußen war das Geräusch - hier innen , hinter dem großen Bilde - ach , mein Gott , lassen Sie mich die anderen Herrschaften wecken , daß sie uns zu Hülfe kommen ! « » Schweig ' , Thörin , « erwiederte Mademoiselle de la Beaume ; - » hier von Außen kam das Geräusch ! Ich habe nicht durch tolle Furcht mein Gehör verloren . « » Ach , so sei Gott Euer Gnaden gnädig ! - Nicht einmal den Rosenkranz haben Sie am Arme - nun so soll der meinige Euer Gnaden schützen ! « - Jetzt hörte man eine Stimme , wahrscheinlich den Rosenkranz murmeln . Mademoiselle de la Beaume stand indessen auf dem Altan - eine stille , horchende Beobachterin ; - und die jungen Leute kauerten unten so eingeschüchtert , daß sie ihren Athem zu fürchten schienen . » Es ist gewiß , daß von Außen und zwar unter diesem Balkon das Geräusch sich hören ließ , « hob jetzt Mademoiselle de la Beaume mit einer sehr lauten und ernsten Stimme an . » Aber ich sehe ein , daß ich nicht berufen bin , diesem Geheimnisse nachzuspüren ; nur das Eine mag man sich nicht einbilden , daß man mich durch Gespensterfurcht von der Wahrheit ablenken kann ; - kein überirdisches , sondern ein sehr irdisches Geräusch von Menschen drang an mein Ohr . Komm ' , « fuhr sie , wahrscheinlich gegen ihre betende Kammerfrau , fort - » ich bin dieser Scene überdrüssig ! « Die Thüren fielen zu . Beide junge Leute athmeten auf ; Margot brach jedoch in Thränen aus und rang die Hände . » Ich bin verloren , « rief sie - » es ist klar , daß sie dort oben Alles gesehen und gehört hat - ihre Strafrede war an mich gerichtet ! - O , wie unglücklich bin ich durch Ihren unbesonnenen Streich ! « » Fassen Sie sich , Margot ! « rief Leonce , besorgt und bekümmert über den Schmerz des guten Kindes . - » Ich schwöre Ihnen bei meiner Ehre , daß Ihr Ruf darunter nicht leiden soll ! Ich weiß , daß Mademoiselle de la Beaume ein edles , gütiges Wesen ist ; ich eile morgen , ehe wir uns versammeln , zu ihr , und entdecke ihr