den Obristen ; wir wollen uns ohne Zwang der vergangenen Tage erinnern . Er reichte ihm hierauf eine Karte mit seiner Adresse und sagte : Ich verlasse mich darauf , daß Sie kommen . Verwirrt verbeugte sich Francesko und nahm so die unerwartete Einladung an . Bei der Tafel konnte der General leicht das Gespräch auf die vielen Veränderungen , die jetzt in allen Zweigen der Staatsverwaltung vorfielen , wenden , und mit Geschicklichkeit erforschte er , wohin sich die Wünsche seines Gastes richteten , und sagte endlich : Ich zweifle gar nicht , daß ich Ihnen eine solche Anstellung werde verschaffen können . Nach der Tafel führte er ihn in sein Kabinet und zwang ihm eine Summe Geldes auf , die die ersten Einsichtungen erfordern würden und die er ihm in späteren Zeiten wiedererstatten könne . Mit freundlicher Gewalt setzte der General dieß durch und duldete weder Ablehnen , noch Widerspruch . Was ist es denn Großes , sagte er , ein verabschiedeter Krieger steht dem andern bei , das ist in der Ordnung . Als Beide in den Saal zurückkehrten , wo sie Evremont gelassen hatten , trat Lamberti zu diesem , der sich an ein Fenster lehnte , und sagte : Ich verdanke Dir auch dieß alles , ich weiß es wohl , der General ist zwanzig Mal an mir vorüber gegangen und hat mich nicht erkannt . Ich weiß wohl , Wer nun die Erinnerung an mich in ihm aufgefrischt hat , und ich ahne , was für einen Zusammenhang es mit seiner Freigebigkeit hat ; aber ich habe Deine Vergebung empfangen , Deine Hand hat in der meinen geruht , Du hast mich mit mir selbst versöhnt und mehr als ein Herz vom bittersten Schmerze erlöst . Nach allen diesen größten Wohlthaten , die ein Mensch dem andern erweisen kann , wie sollte ich nun nicht noch die kleinere auch von Dir empfangen können ? Mit sich selbst zufrieden verließ Evremont die Wohnung des Generals , und er hatte die Beruhigung , noch ehe er Paris verlassen konnte , zu erfahren , daß es dem alten Freunde seines Vaters in der That leicht geworden sei , sein Wort zu erfüllen , denn er hatte Lamberti in wenigen Tagen eine Anstellung verschafft , die ihn mit seiner Familie an die spanische Grenze führte und ihm dort ein anständiges Einkommen sicherte , und da sein Gemüth , von den Schmerzen der Reue geheilt , zum Frieden des Lebens zurückkehrte , so erfuhr Evremont später , daß die ihm so innig ergebene Lucretia ihr Schicksal noch fester mit dem seinen verbunden und ihm nach langer Treue ihre Hand vor dem Altar gereicht hatte . Endlich war auch Evremonts Geschäft in Paris geendigt . Er hatte seinen Abschied erhalten und eilte mit liebevollem Herzen über den Rhein in die Arme seiner ihn sehnsüchtig erwartenden Freunde zurück . XVI Mit der höchsten Freude wurde Evremont von seiner Familie begrüßt , die ihn nun erst ganz als den ihrigen betrachtete , da seine Verbindung mit Frankreich aufgelöst war , indeß er selbst über diesen Grund der Freude seufzte , denn ihn schmerzte es , daß er Frankreich nicht mehr sein Vaterland nennen sollte ; doch ging diese Trauer unter den schönsten Empfindungen des Glücks im Kreise der Seinen bald vorüber , und der Strom des Lebens schien nun einen ruhigen Gang zwischen blumigen Ufern nehmen zu wollen und nicht mehr über wilde Klippen zu schäumen . Die Stunden theilten sich zwischen Beschäftigungen und Vergnügungen ; Pläne zu kleinen Reisen wurden entworfen , so wie zur Verschönerung der Umgebung , und man gedachte bei diesen friedlichen Beschäftigungen oft des alten Dübois , dessen eigensinnige Entfernung die ganze Familie beklagte . Es sollten nach den Verschönerungsplänen , die der Graf und Evremont entworfen hatten , auf dem großen Hofe , der nach der Straße zu gewendet vor dem Eingange des Hauses lag , große Pflanzungen von Bäumen , blühenden Sträuchern und Blumen angelegt werden , zwischen denen hindurch ein Weg für die Wagen frei gelassen werden sollte , so daß dieser Hof künftig zur Zierde des Hauses dienen könnte , und die ganze Familie war auf demselben versammelt , wo der Graf und Evremont eben nach ihrem Plane die verschiedenen Plätze ihrer Bestimmung gemäß abstecken ließen . Man hatte mit Theilnahme dieser Arbeit zugesehen , bis ein auf den Hof rollender Wagen die Aufmerksamkeit Aller auf den Ankommenden lenkte . Die leichte von zwei Postpferden gezogene Equipage hielt vor dem Eingange des Hauses , und hinaus schauten unter weißen Augenbrauen die freundlichen Augen Dübois . Ein allgemeiner Ausruf der Freude bewillkommnete den zurückkehrenden Greis . Aller Hände streckten sich ihm entgegen und auch die Bedienten eilten , die Theilnahme ihrer Herrschaft nachahmend , herbei ; doch Evremont drängte sie zurück und er selbst bot dem Greise die Hand zur Stütze , der mühsam aus dem Wagen stieg , sich entzückt in dem freudigen Kreise umschaute und dann sagte : Hier ist mein Frankreich , ich habe es jenseits des Rheins nicht gefunden . Wie im Triumph wurde der alte Mann in ' s Haus geführt und er konnte seine Rührung nicht bewältigen , als Adalbert an seinem Halse hing , die von Alter gebleichten und gefurchten Wangen mit den frischen Rosenlippen zärtlich küßte , und sagte : Endlich habe ich Dich alten Papa Dübois wieder , nun darfst Du nicht wieder fort , und ich hoffe , Du hast mir schöne Sachen aus Deinem Frankreich mitgebracht . Ja wohl habe ich das , sagte der Alte , die Thränen von den grauen Wimpern trocknend , das wollen wir alles nachher auspacken . Man bemerkte jetzt erst einen zehn- bis zwölfjährigen Knaben , der dem alten Dübois gefolgt war und nun , verlegen an der Thür stehend , mit den großen schwarzen Augen im Saale umher blickte . Dübois erinnerte sich jetzt auch seiner . Er machte sich von Adalbert los , näherte sich ehrerbietig dem Grafen und sagte : Ich habe vielleicht das