sein Haus geführt , und ihm die Zahl der Rehe angegeben , als sein Stündlein schlug . Ammon schwur dem unbekannten Thäter und seinem Gelichter unversöhnliche Rache , und hielt sein Wort . Mit der gräßlichsten Strenge gieng er zu Werke ; die Holzdiebe peitschte er zum Sterben ; die auf ' s Wild lauernden Räuber ereilte er leise wie der Tod , und ehe sie sich ' s versahen , saß ihnen auch schon der Tod im Herzen , den der wilde Ammon aus einer tragbaren Donnerbüchse , die er selbst verfertigt hatte , schleuderte , ohne nur einmal seines Ziels zu verfehlen . Diese Sicherheit im Schuß , und der Umstand , daß ihn nimmer ein Bolzen getroffen , von denen , die man oft aus Busch und Dickicht meuchlings gegen ihn versandte , schreckte die Bösewichter schon , die auf übernatürliche Künste zu schließen gern bereit sind . Bald theilte das ganze Landvolk , um und um , diese Meinung . Ammon ging nie zur Kirche , wurde nie betend gesehen , und zeigte sich immer so finster und verschlossen , daß Jedermann , darauf schwur , er stehe mit dem Gottseybeiuns im Pakt . Dieser Glaube schien nicht ohne Grund zu seyn , da Ammon häufig bei Nachtzeit in Wald und Moor herumlief , Ottern suchte , und ihr Fett zu gewissen Salben bereitete , und seine Hütte offen stehen ließ , ohne Furcht . Einige Waghälse hatten zwar einmal den Augenblick benützen wollen , da der Alte nicht zu Hause war , um dasselbe zu berauben , oder in Asche zu legen , allein sie fanden in einer ungeheuren Wolfsfalle auf spitzigen Pfählen den Tod , und Ammon hing ihre Leiber zur Warnung für Andre an den Fichten auf , neben welchen der Eingang in den Wald führte . Nun floh ihn und seinen Aufenthalt , was in der Umgegend lebte , Regina ausgenommen , die das Geheimniß gefunden hatte , sich die gutmüthige Theilnahme des verwilderten Greisen zu gewinnen , indem sie seinem polternden Wesen Gleichgültigkeit entgegensetzte , seinen Erzählungen ihr aufmerksames Ohr nicht entzog , und ihn auf jede Weise in Schutz nahm , wenn nachbarliche Zungen die fromme Mutter vor dem alten Knechte warnten , der zu keiner Messe gieng , und den geselligen Verkehr mied , wie die Sünde . Nach wie vor fand das Fräulein seines Tages Freude auf dem stillen Waldplatze , und war eines Morgens , wie gewöhnlich , beschäftigt , einen Kranz von Wiesenblumen zu flechten , als der Schall mehrerer menschlichen Stimmen unter den Baumgewölben vernehmbar wurde , - Stimmen , die sich anriefen , und Verirrten , des Weges unkundigen zu gehören schienen . - » Ammon ; « sagte Regina zu dem Alten , der , unweit von ihr , ein Jägernetz ausbesserte : » Geh doch hin , und weise die Leute zu recht . « - » Ei was ! « brummte der Forstwart entgegen : » Haben sie sich hereingefunden , mögen sie auch sehen , wie sie wieder hinauskommen . Führt sie der Weg hierher , dann will ich ihnen schon den Weg weisen . « - Diese letzten Worte begleitete er mit einer sehr nachdrücklichen Geberde , die auf keinen guten Empfang der ungeladeuen Gäste schließen ließ . - Regina warf ihm seine Unverträglichkeit vor , und verbot ihm ernsthaft jede Gewaltthat , insofern die Verirrten hieher gerathen , und nach dem Wege fragen sollten . Sie hatte kaum ausgeredet , als sich schon am Eingange des Platzes ein Mann zeigte , welchem ein Frauenbild folgte , und ein anderer Mann , der einige Gäule nach sich durch den Wald zog . Ach ! wie ging in Reginens Seele die Erinnerung an den letzten Osterabend auf , den sie in Frankfurt zugebracht . Denn der junge Mann , der so bescheiden sich nahte , um nach der rechten Straße zu fragen , war - sie wußte es ganz gewiß - der anmuthige Junker , sie eine Königin genannt , und der erste Mann gewesen , der wohlthuend ihren Reitzen vor aller Augen Gerechtigkeit hatte wiederfahren lassen . Der ernsthafte Ausgang jenes fröhlich begonnenen Ostermahls hatte ihre , jugendliche Brust wit Bewunderung für den kühnen Jüngling erfüllt , der die unverletzlichen Menschenrechte muthig vertheidigte gegen den schnöden Vorwurf , - und dann und dann und wann war des Jüngling Bild noch wiedergekehrt vor ihre Seele , und hatte immer den Wunsch im Gefolge gehabt , ihn einst wieder zu sehen , - ihn bald wieder zu sehen ; nicht im Ernst eines schon Standes und Alters , sondern noch im Schmuck , in der fröhlichen Freiheit jugendlichen Lebens , Plötzlich nun war dieser Wunsch erfüllt worden , und Regina , davon überrascht , zögerte nicht , ein harmloses Kind der Natur , dem Ankömmling entgegen zu eilen , ihn zu begrüssen , seine Hand zu schütteln wie ein Mann , und ihm das Anerbieten zu machen , ihn zu ihrer Mutter zu führen , die erfreut seyn würde ihn zu sehen . Dagobert , wohlthätig überrascht von diesem Empfang , den er in diesen Wäldern nicht erwartet hatte , warf einen forschenden Blick um sich her , und sprach zu Reginen : » Mein gutes Fräulein ! Es ist als ob mich Gott hiehergeführt hätte , in diesen traulichstillen Wald , und in Eure Nähe . Ihr befehlt als Herrin hier , und so Ihr wollet , könntet Ihr mir größere Huld verleihen , als ich Euch je vergelten könnte . Wir sind seit Mitternacht geritten auf ' s Geradewohl in die Welt hinein , verfolgt von Ungewitter und gefährlichen Menschen , die es auf dieser Jungfrau Leben abgesehen hatten . Die Unglückliche hat jedoch kein Obdach für die erste Zeit , und heilige Pflichten rufen mich auf mehrere Tage von ihrer Seite . Wäret Ihr wohl geneigt , meine liebliche Königin , in deren duftigen Wald und Blumenreiche wir angekommen sind , eine kurze Zeit hindurch , dieß edle