» sein mögen , nämlich honett ; ich schrieb dir ja , daß ich jetzt auch zu stolz bin dazu . « Nichts bestach ihn mehr als sittlicher Stolz : » So wirf ihn einmal weg auf immer ! « sagt ' er . - » Ach , « ( sagte sie bänglich ) » weiß ich denn , daß er kein Leid gegen sich selber vorhat ? - Dann würf ' ich mirs ewig vor . « Unwillkürlich mußte er mit dieser liebenden heiligen Furcht die Härte der Fürstin vergleichen , die es so froh und stolz erzählen konnte , daß manches verliebte Leben das Opfer ihres spröden Herzens und koketten Gesichts geworden . » Was willst du nun tun ? « fragt ' er . » Ich weine « ( sagte sie ) - » ach Alban , das ist ja genug , daß du mir Gehör und Rat gegeben ; ich bin wieder ganz heiter . Aber werde wieder sein Freund . « Er schwieg , über die weibliche Unart ein wenig erzürnt , die unter dem Vorwand , Rat zu suchen , nur Gehör verlangt . » Was ist das , « ( fragt ' er , ein Blatt ihr zeigend ) » das ist völlig meine Hand , und ich hab ' es nie geschrieben ? « - Sie sah es an und sagte : » Karl probiere oft so in den Händen bei ihr . « Es wunderte ihn , und er sagte : » Überall nur Nachspielen und Nachmachen ! Aber wie kannst du denken , daß ich ihm vergebe ? « - Einige Reisebeschreibungen auf ihrem sonst bücherarmen Nachttisch fielen ihm auf ; » ich wollte doch wissen , « ( sagte sie ) » wie es dir etwan da und dort mochte ergehen , und las deshalb das lange Zeug . « » Du bleibst meine Schwester ! « sagt ' er und küßte sie herzlich . Sie fragte ihn noch viel und zudringlich über sein neues Verhältnis , aber er eilte wortkarg mit dem vollen Herzen hinab . - Das erste Wort drunten an den Landschaftsdirektor war die Bitte um das » deponierte Schoppische Schreiben « . Wehrfritz brachte den im Eisenkästchen der Schuldscheine aufbewahrten breiten Brief und lieferte ihn hoffentlich , wie er sagte , richtig ab . Kaum hielt Albano die Tränen zurück , als die krausen , aber werten Spuren der geliebten Hand , die gewißlich nie im Leben gewankt oder sich befleckt , in der seinigen hielt . Da er nichts erbrach , so fingen sie alle gutmütig an , ihm seinen Freund Schoppe nach den Mutmaßungen und Ansichten , die sich der Mensch über jeden höhern Geist so keck und froh erlaubt , mit allen seinen Taten oder Farben vorzuschildern , als wären Taten oder Farben Striche und Umriß . Wehrfritz und Wehmeier bedauerten , daß er toll würde , wenn ers nicht schon sei . Der Magister hielt mit seinem Hauptbeweise zurück , bis der Landschaftsdirektor die kleineren Nebenbeweise beigebracht . Sein Leben unter diesem Schloßdache wurde ab-und aufgedeckt , aber im guten . Er hatte bisher - so gingen die Berichte nichts Reelles oder Solides » bezweckt « . Wehrfritz schwur , er habe selber zugesehen , daß er die Literaturzeitung so gelesen , wie sie ineinander Halbbogen-weise steckte , und sagte , daß ers freilich weniger der Tollheit als einer Geistes-Abwesenheit zuschreibe , weil er wisse , mit welcher Lust er immer den Reichsanzeiger - den solcher selber für den Torschlüssel der Reichsstadt Deutschland erkläret - in die Hand genommen und verständig durchgegangen . Mitten in der Gesellschaft hab ' der Bibliothekar seine Hände angesehen mit den Worten : » Da sitzt ein Herr leibhaftig und ich in ihm , wer ist aber solcher ? « - Gearbeitet hab ' er sehr wenig , Bücher von Gewicht , wie Herr Wehmeier wisse , selten angesehen , leichter die allerschlechtesten von Bauern , z.B. ganze Traumauslegebücher . - Sein liebster Umgang sei ihm sein Wolfshund gewesen , mit dem er stundenlang ordentlichen Diskurs geführt und von dessen Murren er ernsthaft behauptet , es klinge wie ein sehr ferner Donner . - Gern sei er vor dem Spiegel gesessen und habe sich in ein langes Gespräch mit sich eingelassen ; zuweilen hab ' er in die camera obscura gesehen , dann schnell wie der in die Gegend , um beide zu vergleichen , und habe unoptisch genug behauptet , die laufenden regen Bilder der camera würden von der äußern Welt vergrößert , aber täuschend nachgeäfft . » Ein schlauer Vogel « ( setzte der Direktor dazu ) » bliebs bei alledem ; verschiedene meiner Bekannten auf den benachbarten Rittersitzen ließen sich von ihm malen , weil ers wohlfeil gab ; er wußte aber immer etwas ins Gesicht einzuschieben , daß einem die Physiognomie ganz lächerlich oder einfältig vorkam ; und das hieß er sein Schmeicheln . Natürlich saß ihm in die Länge nichts Honettes mehr . « » Wär ' es mir verstattet , « ( fing Wehmeier an ) » so würd ' ich jetzt dem Herrn Grafen ein Faktum vom Herrn Bibliothekar mitteilen , das vielleicht , das ist wenigstens meine Meinung , so frappant ist als manches andere . Die Schulwohnung ist , wie Sie gewiß noch wohl wissen , dicht an der Kirche . « Darauf gab er in einer langen Erzählung diese : Einst sei in der tiefen Mitternacht die Orgel gegangen - Er habe an der Kirchtüre gelauscht und Schoppen deutlich einen kurzen Vers aus einem Hauptlied singen und orgeln hören - Darauf sei dieser laut vom Chore herab und auf die Kanzel hinaufgestiegen und habe eine Kasualpredigt an sich selber mit den Worten angefangen : » Mein andächtiger Zuhörer und Freund in Christo « - Im Exordium hab ' er das stille , leider so schnell vergangne Glück vor dem Leben berührt , obwohl nicht nach rechter Homiletik , da der zweite Teil fast den Eingang repetieret