sollst mehr davon erfahren , für heute laß Dir dies genügen . Siebentes Capitel Der lang ersehnte Ton des Posthorns ließ sich in dem Augenblicke vernehmen ; er klang näher und näher , das Rollen des Wagens , der Hufschlag der Pferde schallten herauf . Seba richtete sich freudig empor . Komm ' , rief sie , Davide bei der Hand ergreifend , komm ' , wir wollen ihm entgegen gehen ! Das junge Mädchen blieb zögernd stehen . Ich kann nicht ! sagte es beklommen , und als Seba es mit sanft ermuthigendem Zuspruch mit sich fortzuziehen strebte , machte Davide ihre Hand mit dem klagenden Ausrufe : Ach , ich verdiene es nicht ! von Seba los und wollte sich eben durch das Seitenzimmer entfernen , als die Thüre des Wohnzimmers schnell geöffnet ward und , die Wildschur und die pelzverbrämte Mütze von sich werfend , ein großer , schöner Mann in das Zimmer eintrat . Da bin ich wieder einmal , meine liebe Seba ! rief er , indem er sie umfaßte und sie , während er sie küßte , mit den kräftigen Armen ein wenig in die Höhe hob , daß sie sich plötzlich befreiten Herzens in lachender Abwehr dagegen sträubte . Da bin ich wieder einmal und herzlich froh , bei Euch zu sein , denn ich versichere Euch , daß in dieser Kälte der Reisewagen und die russischen Schneefelder lange nicht so behaglich sind , als dieses Zimmer hier . Aber ich sehe den Vater nicht , er ist doch nicht krank ? - Und sich umschauend , fügte er hinzu , indem er Daviden die Hand reichte und auch sie flüchtig umarmte : Wie Du in den drei Monaten wieder gewachsen bist , Davide ! Du kannst Dir etwas darauf einbilden , Du wirst unserer Seba immer ähnlicher . Der Ton seiner Stimme hatte jenen frischen Klang , den man nur aus der Brust eines völlig gesunden Mannes ertönen hört und der an und für sich erfreulich und belebend wirkt ; aber auch die ganze übrige Erscheinung war ein strahlendes Bild jugendlicher Männlichkeit , und es dünkte dem liebevollen Herzen Seba ' s , als sei mit seinem bloßen Eintreten Licht und Wärme , als sei Frühling und Sonnenschein in dem Zimmer angebrochen und über sie gekommen . Er war , wie seine früheste Kindheit es hatte voraussehen lassen , das vollständige Ebenbild seines Vaters geworden . Es war dieselbe große , gebieterische Gestalt , es war die breite Brust des Freiherrn . Wie dieser trug er den kräftigen Nacken hoch und stolz , und jeden Zug seines Antlitzes , ja , sogar jene anscheinend zufälligen Mienen , jene kleinen , plötzlichen Geberden , die man gemeinhin als durch die Nachahmung im täglichen Beisammensein sich vom Vater auf den Sohn forterbende Eigenthümlichkeiten zu bezeichnen liebt , hatte Paul mit dem Freiherrn wie eine Stammeseigenschaft gemein , nur daß alle seine Bewegungen freier , schneller , leichter waren , als der Freiherr sie bei seinem frühen Bestreben nach würdevoller Gemessenheit in sich auszubilden im Stande gewesen war . Seba selber geleitete den lieben Gast in das für ihn bereitete Zimmer ; sie ließ es sich nicht nehmen , ihm selbst das Licht vorzutragen , während der Diener sich seines Pelzes und seines übrigen Gepäckes bemächtigte , und abermals schlang Paul voll Zärtlichkeit , während sie neben einander hergingen , seinen Arm um sie und bedeckte ihre Hand mit seinen Küssen . Man konnte es ihnen ansehen , wie sehr sie an einander hingen . Eine Stunde später saß Paul in dem Cabinette , welches an das Comptoir des Hauses anstieß , mit Herrn Flies und Seba in ernstem Gespräche beisammen . Es war Posttag und in dem Comptoir arbeiteten die Gehülfen noch still und schweigend an ihren Pulten , obschon es später als gewöhnlich war . Die Reitpost , welche zweimal in der Woche den Briefverkehr nach Osten besorgte , ging früh am anderen Morgen ab , und den großen Handlungshäusern , die in dem Postbureau ihre laufenden Rechnungen hatten , war es vergönnt , ihre Briefe noch über die allgemeine Schlußstunde der Briefannahme zur Beförderung auf die Post zu senden . Paul hatte ein Notizbuch in der Hand , ein Copieheft und eine Anzahl Briefe lagen neben ihm . Er wünschte Herrn Flies Auskunft über die Erfolge einer gemachten Geschäftsreise zu geben , sofern dieselben nicht aus seinen früheren Briefen ersichtlich waren , und Seba hörte schweigend zu , obschon sie einsichtig und unterrichtet genug war , um an dieser Unterhaltung einen lebhaften Antheil zu nehmen , auch wenn es nicht ihr Vater und Paul gewesen wären , welche sie führten . Es freute sie eben so die scharfe Klarheit , mit der ihr Vater alle seine Fragen stellte , als die sichere Bestimmtheit , mit welcher Paul sie beantwortete ; denn Sachkundige sich auf einem Gebiete bewegen zu sehen , das sie voll und ganz beherrschen , gewährt an und für sich immer eine Genugthuung , weil es uns , gleichviel von welcher Seite , einen Einblick in das große , aus den verschiedensten Bestandtheilen sich zusammensetzende Getriebe des jedesmaligen Culturzustandes vergönnt , während es uns zugleich - und dieses Letztere genoß Seba in dem Falle mit besonderer Befriedigung - Achtung vor dem menschlichen Wollen und Vollbringen einflößt . Herr Flies schien wohl zufrieden zu sein mit allem , was der junge Mann berichtete . Paul mußte danach Auskunft über seine Erlebnisse während dieser Abwesenheit geben , und als man endlich von dem Besonderen und Persönlichen zu dem Allgemeinen überging , als man des furchtbaren Druckes gedachte , den die Napoleonische Herrschaft auf ganz Europa ausübte , fragte Seba , wie Paul die Stimmung gegen Napoleon in Rußland gefunden habe . Paul sah sich vorsichtig um , machte die Thüre , welche nach dem Nebenzimmer führte , noch besonders zu und sagte darauf : Wie wir es nur wünschen können ! Der Haß gegen ihn ist dort vollkommen so stark und so