das Fenster gesetzt . Im Laden des Alten war es allmählich leer geworden , nur einzelne arme Leute kamen am Nachmittage noch , um nach reiflichem Entschlusse und Erwägung des Nutzens oder des Schadens , welchen die Unterlassung bringen könnte , noch eine billige Fahne oder zwei zu holen , und feilschten hartnäckig um den Preis . Der Alte zählte jetzt seine Einnahme , und vollauf damit beschäftigt , forderte er Heinrich auf , sich jetzt hinauszumachen , unter die Leute zu gehen , den Einzug anzusehen und sich etwas gütlich zu tun . » Sie machen sich wohl nichts daraus , wie ? « fügte er hinzu , als er sah , daß der Aufgeforderte keine besondere Lust zeigte , » sehen Sie , so wird man gesetzt und klug ! Schon weiser geworden dahinten bei der alten Esse in der kurzen Zeit ! Das ist recht , so muß es kommen ! Aber geht dennoch ein bißchen hinaus , Liebster , und wäre es nur , um einmal die Sonne zu genießen und ein schönes junges Königskind anzusehen . « Heinrich fühlte sich nicht berufen , dem Alten auseinanderzusetzen , inwiefern er recht oder unrecht habe mit seiner Zufriedenheit und seiner Anschauung , ging jedoch vor die Stadt hinaus , um jedenfalls etwas Luft zu schöpfen . Er sah nun auf dem Wege die ganze Herrlichkeit fertig und mit einem Male , alles schwamm , flatterte , glänzte und schimmerte in Farben , Gold und Grün , und ein unzähliger Menschenstrom wälzte sich vor das Tor , wo eine schon vorhandene gleiche Menge auf dem Felde lagerte und zechte , als ob es gälte , ein Ilion von Tonnen zu bezwingen . Aber die goldene Nachmittagssonne rechtfertigte und verklärte allen Lärm , alles Toben und alle Lust ; Heinrich atmete tief auf , und es war ihm zu Mut , als ob er ein Jahr lang am Schatten gelegen hätte in einem kalten Gefängnis , so wärmend und wohltuend strömte der goldene Schein auf ihn ein . Plötzlich ertönte Kanonendonner , Glockengeläute über der ganzen weitgedehnten Stadt , Musik erschallte an allen Enden , die Trommeln wurden gerührt , auf der breiten Landstraße wälzte sich erst ein laufender Menschenknäuel daher , dann rasselte ein geharnischter Reiterhaufen , ritten Beamtete aller Art heran , und an der Spitze eines langen Wagenzuges rollte jetzt der Blumenwagen vorüber , in welchem ein liebliches junges Mädchen saß in Reisekleidern und höchst vergnügt das tobende Volk begrüßte . Doch alles ging so schnell vorüber wie ein Traum , und hinter den letzten Reitern flutete die Menge zusammen und bedeckte , sich langsam nach der Stadt wälzend , alle Gehöfte , Wirtshäuser und Schenken im Umkreise und fiel singend , lärmend , prügelnd in die zahllosen Fallen , welche ihr die stillen Spekulanten des Tages überall aufgestellt . Auch Heinrich schlenderte in die Stadt zurück und unterhielt sich nun damit , seine Fahnenstangen vor den anderen herauszusuchen ; er kannte sie bald an verschiedenen Zeichen , und ein um das andere Haus wies diese Erzeugnisse seines Fleißes auf . Unversehens aber erwachte der Republikaner in ihm , und er rief schmerzlich in sich hinein » Das ist also nun das Ende vom Liede , daß du in dieser Stadt sitzest und solchen Unsinn beiträgst zum Unsinn ! « Und als ob alle Leute ihm ansehen könnten , daß er die unzähligen Stängelchen und Stangen bemalt , während in der Tat kein Sterblicher eine Ahnung hatte außer dem Alten , eilte Heinrich voll Scham und Zerknirschtheit wieder aus der Stadt an den abendlichen Fluß hinaus und in die schönen Gehölze , die sich längs desselben hinzogen . Er ging auf denselben Wegen , auf welchen er einst in Floribus als hoffnungsreicher Kunstjünger gefahren und gegangen in jener grünen Narrentracht und mit Ferdinand Lys gestritten hatte . Die politischen Bedenken wegen seiner Steckenarbeit traten jetzt zwar zurück , aber nur , um noch tieferen Platz zu machen . Das war nun , sagte er sich , so ein Stück Schulzeit in der Schule dieses Alten ! aber nun ist es nachgerade mehr als genug ! Der rauschende Fluß , die rauschenden Bäume , die balsamische Luft der hereinbrechenden Nacht , die er alle so lange nicht genossen , schienen ihn aufzurufen zur Treue gegen sich selbst und zum Widerstand gegen jedes unnatürliche Joch und schienen zu singen Siehe , wir rauschen , wehen und fließen , atmen und leben und sind alle Augenblicke da , wie wir sind , und lassen uns nichts anfechten . Wir biegen und neigen uns , leiden und lassen es über uns dahinbrausen und brausen selbst mit und sind doch nie etwas anderes als das , was wir sind ! Wir gehen unter und leben doch , und was wir leben , das sorgen wir nicht ! Im Herbst schütteln wir alle Blätter ab , und im Lenz bekleiden wir uns mit jungem Grün ; heute verrinnen wir und scheinen versiegt , und morgen sind wir da und strömen einher , und ich , der Wind , wehe , wohin ich muß , und tue es mit Freuden , ob ich auf meinen Flügeln Rosengerüche trage oder die Wolken des Unheils ! Als Heinrich nach der Stadt zurückkehrte , beschloß er , nie mehr zum Alten zu gehen , möge ihm geschehen , was da wolle , und so schwer es ihm auch fiel ; denn er hatte das ungewöhnliche graue Männchen liebgewonnen . Siebentes Kapitel Den andern Morgen , als Heinrich aufgestanden , empfing er einen Besuch von seiner Hauswirtin , welche eine unvermögliche Frau war und einen ganzen Trupp Kinder zu ernähren hatte , während ihr Mann seinen Erwerb anderweitig hintrug . Heinrich war ihr seit einem halben Jahre die Miete schuldig ; denn dies war ein Gegenstand , welcher ihm keine Wahl ließ , Schulden zu machen oder nicht , da er ein Obdach haben mußte . Die arme Frau hatte ihn nie gedrängt und wußte , daß