guten Ende hätte führen sollen , nur so kurze Wege einzuschlagen brauche . Ich dachte auf die größten Schwierigkeiten zu stoßen und bin erfreut , daß sich mir Alles wie von selbst in die Hände gibt , den letzten Willen einer verstorbenen hohen Dame zu vollziehen . Sie kannten die Fürstin Amanda von Hohenberg ? Siegbert verneinte diese Frage . So wird sie Ihr Herr Bruder gekannt haben ? Auch für seinen Bruder bestritt Siegbert eine genauere Bekanntschaft mit einer so vornehmen Frau . Er hätte davon Kenntniß haben müssen . Dann bin ich erstaunt , sagte Rudhard , wie sie Beide , meine Herren , in eine so geheimnißvolle Angelegenheit verwickelt sein können , wie Die ist , welche mich zu Ihnen führt . Sie spannen meine Neugier , sagte Siegbert und fand in dem Benehmen des Fremden mehr Weltton und Formenglätte , als dem schlichten Äußern und dem strengen Blick der Augen zu entsprechen schien . Auch wird Ihnen dann mein Name fremd sein , fuhr Rudhard fort , und ich muß es daher für meine Pflicht halten , von mir selbst zu sprechen ... Ich war in dem fürstlich Hohenberg ' schen Dorfe Plessen und für eine ziemliche Anzahl in der Nähe liegender Vorwerke vor Jahren Pfarrer und hatte wie es schien zur Zufriedenheit meiner Gemeinde an diesem Orte eine lange Zeit gewirkt . Beförderung hatt ' ich freilich wenig zu hoffen , da mein religiöses Glaubensbekenntniß von jenem abwich , durch das allein man damals auf dem kirchlichen Gebiete , leider auch in manchem andern , sein Glück machen konnte . Zu heucheln war meiner nicht würdig . So ertrug ich mein bescheidenes , oft dürftiges Loos . Ich konnte es , da Gott meine Ehe mit Kindern nicht gesegnet hatte und ich nur für mein Weib , einige Verwandte und mich zu sorgen brauchte . Siegbert fühlte sich von dieser Eröffnung schon angezogen . Er gedachte , ohnehin bewegt , seines Vaters und fühlte die Leiden auch seines gesinnungsgetreuen Charakters um so schmerzlicher nach , als dieser gerade noch die Noth um die Versorgung seiner Kinder gehabt hatte und sich selbst so Vieles entzog , um nur die Seinen glücklich zu sehen . Er hörte , befremdet zugleich von der Ehre , wie er zu diesen Mittheilungen käme , und mit gelassener , wehmüthiger Aufmerksamkeit zu . Rudhard fuhr fort : Mein Loos schien sich zu verbessern , als die Fürstin Amanda von Hohenberg sich entschloß , ihren dauernden Wohnsitz in Hohenberg , ihrem dicht bei meiner Pfarre gelegenen Stammschlosse , zu nehmen und ich daraus wol eine Erleichterung meiner Lage , wenigstens eine freundlichere Anregung erhoffen durfte . Zu gleicher Zeit wußt ' ich , daß sie sich der Erziehung ihres einzigen Kindes , eines Knaben , in dieser Zurückgezogenheit ausschließlich zu widmen gedachte . Ich erfuhr , daß sie sich sorgfältig nach mir erkundigte und die Absicht hegte , mich mit in ihren neuen Lebensplan hineinzuziehen . Alle diese Anzeichen einer neuen bessern Zukunft trübten sich plötzlich , als die Fürstin mir gleich in den ersten Gesprächen , die ich mit ihr nach ihrer vollständigen Einrichtung wechselte , als eine fanatische Anhängerin der neuen frömmelnden Richtung entgegentrat . Sie betonte den Erlöser , die Gnade , die Rechtfertigung und die Nichtigkeit der guten Werke in einem Grade , der mich mit Befremden erfüllte . Eine Weltdame , die sie war , einst , wie ich gehört hatte , vielfach gefeiert , Gattin jenes wilden , berühmten Kriegers , über dessen Sitten wie über seine Tapferkeit nur eine Meinung herrschte , schien es mir unglaublich , daß sie in die Netze der neuen Verlockungen durch eine trübe , oft unehrliche Welt- und Lebensauffassung fallen konnte . Ich beging die Thorheit , mit ihr zu streiten . Der Streit war gerade Das , was sie suchte . Aber weit entfernt , mir zu danken , wie ich ihr doch Gelegenheit bot , für ihre Wahrheit und für ihren Heiland Zeugniß abzulegen , warf sie Mistrauen , Groll , ja zuletzt Feindschaft auf mich . Zwar erhielt ich die Oberaufsicht über den jungen Prinzen und begann mein Werk in meiner Weise , allein es verging nicht ein Tag , wo ich über unsre entgegengesetzten Grundsätze der Erziehung mit der Mutter nicht in Streit gerieth . Wie oft wollt ' ich nicht die Zügel meiner Aufsicht in ihre Hand zurückgeben ! Eine gewisse Achtung vor meinen mancherlei zerstreuten Kenntnissen , die Liebe und Anhänglichkeit des Knaben an mich trotz meiner Strenge , endlich aber wol die Verlegenheit , dem Kinde in dieser ländlichen Zurückgezogenheit irgend eine starke Nahrung des Geistes zu bieten , bestimmte sie doch immer wieder auf ' s neue , mit mir anzuknüpfen , Aussöhnungen vorzubereiten und Waffenstillstände zu schließen . Dies dauerte einige Jahre , bis es nothwendig wurde , fachwissenschaftliche Lehrer mit zu Rathe zu ziehen . Statt den Knaben in ein Institut zu geben , wollte die Fürstin ihn unter ihren Augen behalten und umgab sich mit fortwährend wechselnden Sprach- und Musiklehrern und andern Präceptoren , die im Schlosse viel Unheil anrichteten und sich selten länger als einige Monate auf ihren Plätzen behaupteten . Ich litt bei diesem Wirrsal am meisten ; denn selbst die Kinderseele , für die ich dabei am meisten fürchtete , hielt die wilde Planlosigkeit zur Noth aus . Wie stark ist nicht ein junges Gemüth in seinem ersten Wachsthum ! Wieviel geht nicht in das dürstende Herz hinein , wieviel hinaus , ohne ihm zu schaden ! Wär ' es nicht so , so müßte man die Kinder in einen durchsichtigen Glasschrank setzen und von der ganzen Welt abschließen ! Ihr Werk ist gesegnet worden , bemerkte Siegbert . Der leider so heftig erkrankte Prinz Egon soll sich in jeder Hinsicht auszeichnen . Siegbert sprach diese Worte mit einer Betonung , die seine über diese sonderbar aufrichtigen Mittheilungen zunehmende Verlegenheit deutlich zu erkennen gab . Darüber fehlt mir ein genaueres Urtheil , fuhr Rudhard ernst fort