» Meine kleine Muhme , die eben so unartig , als schön , eben so gutmüthig , als ausgelassen ist ! Wollen Sie sie unter ihren Schutz nehmen ? « » Ach , Madame , wer Ihren Schutz genießt , wird den der ganzen Welt entbehren können , und Ihre schöne Muhme soll mich lehren , wie man Ihren Beifall verdient . - Doch der Graf Bussy wird mir zürnen , ihm so lange den Weg zu Ihnen vertreten zu haben . « Graf Bussy war eben so schwarz , als seine Gemahlin weiß , und in der Größe überragte er sie bedeutend . Auf seiner breiten Brust ruhte ein Firmament von Sternen ; denn er hatte in Spanien mit Auszeichnung gedient , und war Oberster eines Reiter-Regiments . Er hatte den Ernst eines Kriegers auf der breiten Stirn und blickte muthig und freundlich zugleich , wie das eine so schöne Eigenthümlichkeit dieses Standes zu sein scheint ; nur seine Lippen waren zu stark emporgedrängt ; sie bezeichneten den Stolz der Bussy-Rabutin . Er war der passendste Gemahl für Heloise de Guiche ; denn er war sicher , nie seine Heftigkeit durch sie erregt zu sehen , nie Grillen oder Widerspruch begegnen zu müssen , was er Beides nicht gelernt hatte zu ertragen . Dafür schützte er sie , wie eine Mutter ihr Kind . Er hatte eine unablässige Aufmerksamkeit für sie ; er umgab sie mit der höchsten Liebe und war glücklich , ihre schüchternen , kaum wahrnehmbaren Wünsche zu errathen und zu erfüllen . Angenehm ward die Marquise d ' Anville durch die Begleitung von der Prinzesse de la Beaume , einer alten Tante der Gräfin Guiche , überrascht , und mit ihr stellten sich Graf Guiche und der Chevalier de Vardes vor , Beide gleich ausgezeichnete Bekannte ihres Gemahls und Schwagers . Das Audienz-Zimmer der Katharina von Medicis nahm diese angenehm gemischte Gesellschaft auf , und Mademoiselle de la Beaume unterließ nicht , nachdem sie von Leonce Alles erfragt hatte , die Erinnerungen hervorzurufen , die hier so nahe lagen . » Ueberhaupt , meine liebe Marquise , « fuhr sie fort - » halten Sie sich nicht durch mein weißes Haar gegen meine Neugier gesichert ; ich bin mit dem vollständigsten Willen hierher gekommen , sie so viel , als möglich , zu befriedigen ! Glauben Sie mir , Versailles vergaß einen ganzen Tag lang , über den neuen Hofstaat der Marquise de Pompadour zu scherzen , als wir unser Glück verkündigten , Ihnen aufwarten zu dürfen ; und wer nicht irgend ein Wunder von Ste . Roche zu erzählen wußte , war den Tag nicht de bon ton ! « » Dem Himmel sei Dank , Madame ! « rief Lucile . » Der Marquis d ' Anville wird aufs neue Hoffnung fassen für meine noch mögliche Entwicklung , wenn er an Ihnen beobachten kann , daß die höchste Liebenswürdigkeit sich mit etwas Neugier verträgt ! Ich war gar zu sehr in Mißkredit gekommen ; denn ich hatte denselben Vorsatz , wie Euer Gnaden , und ihn zum Theile schon ausgeführt . « » O , « rief Mademoiselle de la Beaume - » wie allerliebst , daß ich in Ihnen eine Verbündete finde ! Der Marquis ist wahrscheinlich schon mit Allem , was Neugier heißt , durch Sie versöhnt , und wir haben seine Unterstützung sicher . - Sagen Sie mir nur das Eine , ob wir auch ein wenig graulich wohnen werden ; denn es wäre doch entsetzlich , wenn wir nicht in der Nacht ein noch nie erlebtes Ereigniß hätten ! « » O , ma princesse , « rief die Gräfin Bussy - » darnach trage ich gar kein Verlangen ! Doch , wie kann ich sie annehmen , wo meine theure Marquise herrscht ! « » Theure Gräfin , « lachte Lucile - » bis jetzt beherrschen die Phantasien dieses Schlosses mich mehr , als ich sie ! Wir haben uns gestern noch gestanden , daß über uns Alle ein besonderes Wesen gekommen ist , dem Jeder von uns einen kleinen , ungewöhnlichen Tribut zahlen mußte ; und wir sahen Ihrer Ankunft mit dem Vertrauen entgegen , in Ihrer Nähe alle unsere Träumereien zu vergessen . Die Zimmer übrigens , die Sie , ma princesse , bewohnen werden , sind leider mit keinem besonderen Attentate bezeichnet . Katharina von Medicis ließ sie für die polnischen Magnaten , die hier vor der Wahl des Herzogs von Anjou ihren heimlichen Besuch machten , einrichten ; und außer Liebestränken und goldenen Netzen , wird sich hier nicht Viel nachweisen lassen . « » Ich hoffe doch ! « sagte die heitere alte Dame - » das wird der glorreichen Frau Königin nicht Alles nach Wunsche gegangen sein ! Irgend einer von den anwesenden Herren hat sich gegen ihren Willen gesträubt ; da ist er denn verunglückt - von dem Altan gefallen - zwischen den Tapeten verschwunden - der Nachttrunk hat ihm einen Schlagfluß zugezogen - geschweige denn die nothwendigen Liebesopfer , die Katharina gerade so , wie Gift und Dolch anzuwenden verstand - genug - ich hoffe , wir erleben etwas ! « » Ich bleibe die ganze Nacht auf , « sagte die Gräfin Bussy - » wenn Sie mich so ängstigen , ma chere tante ! « » Still , still , mein Engel ! « lachte die alte Dame , indem sie sich erhob - » die schönen , polnischen Magnaten werden selbst mit dem Kopf unter dem Arme , Dir den Respekt nicht versagen , den Deine Schönheit befiehlt . « Alle erhoben sich nun , um im Hofdamen-Zimmer die interessanten Portraits aus jener Zeit zu betrachten . - Als Margot d ' Aubaine am Abende dieses Tages ihre Kammerfrauen entlassen hatte , öffnete sie , wie es ihre Gewohnheit war , das niedere Fenster , das nach dem Burggarten führte , und setzte sich auf den Fensterrand . So viele Gedanken und Gefühle wogten in ihr ! Die