und elend bin , in ' s Grab sinken und meine arme Lucretia wird zum Lohne ihrer endlosen Liebe einsam vergehen , wenn sie endlich auch die Mutter , die ihr Fleiß ernährt , begraben haben wird . Das schweigende Mädchen erhob sich jetzt , und indem sie zum ersten Male die Lippen öffnete , sagte sie , ruhig um sich blickend : Ich schäme mich meiner treuen Neigung nicht und ich läugne sie nicht . Ein verächtlicher Bösewicht wird gewiß das Herz des Weibes , das ihn aus Täuschung liebte , von sich entfernen , wenn sie ihren Irrthum erkennt . Aber was bleibt dem Menschen auf dieser armen Erde , wenn das Herz seiner Lieben ihm nicht bleibt , die das seinige vollkommen kennen und es wissen , wie vieler schönen Empfindungen es noch fähig ist , wenn der schwache Mensch sich auch zu einem Verbrechen hat hinreißen lassen . Ich will , fuhr sie fort , Franceskos That nicht beschönigen , ich erkenne in ihr ein großes Verbrechen , das die Gesetze der Menschen mit dem Tode bestrafen , aber Gott , der die Tiefen seines Herzens kennt , wird sie ihm dennoch vergeben , und so bleibt auch meine Liebe ihm selbst im Tode treu , denn ist er auch ein Verbrecher , er ist kein Bösewicht , und wenn ihn Alles verläßt , so wird mein Herz ihm noch Trost , meine Seele noch Achtung bieten . Nicht ohne Rührung sagte Evremont , sich an Francesko wendend : Du siehst die Milde der ewigen Liebe abgespiegelt in einer Menschenbrust , aber wie uns dieser Anblick auch innig bewegt und uns zur Ehrerbietung zwingt , glaubst Du nicht , daß Gottes Liebe dennoch milder ist , als die auch der besten Menschen ? Darum ermanne Dich Francesko und gelobe mir Eins . Er bot dem reuigen Sünder die Hand , die dieser heftig ergriff , in demselben Augenblicke schmerzlich zusammenzuckend . Was hast Du wieder ? fragte Evremont mit edler Ungeduld . Es schmerzt und entzückt mich , sagte Francesko , daß Deine reine , großmüthige Hand so arglos in der Mörderhand ruht , die feindlich Dein edles Herz zu treffen suchte . Laß das , antwortete Evremont , ihm die Hand schüttelnd , und antworte mir , willst Du mir geloben , was ich von Dir fordere ? Ich will , sagte Francesko , und Gott sei mein Zeuge , ich will es noch treuer halten , als meinen freventlichen Eid . So gelobe mir , sagte Evremont feierlich , Dir selbst zu vergeben , wie ich Dir von ganzem Herzen verzeihe . Gelobe mir Deine künftige Buße nur in Werken der Liebe zu üben und es zu unterlassen , Dich selbst zu martern , damit Du den Deinen ein Trost sein und ihre Leiden mindern kannst , statt ihren Jammer zu vermehren . Gelobst Du mir dieß ? Ja , ich gelobe es Dir , sagte Francesko mit hervorbrechenden Thränen ; Du hast in dieser Stunde die Qualen der Hölle von meiner Seele genommen , und ich werde mir wieder ein Mensch unter Menschen und nicht mehr ein ausgestoßener Verbrecher scheinen . Evremont trat zu dem Tische , an dem das Mädchen gearbeitet hatte , und indem er zwei schöne Rosen nahm , sagte er zu ihr : Nicht wahr , Sie geben mir diese , daß ich sie meiner Gattin als ein Andenken an eine schöne Stunde bringe ? Lucretia neigte bejahend das Haupt , denn sie vermochte vor Rührung nicht zu sprechen , und Evremont verließ , von den Segenswünschen der Familie begleitet , die enge Wohnung , worin nun lauter beruhigte Gemüther zurück blieben . Auf der Straße angelangt nahm Evremont den ersten Miethwagen , der ihm aufstieß , weil er durch dieß Labyrinth von Straßen nicht nach seiner Wohnung zurückgefunden haben würde , und im Fahren überlegte er , was sich für Francesko thun ließe , denn ihm selbst irgend eine Unterstützung anzubieten und so sein Gefühl auf ' s Tiefste zu verletzen , vermochte er nicht . Er dachte an den General Clairmont und eilte noch denselben Morgen zu ihm , um ihm seine Wünsche vorzutragen , die der alte Freund seines Vaters gern zu erfüllen bereit war , dem er nur sagte , daß er sich eben erst nach einer langen Zwistigkeit mit Francesko versöhnt habe und ihm deßhalb nicht selbst Hülfe anbieten möge . Es kommt nur darauf an , sagte der General , daß ich , ohne daß es auffällt , mit Lamberti zusammentreffen kann ; das Uebrige wird sich machen , denn wenn ich auch selbst jetzt nicht dienen mag , so denken doch nicht alle ehemalige Kameraden wie ich , und ich habe unter den jetzigen Machthabern Freunde genug , die einen armen verstümmelten Krieger ehrenvoll anzustellen vermögen , und wenn Ihre Gabe durchaus verschwiegen bleiben soll , so steht es mir doch frei , eine Summe hinzuzufügen , damit ich mich nicht gänzlich mit fremden Federn schmücke . Eine Gelegenheit mit Francesko zusammen zu treffen , ohne ihn aufsuchen zu müssen , bot sich schon des andern Tages dar . Das in Paris neu gewordene Schauspiel der Einkleidung einer Nonne lockte viele theils andächtige , theils neugierige Zuschauer nach der Kirche , wo die Ceremonie Statt fand . Unter den letztern war der General Clairmont mit Evremont , und unter den ersteren Lamberti und die ihn begleitende Lucretia , die sich aufrichtig an der Handlung erbauten . Evremont hatte dem General den bleichen , abgezehrten Lamberti gezeigt , und als Jedermann die Kirche verließ , wurde dieser freundlich von dem General angeredet , der ihm auf die ungezwungenste Weise darüber Vorwürfe machte , daß er einen alten Kriegsgefährten nicht aufgesucht habe . Er forderte ihn auf , dieß wieder gut zu machen und gleich diesen Mittag bei ihm zu speisen , und als der Angeredete zögerte diese Einladung anzunehmen , sagte er : Sie werden Niemanden bei mir finden als Ihren Freund ,