! « - und seine Kindheits-Engel , die Eltern , umfaßten ihn unverändert , und aus Albinens blauen Augen rannen die hellen Tropfen . Aber verändert stand die fremde Jugend neben seiner . Rabettens Angesicht , die vorigen vollen Wangen und blühenden Lippen waren niedergefallen und mit dem aufliegenden weißen Schleier überlegt und verwachsen , und sie hatte zwei graue Tränen statt der Augen ; indes lächelte sie sehr . Wie sein eignes Gorgonenhaupt erschien Roquairols Gesicht blaß und hart , gleichsam auf seinen Grabstein gehauen ; nur schroffe Pfeiler standen in der Flut ohne die leichten Bogen der schönen Brücke . Zu Albanos Blüten-Stamme sahen Albine und Rabette unverwandt hinauf , er schien ein italienisches Gewächs zu sein , ein Neapolitaner , im täglichen Bade des Golfs genervigt . Roquairol hatte sogleich seine Rolle in der Gewalt , leichter als Albano seine Wahrheit ; er benahm sich gegen den , der ihm den Zauberstab des Lebens entzweigebrochen und als zwei Bettelstäbe hingeworfen hatte , mit der höchsten Höflichkeit , küßte ihn auf die Wange , hielt in dem leichtesten , oft französischen Sprachton aus , zog die nächsten Nachrichten über Welschland ein und gab wieder die erheblichsten , so gut er sie , sagt ' er , für einen Mann mit hesperischem Maßstab auftreibe , aus dem Lande zum besten . Auch erzählte er , » daß des Ritters Bruder dagewesen , ein Mann voll Talente , zumal mimischer Art , und von der sonderbar-heftigsten Phantasie bei der höchsten Kälte des Charakters , vielleicht aber nicht immer wahr genug . « - » Bei meinem Trauerspiel « ( setzt ' er dazu ) » wär ' er Goldes wert . Lieber Bruder , sei bei dieser Gelegenheit auch gleich eingeladen dazu ; es heißet : der Trauerspieler - Ich geb ' es bald - Rabette kennts . « Sie nickte , Albano schwieg unter seiner Glut . Unter allen Rollen gelang dem Hauptmann die eines Weltmanns am reinsten ; auch ist der Schein der Kälte leichter und wahrer als der Schein der Wärme . Albano blieb in einem stolzen Abstande . Der gekränkten welken Rabette gegenüber konnte Roquairol durch nichts gewinnen , auch nicht durch die Vorbitte seiner Gestalt voll zertrümmerten Lebens ; etwas auf ewig Verworrenes und die Wachsflügel zu einem Klumpen gequetscht fand Albano , und ihm war hier enge wie einem , der von der hellen Welt herab auf einmal in eine niedrige feuchte Kellerhöhle kriecht . Der Hauptmann stand auf , erinnerte noch einmal an seine Bitte für den » Trauerspieler « und sprengte auf dem Freudenpferde davon . Hinter ihm schwieg jeder von ihm wie verlegen . Die Weiber , von Albanos glänzender Gegenwart ein wenig scheu , getraueten sich nur schwer mit der alten einheimischen Vergangenheit hervor , indes der Pflegevater Wehrfritz , in seinen Meinungen und Sitten fortgewachsen , noch in das alte Geschrei der Kanarienvögel und Hunde eingefasset , gar keine Zeit kannte , dem Pflegesohne innigen Dank für die verbindliche Erinnerung und Wahl seiner Geburtstagsfeier sagte , den Albano notwendig und vergeblich ausschlug , im vorigen Du und Vaterwesen fortfuhr , sich über die Franzosen und ihre künftigen Siege entzückte und jetzt dem ältern Pflegesohne mehr Prämien des Lobes als jemals dem jüngern bewilligte , um ihm dadurch , hofft ' er , ein so großes Vergnügen zu machen wie sonst . Der Magister unterstützte von weitem das Lob , ob er gleich nicht unterlassen konnte , sofort , als sein Schüler Napel , Baja , Cuma ausgesprochen hatte , eine Gelegenheit zu ergreifen , um Neapel , Bajä , Cumä auszusprechen . Albano war rein , wahr , menschlich , offen und herzlich gegen alle ; Eitelkeit war nicht in seinem selbstvergessenen Stolz . Rabette fand endlich ein Hebezeug , den glänzenden und doch trauten Bruder aus dem Gastzimmer in ihres oder sein voriges aufzuwinden , um allein zu sein an seiner Brust . Als sie hineintraten , so fing sie sogleich mit den Worten : » Kennst du die Stube noch , Albano ? « unendlich zu weinen an mit den so lange gesammelten Tränen ; und Albano zeigt ' ihr in den seinigen sein langes bisheriges Mitleiden , riß aber dadurch die ganze wundenvolle Vergangenheit auf . Sie griff selber zum Heilmittel , zum Erzählen - so sehr er auch vorschützte , er wisse und errate ja alles - ; und berichtete , die Augen trocknend , wie alles stehe - und » daß Karl viel bei seiner Mutter in Arkadien sei - daß der Minister noch gegen das einzige Kind den alten Wütrich mache und ihm nicht einen Heller mehr als sonst zuschieße , ob er gleich immer große und größere Schulden häufe , zumal seitdem keine Liane sie mehr im stillen tilge - daß er überall borge , nur aber von ihr nichts annehme - daß er noch immer weiter nichts begehre und kenne als die Gräfin - und daß Gott wisse , wohinaus das alles noch wolle « . - Allem Fragen zuvorkommend , setzte sie dazu : » Er weiß schon jetzt alles , dein ganzes Leben mit derselbigen Person - er tut dabei still und lustig , aber ich kenn ' ihn genugsam . Ach ! « seufzete sie in der Jammer-Fülle und setzte sogleich mit derselben Stimme dazu : » Du siehst mich an , nicht wahr , du findest mich sehr mager gegen sonst ? « - » Jawohl , Arme ! « sagte er . » Ich trank viel Essig seinetwegen , weil Karl schlanke Taillen liebt ; und der Gram tut auch viel « , sagte sie . Albano wollte sie trösten mit der nähern Möglichkeit einer Verbindung Karls mit ihr , seit der entschiednen Unmöglichkeit jeder andern , und bot sich ihr gern zu jedem Vorwort und Zwangsmittel an ; - » er ist vor Gott und uns dein Mann « , sagt ' er . » Das hat er nie « ( versetzte sie errötend )