mein Leben auf dem Spiel . « Während sie so sprach , war der Graf abermals heftig im Zimmer auf und ab geschritten . Doch als sie geendet , wandte er sich rasch zu ihr hin und sagte feierlich : » Gott soll mich bewahren , daß eins von Beiden geschehe ! Nein , nein ! gewiß nicht ! Ihr Geheimniß ist bei mir gut aufgehoben . « » Aber was soll ich ferner thun ? « » Machen Sie Ihre Berichte nach wie vor , aber seien Sie klug und lassen Sie von Ihrer Herrin nichts erfahren , was derselben schaden könnte ; ich will sehen , was ich für Sie thun kann . - Das schleicht sehr versteckt einher ; man muß ihm ebenso begegnen , um es sicher zu treffen . « » Aber wenn man mir neue Befehle zukommen ließe ! Zum Beispiel dies oder das zu thun ; - was weiß ich ? - Etwas , das wir jetzt nicht vorhersehen können ? « » Wenn es Ihnen unschuldig erscheint und - verzeihen Sie mir - Ihnen als kleine Plaudertzaftigkeit oder Nachlässigkeit angerechnet werden könnte , so thun Sie es in Gottes Namen , suchen mich aber von dem Vorgefallenen gleich in Kenntniß zu setzen . Man muß vorderhand allen Eklat vermeiden . - Sonst , « fuhr er lächelnd fort , » verlange ich keinen Bericht von Ihnen . - Aber , bei Gott ! es ist spät ! - Ich danke Ihnen , mein Kind . Bleiben Sie Ihrer Herrin getreu ; gewiß , sie verdient es . « » Ob sie es verdient ! « entgegnete fast schwärmerisch das Mädchen . » Wenn Ihnen diese Sache auch noch Ungelegenheiten machen kann , so hoffen Sie doch auf die Zukunft und auf mich . Ich werde mich Ihrer fortan erinnern . « Damit reichte er ihr die Hand , worauf sie das Licht aus der Fensternische nahm , um ihm ein paar Schritte zu leuchten . » Gehen Sie nicht zu weit mit mir , « sagte der Graf , » vielleicht nur bis an die Wendeltreppe ; von da finde ich den Weg schon allein . « So that sie dann auch , und während er behutsam und so geräuschlos als möglich hinab stieg , beugte sie sich oben über das Geländer und streckte den Leuchter von sich , um das dunkle Treppenhaus zu erhellen . Es wäre übrigens besser gewesen , wenn sie das nicht gethan hätte , denn obgleich Mitternacht längst vorüber war und Alles im Schlosse fest zu schlafen schien , so war dies in Wirklichkeit doch nicht der Fall . Einer der Portiers , welcher seine Wohnung an eben dieser Wendeltreppe hatte , hörte mit seinem Ohr die Tritte und öffnete geräuschlos ein Fensterchen , welches auf dieselbe hinausging , und da sah er denn deutlich das Kammermädchen droben stehen , und einen Offizier , in einen Mantel gehüllt , sich sachte hinab schleichen . - Die meisten Schloßbedienten sind auf dergleichen pikante Neuigkeiten begierig und setzen gerne ihren ganzen Scharfsinn daran , sie zu ergründen . Deßhalb bemühte sich denn auch der Portier , an einzelnen Kleinigkeiten des Offiziers zu entdecken , welche Uniform er wohl tragen könnte . Unglücklicherweise ließ Graf Fohrbach unten an der Treppe seinen Mantel etwas von der Schulter herabgleiten , so daß man Epaulettes und Fangschnüre sehen konnte . » Aha ! « dachte der Portier , » einer der Adjutanten . - Wer hatte den Dienst ? - Graf Fohrbach . - Richtig ! das ist seine Figur und sein Gang . « Damit verschloß er sein Fensterchen wieder und schlief nach einigen Augenblicken beruhigt weiter . Der Graf kam indessen durch das Labyrinth von Gängen , Treppen und Vorplätzen glücklich in ' s Freie . Es war eine finstere , kalte Nacht , weßhalb er seinen Mantel dicht zusammen zog , als er auf den Kastellplatz hinaus trat . Um von hier nach Hause zu gelangen , hatte er zwei Wege ; der eine führte durch die höher gelegenen vornehmeren Stadttheile , durch breite Straßen und über bequeme Brücken , war aber bedeutend weiter als der andere , der mitten durch die alte Stadt ging . Doch hatte der Letztere den Nachtheil , daß er meistens durch enge Straßen führte , einigemal durch finstere Durchgänge , auch beim Kanal vorbei und über dessen enge und schlechte Brücken . Doch war es hart gefroren , die Straßen auch reinlich und ohne Nässe , weßhalb der Graf den Weg durch die alte Stadt wählte . Er hatte auch nach allem dem , was er heute Abend gehört , eine leicht begreifliche Lust , sich die finstere Häusermasse , den Fuchsbau , obgleich er ihn recht wohl kannte , genau anzusehen . Er schlenderte deßhalb langsam über den Kastellplatz und kam jenseits desselben in die engen und winkeligen Straßen , welche nach der unteren Stadt führten . Rings war Niemand zu sehen noch zu hören ; die Schildwachen hielten sich in ihren Häusern ; von den Nachtwächtern bemerkte man nirgendwo eine Spur . Dazu war , wie wir wissen , der Mond nicht am Himmel , und die Nacht hüllte Alles in dichte Finsterniß . Wie er so langsam dahin schritt , ließ er in seinem Geiste nochmals die Erlebnisse des heutigen Abends vorüber gehen und schüttelte nachdenkend den Kopf , als er wieder an die Erzählung des Mädchens kam . - » Sollte es denn möglich sein , « dachte er , » daß der Baron wirklich hier im Spiele ist , daß das anscheinend so harmlose , leichtfertige , ja beschränkte Wesen desselben nur eine Maske wäre , hinter welcher sich eine so räthselhafte , ja unheimliche Gestalt verbärge , wie mir das Mädchen geschildert ! - Wenn dem so wäre , welche Zwecke verfolgt er ? Aus welchem Grunde belauscht er die Schritte Eugeniens ? - Ah ! das ließe sich am Ende erklären ; er ist mit dem Herzoge