' den Spott , Lucile , « sagte Margot - » wir wollen ein wenig vernünftig reden . Ich gestehe Dir , Leonce gefällt mir nicht - es fehlt ihm Etwas - glaube mir , ich habe ihn schärfer beobachtet , als Ihr Alle ! « » So ! « sagte Lucile lachend . » Ein seltsames Geschäft für ein junges Fräulein von achtzehn Jahren ! Solche Beobachtungen sind , wenn sie scharf sind , leicht gefährlicher Natur . Was fangen wir an , wenn Du mit so bedenklichen Dingen Dich beschäftigst ? « » Du willst nicht vernünftig sein , Lucile , und ich wäre es so gern einmal . Leonce flößt mir den größten Antheil ein ; aber ich fühle , daß ich ihm nicht helfen kann ; und da ich sehe , daß Ihr Alle taub und blind seid , so wollte ich Dich darauf aufmerksam machen - vielleicht , daß Armand durch liebevolle Fragen ihm zu Hülfe kommen könnte ! « » Vielleicht , « lächelte Lucile - » daß Du selbst ihm durch einige liebevolle Fragen zu Hülfe kommen könntest , auf die er Dir gewiß die Antwort nicht schuldig bleiben würde . Genug ! Du hast Deine Absicht , mein besonderes Interesse für ihn zu wecken , nicht verfehlt ; doch so leichtsinnig , wie Du glaubst , waren weder Armand , noch ich . Auch wir sind einig , daß ihm Etwas fehlt , auch wir finden , daß er verändert ist ; aber wir finden zugleich , daß wir ihm nicht geben können , was ihm fehlt , und haben längst beschlossen , ihn Dir zu überantworten . Da Du ihn nun so scharf beobachtet hast , so zweifle ich nicht , eine liebevolle Frage Deinerseits wird Dir sein ganzes Vertrauen erwerben . « » Und Du ? « rief Margot , bis unter den Scheitel erglühend , indem sie , ungeduldig mit dem Fuße stampfend , aufsprang - » Du bist heute nicht zu einem vernünftigen Worte tauglich ! Ich habe Alles vergeblich an Dich verschwendet und stehe wie ein albernes Kind vor Dir und muß Deine ausgelassene Laune ertragen , als hättest Du Recht ! « - » Wenn Euer Gnaden etwas weiter vortreten , werden Sie den Reisezug der Herrschaften durch das Thal kommen sehen . « sprach der Haushofmeister , sich am Eingange der Thüre zeigend . Sogleich folgte man der Anweisung , und mehrere Reisewagen , von einigen Herren zu Pferde begleitet , zeigten sich den erfreuten Damen . Noch ein Mal durchliefen sie die Zimmerreihe , die nun , so viel dies in den Gemächern von Ste . Roche möglich war , ein ansprechendes Ansehen gewonnen hatten , und eilten dann hinab , ihre Gäste zu empfangen . Heloise von Guiche , die jetzige Gräfin Bussy , war mit Lucile in demselben Kloster erzogen worden , und später hatten sie zu gleicher Zeit ihren Platz als Ehrendamen der Königin erhalten . Oft verschüchtert von den herrschenden Sitten bei Hofe , hatten Beide ihren Trost in einander gefunden und Beide schätzten sich mit der ruhigen Zuneigung , die man allein der Achtung schuldig wird . Die blonde , jugendliche Heloise hatte die regelmäßige Schönheit , mit der wir nach einigen Augenblicken des Erstaunens fertig werden , wenn wir uns überzeugt haben , daß die Seele , die dahinter lebt , ein eben so regelmäßiger Körper ist , der auf der Außenseite nie eine Veränderung hervorrufen wird , nach der wir doch anfangen uns zu sehnen , wenn wir Zeit behalten , unsere Ansprüche über das Vergnügen der Anschauung hinaus zu richten . Man konnte nichts Vollständigeres sehen , als ihre rein griechische Gesichtslinie , ihr Haar von hochblonder Farbe , ihre bewundernswürdige Hautfarbe und die hohe Gestalt , welche die gewöhnliche weibliche Größe überragte und , von einer antiken Fülle verschönert , immer an die Statuen erinnerte , denen wir die Bekanntschaft mit der alten Götterwelt verdanken . Dazu kam die plastische Ruhe ihrer Bewegungen , die vorzüglich karakteristisch in der Unbeweglichkeit ihrer wunderschönen Arme und Hände hervortrat - genug , sie war eine erstaunenswerthe Erscheinung , der man eher einen Tempel zur Wohnung , ein Piedestal zum Ruhepunkt angewiesen hätte , als das Gesellschaftszimmer und den Fauteuil . Doch war ihr hierzu Alles anerzogen , was nöthig war , und das immer gleiche , verbindliche Lächeln , der Gebrauch , stets leise rieselnd zu sprechen , die große Gefälligkeit , Andere nie durch Fragen oder Gedanken zu belästigen und immer höflich zuzuhören , wenn gesprochen ward , hatten ihr allgemeine Bewunderung erworben . Lucile de Maurepas wußte jedoch , daß außer dieser bequemen , äußeren Erscheinung , ihr ein festes , tugendhaftes Herz inne wohnte , daß sie Gefallsucht und Eitelkeit aus reinem weiblichen Instinkte verabscheute und mit unerschütterlichem Muth alle Verführungen abgewiesen hatte , die an dem Hofe Ludwigs des Fünfzehnten jeder ausgezeichneten Schönheit drohten und leider mit nur zu viel Bereitwilligkeit von den ersten und vornehmsten Familien des Adels entgegen genommen wurden , die eine so hoch herkommende Entehrung aufgehört hatten , unter sich so zu benennen . Dennoch waren beide Frauen , seitdem Lucile de Maurepas , Marquise d ' Anville ward , fast ganz aus einander gekommen , und die bescheidene Heloise , die für Lucile eine beinah schwärmerische Bewunderung fühlte , wagte nicht , sich selbst anzumelden , sondern überließ dies ihrem Bruder , dem jungen Grafen Guiche , der mit Leonce und Armand befreundet war . » O , Madame , « sagte sie jetzt , von Armand geführt , mit der anmuthigsten Bescheidenheit sich vor Lucile verneigend - » was werden Sie zu meinem Besuche sagen ? « » Daß Sie immer noch dieselbe Treue und Liebenswürdigkeit besitzen , die ich wohl bewundern und lieben konnte , aber nie erreichen ! « Hiermit umarmte Lucile die schöne Heloise und stellte ihr Mademoiselle d ' Aubaine vor , welche noch nicht präsentirt und der Gräfin Bussy daher fremd war :